Scania-Showtruck: Wikingerschiff

Der 580 PS starke Scania wartet mit einem 70 Zentimeter längeren Fahrerhaus auf
© Foto: Otto Miedl

Mehr als ein halbes Jahr Bauzeit und vier namhafte niederländische Spezialisten brauchte es für das neue Wikingerschiff von Berthon Jönsson aus Schweden.


Datum:
22.12.2016
Autor:
Redaktion TRUCKER

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So beginnen Märchen: Es war einmal ein Scania mit grauem Chassis und weißem Fahrerhaus. Aus der "häßlichen Ente" wurde ein Schwan: eines der schönsten und aufwendigsten Fahrzeuge in ganz Europa!

Tatsächlich gibt's am R580 Longline von Berthon Jönsson aus Bjärnum in Schweden kein Fleckchen mehr, das noch im ursprünglichen Zustand ist. Obwohl es auch in seiner Heimat gute Künstler und Handwerker gegeben hätte, die mit Schweißgerät, Schraubenschlüssel und Airbrushpistole umgehen können, entschied sich Jönsson dafür, sein neues Fahrzeug wieder in die Hände von niederländischen Spezialisten zu geben. Die hatten schon vor gut zwei Jahren seinen mittlerweile vielfach prämierten Scania R 560 "Hot Rod" auf die Beine gestellt. Ein Umbau in dieser Qualität und Güte ist nur möglich, wenn alle beteiligten Firmen Hand in Hand arbeiten und relativ nahe beieinander liegen.

Bereits im Januar 2016 hatten die Arbeiten an der gut 8,5 Meter langen Sattelzugmaschine bei van Winkoop in Ermelo begonnen. Dort wurde zuerst einmal die Scania-Kabine um satte 70 Zentimeter gestreckt. Alleine die Verlängerung des Fahrerhauses sollte schon mehrere Wochen in Anspruch nehmen. Die in vielen Bereichen außergewöhnlichen Umbauten, wie beispielsweise die Abdeckungen und Verkleidungen des Fahrgestells, die Staukästen und Auspuffrohre inklusive aller Halterungen sowie Heckstoßstange, Rammschutz und Sonnenblende stammen allesamt von Steve's Place Truckstyling aus Noordwijkerhout.

Besonders ums Fahrgestell erwecken die mit Nieten versehenen Eisenbänder den Anschein, als würden sie die Bauteile zusammenhalten. Auch in der Kabine sollte später dieses Stilelement wieder zum Vorschein kommen. Je nach Größe und Lage sind auch sämtliche runden Leuchten mit entsprechenden Einfassungen versehen. Selbst bei den beiden kleinen Lämpchen in der speziell angefertigten Sonnenblende ist dies der Fall.

DAS DESIGN STAMMT VON MARCEL, DAS AIRBRUSH VON WILLEKE TIMMER

Die Lackierarbeiten übernahmen schließlich nach den Monaten des Umbaus Willeke & Marcel Timmer von MW Designs aus Schijndel. Das Gesamtdesign des Scania stammt von Marcel Timmer. Künstlerin und Ehefrau Willeke erledigte die Airbrusharbeiten.

Das Künstlerehepaar hatte für Berthon Jönsson im Vorfeld mehrere unterschiedliche Designs erarbeitet. Zum Zuge kam letztlich die gediegene und goldgelbe Version, welche gänzlich ohne grelle Farben auskommt. Dadurch wird ein passender Bezug zum eigentlichen Wikingerthema hergestellt. In der Vorstellung der Künstler wollten grelle Farben nicht so recht passen. In der Ausführung gewährte Berthon Jönsson allen Beteiligten fast völlige Handlungsfreiheit. Nur auf eines legte er Wert: Die Wikinger durften auf den Gemälden keinesfalls die meist in der Darstellung so gerne verwendeten - aber technisch und geschichtlich völlig unsinnigen Hörnerhelme tragen!

Den Abschluss bildeten die Arbeiten an der Innenausstattung von Special Interior aus Dronten. Getreu dem Motto "Das Beste kommt zum Schluss" lieferte Special Interior ein wahres Meisterwerk ab. Das Interieur wirkt an vielen Stellen bewusst grobschlächtig und derb - wie die Wikingerbehausungen vor über 1000 Jahren gewesen sein dürften. Auch der Materialmix von Leder, Holz und blankem Eisen spiegelt die Epoche der wilden Seefahrer wider. Im Interieur entstand durch die Kabinenverlängerung eine opulente Liegewiese. Es soll Ehebetten geben, die enger geschnitten sind ... Was nicht sofort ersichtlich ist: der riesige Flachbildschirm im Scania. Er befindet sich parallel zur Innenwand auf der Beifahrerseite und erstreckt sich in der Tat fast über die gesamte Breite der Liegefläche. Das Fernsehgerät kann aus den Tiefen der Kabine herausgefahren und dorthin wieder komplett versenkt und mit einer Klappe verschlossen werden. Diese Spielerei ging natürlich an der Außenseite zulasten des rechten Staufaches. Aber dennoch wurde das Fach ebenso liebevoll ausgekleidet und die Klappe wird nicht nur mittels eines schnöden Ringes geöffnet, sondern hier hängt als liebevolles Detail der Hammer von Wikingergott Thor!

Insgesamt dauerten die Umbauarbeiten von Januar bis Ende Juli 2016. Beim ersten Auftritt auf dem Truckstar Festival im holländischen Assen fehlten noch ein paar Kleinigkeiten am Scania. Seitdem hatte die schwedische Sattelzugmaschine vor allem die Verpflichtung, auf diversen europäischen Truckfestivals zu glänzen und dies gelang ihr natürlich mit Leichtigkeit. Aus dem Scania ist eines der außergewöhnlichsten Fahrzeuge Europas geworden und zusammen mit dem "Superhero" von John Templeton aus Schottland zählt er zu den herausragendsten Neuerscheinungen des Jahres 2016.

NOCH TRÄGT DER "HOT ROD" DIE KRONE, ABER DER "VIKING" HOLT MÄCHTIG AUF

Dennoch konnte auf der Nordic Trophy 2016 im schwedischen Jönköping noch sein Vorgänger bzw. das Schwesterfahrzeug, "Berthons Hot Rod", den Gesamtsieg überraschend für sich verbuchen. Der neue Scania R 580 konnte aber bereits einige gute Platzierungen erreichen und den einen oder anderen Pokal mit nach Hause nehmen.

Die kalten Wintermonate darf Berthon Jönssons Wikingerschiff noch im warmen und überdachten Trockendock verbringen. Aber dann wird auch dieses schöne Gefährt auf das Transportgeschehen losgelassen werden. Wie auch die anderen Lastenkäne des 57-jährigen Transportunternehmers wird der Scania dann hauptsächlich mit Intermediate Bulk Containern (IBC) unterwegs sein. Geplant ist eine Auflieger- und Anhängerkombination. Dank der kleinen Räder kann der Scania nämlich auch alle anderen Trailer aufsatteln, die bei Berthon Jönsson im Einsatz und normalerweise mit einer Dolly-Achse bestückt sind. Otto Miedl

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