Scania Transport Lab: Auf den Cent genau!

Fünf Züge des Scania Transport Lab auf dem Weg von Södertälje nach Zwolle
© Foto: Scania/Peggy Bergmann

Was kostet ein Fahrer? Und was kostet ein Lkw? Scanias Transport Lab versucht, das möglichst exakt zu beantworten.


Datum:
13.03.2015
Autor:
Gregor Soller

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Bereits 1996 wurde die "Scania Transportlaboratorium Aktiebolag", auch bekannt als "Transport Lab", registriert.

Mit dieser eigenen Spedition, gelegen am Strömsgardsvägen 2 in Södertälje, die teils im Wettbewerb zum freien Markt agiert, möchte Scania selbst Datenmaterial aus der Praxis generieren. Der Fuhrpark umfasst aktuell 35 Lkw und 150 Trailer für den Nah- und Fernverkehr. Die Fahrzeuge werden von 40 Fahrern im Verteilerverkehr und von 50 Kollegen im Fernverkehr praktisch rund um die Uhr bewegt.

Im Fernverkehr pendeln 15 Züge immer zwischen den Scania-Werken Södertälje in Schweden und Zwolle in den Niederlanden, wobei jeder Lkw im Schnitt mit 3,2 Fahrern besetzt ist. Die fahren von Södertälje in rund zehn Stunden 630 Kilometer nach Kopenhagen, wo die Fahrer in einem Scania-Motel pausieren. Dort übernehmen sie ein anderes Auto, mit dem sie die restlichen 630 Kilometer nach Zwolle zurücklegen. Dann geht es wieder retour. Durch die strikt getakteten Strecken und Fahrpläne haben die Kollegen in der Regel nie Probleme mit den Fahrzeiten.

Die Züge von Södertälje nach Zwolle transportieren vor allem Achsen, Motoren und Getriebe, womit die Lkw zwischen 35 und 40 Tonnen wiegen. Auf dem Rückweg gelangen meist Leergut, Spoiler und Kleinteile nach Södertälje. Die Gewichte liegen entsprechend niedriger und betragen zwischen 22 und 40 Tonnen. Als Durchschnittsgewicht aller Touren nennt Scania 34 Tonnen.

ZEHN KM/H WENIGER SPAREN ZEHN PROZENT

Die Geschwindigkeit gibt Scania mit 74 km/h an, zumal die Flotte bei 80 km/h abgeregelt wird. "Wir fuhren Versuche mit diversen Maximalgeschwindigkeiten zwischen 80 und 90 km/h, doch die Verbrauchsvorteile waren bei 80 km/h enorm", erklärt Cem Kizilkaya, der für den Fuhrpark verantwortlich ist. "Bei 90 km/h holen wir über die Strecke ein Prozent an Zeit, bei einem um zehn Prozent höheren Verbrauch! Das Risiko, in einen tödlichen Unfall verwickelt zu werden, steigt dabei übrigens um 40 Prozent!"

So fährt das Transport-Lab wöchentlich 112 Ladungen, während im Verteilerverkehr bis zu 1000 Partien zusammenkommen! Dort beträgt die Durchschnittsgeschwindigkeit übrigens keine 30 km/h.

Über die Jahre sanken die Verbräuche und damit der CO2-Ausstoß laut Kizilkaya erheblich: von über 70 Gramm pro Tonnenkilometer anno 2008 auf rund die Hälft e 2013. Einen großen Sprung brachte die Einführung der 31,5 Meter messenden Kombination mit 78 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht, die Scania im Gegensatz zu Volvo auch tagsüber bewegen darf. Die wird vor der Überfahrt nach Dänemark geteilt und mit einer weiteren Zugmaschine bis nach Zwolle gefahren.

Trotz der gesunkenen Verbräuche peilt Kizilkaya noch niedrigere Werte an: 25 Gramm CO2 pro Tonnenkilometer strebt er für die Flotte an. Der 78-Tonner knackt jetzt schon die 20-Gramm-Marke: "Wir brauchen die Herausforderung", scherzt der Schwede mit dem türkischen Namen, der übrigens auch deutsch, kroatisch, englisch und natürlich türkisch spricht.

SCANIA KAUFTE DEN ERSTEN EURO-6-ACTROS SCHWEDENS!

Mehr Sprit sparen könnte man auch über das automatisierte Kolonnenfahren mit geringerem Abstand, Platooning genannt. Dazu müssen aber die elektronischen Regel- und Kommunikationssysteme der Lkw untereinander noch weiter ausgebaut werden.

Neben der Ermittlung von Verbräuchen sammelt das Transport Lab Erfahrungen zu Ausfallzeiten. Und das nicht nur für Scania-Lkw, sondern auch für Konkurrenzprodukte. Startete man bei Euro 5 mit einem Volvo FH und einem Mercedes Benz Actros MP 3, holte man sich für Euro 6 neben den neuen FH und Actros einen DAF XF sowie einen MAN TGX hinzu. Sparkönig der Flotte ist aktuell der Scania 410 SCR only. Außerdem laufen auch ein 580er und ein 730er im Transport Lab mit. Alle Lkw haben Full-Service-Verträge, die im Falle von Scania ein Weiterkommen binnen zwei Stunden garantieren sollen, was laut Kizilkaya bisher auch immer klappte. 400.000 Kilometer kommen so im Jahr zusammen.

Als der Actros erstmals zum Service kam, wähnte der Werkstattmeister eine 0 zu wenig auf dem Kilometerzähler: So früh hatte er den ersten in Schweden verkauft en Euro-6-Actros nicht erwartet! Einen tieferen Einblick ins "Transport Lab" gab uns neben Cem Kizilkaya auch Fahrer Thomas Schmidt.

HASHTAG


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