Spedition Robert Schmitz: Wünsch dir was

Juri Schneider ist glücklich mit seinem Volvo FH
© Foto: Julia Thomsen

Die Spedition Robert Schmitz hat sich nach einer Krise erholt - mit einem Mix aus Spezialtransporten, flachen Hierarchien und einem offenen Ohr für Wünsche.


Datum:
05.12.2017
Autor:
Julia Thomsen

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Wer einmal ganz unten war, macht dieselben Fehler nicht noch mal", ist sich Hans-Georg Schmitz sicher. Anfang der Neunzigerjahre steckte die Spedition Robert Schmitz in einer Krise. In der ohnehin schwierigen Zeit nach der Wende verlor die Hagener Firma ihren größten Kunden. Zudem fehlten Fahrer. "Der Umgang mit den Fahrern stimmte damals nicht", blickt der Geschäftsführer zurück. Gut zehn Jahre habe es gedauert, bis er die Spedition aus ihrem Tief herausgeholt hatte.

Heute hat Schmitz 26 Lkw und 29 Fahrer. Neben der Spezialisierung des Unternehmens zählt für den Spediteur in dritter Generation vor allem der richtige Umgang mit den Mitarbeitern. Er kennt jeden Fahrer beim Namen, nimmt sich regelmäßig Zeit für ihre Fragen und Wünsche. Martin Barwicki bestätigt das: "Es ist wichtig, mit dem Chef reden zu können. Ich mag ihn sehr, er findet für jedes Problem eine Lösung." Der 40-Jährige war schon einmal acht Jahre für Schmitz gefahren, dann wollte er etwas anderes kennenlernen, bevor es ihn wieder zurückzog. "Jetzt bleibe ich bis zur Rente", versichert er.

Dass die Fahrer zufrieden sind, ist für Hans-Georg Schmitz wichtig. Im Fernverkehr seien sie daher mindestens zwei Nächte in der Woche zu Hause, betont er. "In der Regel sind sie eine Nacht draußen, eine Nacht zu Hause. Und am Sonntag muss bei uns niemand los."

SPEZIALTRANSPORTE MIT SPEZIALFAHRZEUGEN

Etwa die Hälfte der Tonnage transportiert Schmitz im Nahverkehr im Umkreis von etwa 50 Kilometern, 30 Prozent in einem Umkreis von 100 Kilometern und nur circa 20 Prozent darüber hinaus. Geladen werden vor allem Brammen - Blöcke aus gegossenem Stahl - sowie Stahlcoils und -drähte. "Wir sind reiner Spezialanbieter, daher sind auch unsere Auflieger Spezialanfertigungen", erklärt Schmitz. Für Walzdraht etwa hat er sich von Eisenbahnwaggons inspirieren lassen. Mit speziellen Sicherungsstreben und Keilen muss nun die unterste Lage nicht mehr verzurrt werden. Das spart Arbeit und Zeit.

Aktuell hat die Spedition einen neu entwickelten Trailer im Einsatz. Der Prototyp, den Fuhrparkleiter Patrick Klein und Hans-Georg Schmitz gemeinsam mit Eisel Nutzfahrzeuge entworfen haben, wiegt leer nur 4,5 Tonnen. Samt der Volvo-Zugmaschine kommt das Gespann auf ein Rekordleergewicht von nur 12,3 Tonnen. "Wir dürfen in NRW auf immer weniger Strecken mit mehr als 44 Tonnen fahren, doch ein Coil allein wiegt schon bis zu 33 Tonnen", begründet Schmitz diese Investition. Bei Trailer und Zugmaschine wurde daher alles so leicht wie möglich gebaut: ein kleinerer Tank, Leichtbaustahl für das Chassis, eine hauchdünne Stirnwand, viel Aluminium. "Nun muss er dem Alltagstest standhalten", so Fuhrparkleiter Klein.

Ebenso vielfältig wie der Trailerfuhrpark ist auch die Auswahl an Lkw, denn die Fahrer haben die freie Markenwahl. "Der eine fährt lieber DAF, der andere lieber MAN oder Volvo", weiß Schmitz. "Sogar einen Mercedes habe ich angeschafft, obwohl ich sonst keinen im Fuhrpark hatte." Das sorge für zufriedenere Fahrer und gepflegtere Fahrzeuge. Auch der Chef hat sich seinen eigenen Fahrzeugtraum erfüllt. "Ich wollte immer schon einen Scania haben", sagt er schmunzelnd mit Blick auf einen rot-grünen Greif, der im Hof gerade beladen wird.

Für Fahrer Ingo Geyer ist die Fahrzeugmarke weniger entscheidend. Nach über zehn Jahren im Fernverkehr hat er bei Schmitz seit sechs Jahren einen geregelten Tagesablauf. Weg möchte er nicht mehr. "Der Zusammenhalt unter den Kollegen und das familiäre Miteinander stimmen einfach." "Wir sind hier wie eine große Familie", stimmt ihm Juri Schneider zu, der seit 14 Jahren für Schmitz fährt. Neu in der Schmitz-Familie ist Bkf-Azubi Fabian Ferch. Seit August dieses Jahres lernt der 17-Jährige bei der Hagener Spedition. Zunächst in der unternehmenseigenen Werkstatt und im Büro - den Führerschein muss der junge Mann erst noch machen.

"Ich kann es kaum erwarten, endlich unterwegs zu sein, am liebsten im Fernverkehr", sagt er. "Fabian stand eines Tages in meinem Büro und sagte: 'Ich will Fahrer werden'", erinnert sich Hans-Georg Schmitz. Diesen Wunsch erfüllt ihm der Spediteur nur allzu gern.

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