Reportage: Der Bulle der Straße

Das Fahrzeug hat 510 PS und ein Eigengewicht von 27 Tonnen
© Foto: Josef Paul GmbH

Das Lkw-Werkstattteam der Firma Josef Paul hat sich schwere Maschinen zur Aufgabe gemacht. Mit ihrem Abschlepptruck, dem MB Arocs „Black Bull“, sind sie vor Ort, um Lkw aus misslichen Lagen zu befreien.


Datum:
23.12.2020
Autor:
John Aukenthaler
Lesezeit: 
3 min

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Eines ist klar, wenn sich die „Black Bulls“ mit ihrem Truck auf den Weg machen: Es wird Power benötigt. 510 PS und ein Eigengewicht von 27 Tonnen bringt ihr Mercedes-Benz Arocs deshalb mit. Diese Kampfwerte braucht der „schwarze Bulle“, denn er schleppt Lkw in allen Größen und teils inklusive Ladung ab. Die Black Bulls sind das Lkw-Werkstattteam der Firma Josef Paul in Passau. Einige spektakuläre Bergungen sind auf ihrem YouTube-Kanal, den einige Tausend Lkw-Fans abonniert haben, zu sehen.

Der Spezialaufbau des Arocs stammt von Empl, einem österreichischen Unternehmen für maßgeschneiderte Aufbauten und Anhänger. Mit dem Bullen-Symbol an der Seite, Lampenbügel und Chrom-Frontschutz ist der Lkw ein echter Straßenfeger – aber er hat es auch in sich.


Der Bulle der Straße

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Mit dem passenden Werkzeug jede Situation sicher meistern

Das Werkstattteam braucht einiges an speziellem und schwerem Material, um bestmöglich auf die unterschiedlichsten Abschlepp-Szenarien vorbereitet zu sein. In den Stau­fächern auf der linken Seite des Trucks stecken mehrere Gurte, Rundschlingen sowie Textilgurte, die mit ihrer breiten Auflagefläche dafür sorgen, dass Bauteile des verunfallten Fahrzeugs schonender angehoben werden können. Dazu kommt verschiedenes Arbeitsmaterial wie Ketten, Stahlseile in verschiedenen Größen, Schaufeln, Besen, eine Leiter und unterschiedliche Schäkel – mit einem Schraub- oder Steckbolzen verschließbare Bügel zum Verbinden zweier Teile. Im hinteren Teil des Fahrzeugs werden zudem verschiedene Luftanschlüsse aufbewahrt, um das abgeschleppte Fahrzeug bremsbereit zu machen. Auch Stromkabel finden sich hier, da nach einem Unfall häufiger die Elektrik der Unfallfahrzeuge nicht mehr funktionstüchtig ist.

Auf beiden Seiten des Berge-Trucks gibt es viel Staufläche für Hilfsmittel
© Foto: Josef Paul GmbH

Auf der rechten Seite des Berge-Trucks befinden sich unter anderem Funkgeräte, spezielle Aufnahmen, mit denen das Unfall-Fahrzeug am Rahmen in die Werkstatt geschleppt werden kann, und ein voll ausgestatteter Werkzeugkasten. Die Abschleppbrille, eine bestimmte Vorrichtung, um Pkw oder Lkw abschleppen zu können, sowie die Winde werden entweder per Fernbedienung oder mittels Hebel von der rechten hinteren Fahrzeugseite aus bedient.

Das neue Abschleppsystem wird an der Front des Unfall-Fahrzeugs befestigt
© Foto: Josef Paul GmbH

Ein neues Abschleppsystem erleichtert die Arbeit deutlich

Seit knapp einem Jahr setzt das Black -Bull-Team auf eine neue Abschlepp­methode, die bei vielen modernen Lkw-Modellen zum Einsatz kommen kann. Während der Abschlepp-Truck die Unfall­fahrzeuge früher vorne angehoben hat, bleiben nun die Räder – sofern möglich – am Boden. Dafür befestigt die Mannschaft ein in seiner Breite verstellbares System an der Lkw-Front. Im Anschluss erfolgt die Verbindung mit einem Spezialaufsatz an der Abschleppbrille des „Stiers“. Diese Abschleppweise hat mehrere Vorteile: Zum einen wird das Material des Schlepp­wagens weniger stark beansprucht. Zum anderen bleibt die Fahrzeughöhe unverändert, was sonst etwa bei Brücken problematisch werden kann. So an die „Hörner“ des schwarzen Bullen geschraubt, läuft der abgeschleppte Lkw wie ein gewöhnlicher Anhänger nach.


Kurz-Info:

Seit 2013 sind die „Black Bulls“ mit ihrem Abschlepp-Truck in der Gegend rund um das bayerische Passau unterwegs. Die Bezeichnung Black Bulls gilt in den sozialen Medien als Synonym für die gesamte Werkstattmannschaft. Die Galionsfigur ist das Abschleppfahrzeug, der sogenannte „Black Bull“.

Marke: Mercedes-Benz
Modell: Arocs 4151 K
Hubraum: 12.800 Kubikzentimeter
Drehmoment: 2500 Nm
PS (kW): 510 (375)
Leergewicht: 27 t
Aufbau: Bison (Fa. Empl)



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