Spedition Stöhr: Investition in die Zukunft

Einheitlich grün und gepflegt: Die Trucks von Stöhr
© Foto: Julia Thomsen

Bei Stöhr Logistik scheint man ein Mittel gegen den drohenden Fahrermangel gefunden zu haben. Ganz nach dem Motto: "Wir 'züchten' unseren eigenen Nachwuchs."


Datum:
27.01.2017
Autor:
Julia Thomsen

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Ihr seid zu früh", ruft uns Max Braun schon von Weitem zu. Er steht mit dem Putzlappen in der Hand vor seinem grünen Actros. "Gebt mir noch ein paar Minuten", sagt er. "Ich wollte noch die Felgen putzen." Max ist 24 Jahre alt und Berufskraftfahrer bei Stöhr Logistik in Rottenacker. 2009 kam er als einer von drei Azubis zu dem Familienunternehmen - aktuell bildet die Spedition rund 30 junge Nachwuchsfahrer aus.

"Die Ausbildung ist bei uns nicht nur ein Nebenprodukt, sondern ein Hauptaugenmerk", sagt Marcus Leitte, Leiter Spedition bei Stöhr. "Uns ist klar geworden, dass wir bald ein echtes Problem haben, wenn wir nicht selber ausbilden." Schon jetzt fehlen vielen Speditionen Fahrer. Es gebe kaum noch Quereinsteiger, denn durch die EU-Qualifikation und die dadurch höheren Anforderungen und vor allem Kosten sei die Möglichkeit des Quereinstiegs fast versiegt, erklärt Stephanie Steinwender. Sie ist seit 2003 bei Stöhr in der Personalverwaltung und vor allem zuständig für das Thema Ausbildung.

VON KLEIN NACH GROSS: VOM STAPLER AUF DEN BOCK

"In den letzten drei Jahren haben wir die Ausbildung zum Berufskraftfahrer gezielt gepusht", erklärt Steinwender. "Wir haben Kooperationen mit Schulen, besuchen regelmäßig Messen, gehen in den Unterricht und stellen dort gemeinsam mit unseren Azubis den Beruf vor." Der Aufwand trägt Früchte. 2016 konnte Stöhr 15 neue BKF-Azubis begrüßen. "Vorher waren es drei bis fünf pro Jahrgang." Viele Schüler wüssten gar nicht, dass Kraftfahrer ein Ausbildungsberuf ist. Das will man bei Stöhr ändern.

Bevor die BKF-Azubis das erste Mal auf den Bock dürfen, packen sie in den anderen Abteilungen vom Lager bis in die Werkstatt mit an. Im eigenen Truck Service Center mit Werkstatt und Lkw-Waschanlage im Nachbarort Munderkingen lernen sie ihr künftiges Arbeitsgerät detailliert kennen. Neben den eigenen Fahrzeugen werden hier auch Fremd-Lkw wieder flottgemacht, "wenn die Kapazitäten es erlauben", erklärt Werkstattleiter Siggi Borchardt. Heute steht ein Auflieger in der Halle, der beim Rangieren zu engen Kontakt mit einem Baum hatte. BKF-Azubi Fabian Callies drückt mit dem Gabelstapler von unten Paletten gegen das verbogene Gestänge, um die Reparatur zu erleichtern.

Den Umgang mit dem Gabelstapler lernen die jungen Kraftfahrer im Lager bei Stöhr grundsätzlich zuerst. "Wir stellen BKF-Azubis schon mit 16 Jahren ein", erklärt Marcus Leitte. "Wenn sie 17 werden, machen sie den Pkw-Führerschein." Mit MPU und Sondergenehmigung dürfen die Lehrlinge dann bereits ohne Begleitung fahren. "Bei Fahrten mit dem Transporter lernen sie so schon die Abläufe einer Lieferung kennen - quasi in klein", erläutert Leitte.

Mit 18 Jahren geht es für den Nachwuchs dann an den Führerschein für die Großen in der hauseigenen Fahrschule. Fahrlehrer Bruno Dittrich ist zweimal in der Woche bei Stöhr, gibt Theorie- und Fahrunterricht. Heute dreht er mit Marcel Stützle seine Runden im Hängerzug. "In der Regel sind die Auszubildenden in zwei bis drei Monaten durch mit dem Führerschein - je nachdem wie geschickt sie sich anstellen", sagt er und fügt lachend hinzu: "Bei Marcel bin ich zuversichtlich." Der BKF-Lehrling steht kurz vor der Theorieprüfung, die praktische soll unmittelbar darauf folgen.

Wer die CE-Führerscheinprüfung bestanden hat, fährt für Stöhr schon nach kurzer Zeit eigene Touren. "Ich bin etwa zwei Wochen mit Begleitung gefahren, dann schon allein", erzählt Fahrer Max Braun. Er hat seine Ausbildung 2012 beendet. Einen schöneren Beruf kann sich der 24-Jährige nicht vorstellen. "Ich hab' keine festen Touren, fahre quer durch Europa, von der Autobahn bis in die Fußgängerzone. Es wird nie langweilig", schwärmt er. Etwa 50 Prozent der Transporte bei Stöhr sind Baustoffe, gefolgt von der Metallindustrie und Metallen in jeglicher Form.

Sein 430-PS-starker Actros ist Max' Ein und Alles. Mit Erlaubnis des Chefs hat er ihn mit zusätzlichen Dachscheinwerfern und Chromzierleisten ausgestattet, die er regelmäßig auf Hochglanz bringt. Und auch an der Rückwand der Fahrerkabine, die Max sich mit Gardinen und Plüschwürfeln gemütlich gemacht hat, leuchtet ein LED-Stern. Klar, dass er mit seinem Lkw auch regelmäßig Trucker-Treffen ansteuert. "Der Besuch beim Truck-Grand-Prix am Nürburgring ist Firmentradition", erzählt er. Die Entscheidung, bei Stöhr die Ausbildung zum Berufskraftfahrer zu machen, bereut Max keinen Tag. "Ich habe hier alles gelernt, was nötig ist."

EIN RUNDUM-SORGLOS- PAKET FÜR ALLE FAHRER

Auch als Fahrer sei Max bei dem Logistiker in Rottenacker bestens umsorgt. "Die Rahmenbedingungen sind top", erklärt Geschäftsführer Erwin Stöhr. Zwei Fahrertrainer kümmern sich in der Verwaltung ausschließlich um die Belange der Fahrer. "Sei es die Führerscheinverlängerung, die Lenkzeitüberwachung oder benötigte Schulungen - Fahrer und Azubis können sich komplett auf ihre Arbeit und ihre Ausbildung konzentrieren." Ein Konzept, das anscheinend aufgeht: "Uns liegen schon jetzt, weit vor dem nächsten Ausbildungsbeginn, die ersten Bewerbungen vor." JT

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