The Show must go on

Sex sells - das galt auch auf der MATS
© Foto: Fabien Calvet

Obwohl Daimler, Navistar und Volvo der "MATS" fernblieben, bot die Show in Louisville als eines von zwei großen Messe-Events eine Vielzahl an Highlights.


Datum:
11.06.2018
Autor:
Gerhard Gruenig

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Obwohl die Mid-America Trucking Show "MATS" in Louisville mit der NACV in Atlanta starke Konkurrenz bekommen hat, konnte sie auch in diesem Jahr wieder Tausende von Besuchern in ihren Bann ziehen. Eine Vielzahl von Ausstellern aus der Transportbranche präsentierte ihr Angebot.

Von den bekannten Herstellern waren in diesem Jahr nur Kenworth, Peterbilt und Mack offiziell auf der Messe vertreten. Daimler mit seinen Marken Freightliner und Western Star und Navistar wie auch Volvo fokussieren sich auf Atlanta und blieben fern - obgleich auch Fahrzeuge dieser Marken bei diversen Veredlern und Zubehörlieferanten zu sehen waren. Die jetzt stärker ausgeprägte Konkurrenz der beiden Messen hat natürlich auch damit zu tun, dass kaum ein Hersteller im schnellen Turnus Neuheiten zu präsentieren hat - und dass man auch irgendwo Kosten sparen muss. Eventuell, so mutmaßen Insider, wird es künftig auf einen Wechsel im jährlichen Turnus der beiden Messen hinauslaufen. Auch bei uns findet die IAA Nutzfahrzeuge ja nur alle zwei Jahre statt ...

TROTZ DER PROBLEME EINE GROSSARTIGE MESSE

Louisville zeigte sich ungeachtet der beschriebenen Probleme trotzdem wieder als großartiges Ereignis. Vor allem die Trucker gaben sich ein Stelldichein und waren in großer Zahl vertreten. Ein Erfolg, den die NACV in Atlanta zumindest bei ihrem Debüt nicht für sich in Anspruch nehmen konnte.

Wie im letzten Jahr war die Paccar-Gruppe bei der Louisville-Show gut vertreten. Ein Fokus lag auf Gebrauchtfahrzeugen, die, anders als in Europa, in den Staaten einen viel höheren Status genießen und fast wie Neufahrzeuge angeboten werden. Meistverkaufte Modelle bei Kenworth sind die Zugmaschinen der T680- und T880-Baureihe. Der Klassiker, der Eckhauber W900, schreitet dagegen unaufhörlich seinem Produktionsende entgegen. Scheint, als würden die sinkenden Verkaufszahlen dieses Dinosauriers sein baldiges Ende ankündigen.

Für den 680er zeigte Kenworth drei überarbeitete Kabinenversionen: Hochdach, Mid-Roof und Day-Cab. Letzteres ist zumindest für europäische Augen ungewöhnlich. Ein Pendant wäre etwa ein DAF XF mit kurzer Kabine und ohne Bett - bei uns undenkbar.

EUROPÄISCHE MOTOREN, AMERIKANISCHE GETRIEBE

Während Paccar bei den Motoren immer mehr auf die auch im DAF eingesetzten Eigenantriebe MX11 und MX13 setzt, bleibt das Getriebeangebot (noch) traditionell: kein ZF-Traxon, dafür Eaton-Advantage. Ähnlich der Schaltbox aus Friedrichshafen gibt es jetzt bei Eaton ein automatisiertes Zwölf-Gang-Getriebe, das allerdings unter dem Paccar-Label segelt, auch wenn es im mexikanischen Eaton-Werk gefertigt wird. Das Gehäuse besteht aus Aluminium, was es deutlich leichter macht als das oft für sein Gewicht kritisierte Traxon.

Bereits im September enthüllte die Volvo-Tochter Mack das neue Flaggschiff: den Anthem. Der stellte dann auch in Louisville das Zugpferd am Stand dar. Alleine die Verkäufe dieses Modells haben in der kurzen Zeit dazu beigetragen, dass der Marktanteil bei den Sattelzugmaschinen so richtig in Wallung gekommen ist. War Mack die letzten Jahre vor allem im Bausegment dominant, kann die Bulldogge jetzt auch wieder in der Klasse 8 so richtig punkten. Mack versteht es dabei, eine moderne Linie mit den Traditionen der Markenbotschaft "Born in the USA" zu kombinieren.

Für Europäer ist aber zumindest das Qualitätserlebnis bei genauerer Betrachtung etwas enttäuschend. Gut, der im Vergleich zum Vorgänger stark überarbeitete Innenraum glänzt mit guten Detaillösungen. Die erwartete Revolution blieb allerdings aus, und die Qualität der verwendeten Kunststoffe ist, gelinde gesagt, mäßig.

Etwas überraschend für viele Kunden kam die Ankündigung, dass es den Anthem nicht mehr mit Cummins-Motoren und auch nicht mehr mit dem aus dem FH16 bekannten großen Sechszylinder gibt. Bleiben "nur" noch die 7- bis 13-Liter-Aggregate, die wir in Europa aus FL, FM und FH kennen. Im Bereich Getriebe setzt Mack auf M-Drive, quasi eine Light-Version des I-Shift. Im Gegensatz zu Europa können die Kunden aber noch Schaltgetriebe bestellen, obgleich die "Automaten" mit 90 Prozent die Kaufoptionen dominieren.

PETERBILT BLEIBT DEN TRADITIONEN VERBUNDEN

Bei Peterbilt gab's wenig Neues. Der 567 ist nach wie vor der beliebteste Klasse-8-Truck in den USA.

Der 589 bleibt erste Wahl für Flotten und kleine Unternehmen. Mit dem 389er bietet die Paccar-Marke einen der letzten Überlebenden der Eckhauber-Ära an. Er bleibt auch im 21. Jahrhundert die Referenz bei allen Truckern.

Immerhin hat es Peterbilt verstanden, das anachronistische Äußere seines 389ers mit dem Fahrkomfort und der Bequemlichkeit des viel moderneren 589 zu verbinden. Meistbestelltes Aggregat ist bei Peterbilt der extrem starke und zuverlässige Cummins X15. (Fabien Calvet/gg)

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