Transporte Schuster: "Ein ausgekochtes Schlitzohr"

Georg Schuster vor seinem eben gewaschenen und gewienerten T-Hauber
© Foto: Gregor Soller

Der "Schneemann" des Kultfilms "Ein ausgekochtes Schlitzohr" fährt jetzt im bayerischen Oberland.


Datum:
13.11.2015
Autor:
Gregor Soller

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Bei vielen Kollegen genießt der einstige Blockbuster "Ein ausgekochtes Schlitzohr" mit Burt Reynolds als "Bandit" und Jerry Reed als "Schneemann" Kultstatus. Auch wenn Jerry Reed bereits 2008 verstarb, so lebt "Schneemann" trotzdem weiter: So nannten seine Kumpels Georg Schuster schon in der Jugend - und deshalb lässt Georg eben als "Schneemann" zwischen Starnberger See und Weilheim seine Greife "fliegen".

WO DER SCHNEEMANN VIEL FEINGEFÜHL HABEN MUSS

Georg Schuster präsentiert uns seinen schneeweißen, blitzblanken Scania-V8-Fuhrpark, der neben vier R-Modellen zwei Hauber und einen 1986er 142 H umfasst. Ergänzt werden die Fahrzeuge durch mehrere Bagger und Raupen, mit denen Erdarbeiten durchgeführt werden. Sie sind für den Erfolg des Betriebs unverzichtbar, denn Schuster sieht sich als Landschaftsgestalter für anspruchsvolle und eher regionale Kunden, die seine Arbeit in der Regel besser honorieren als Großbaustellen, die im gnadenlosen Minutentakt beliefert werden müssen. Anders sieht die Situation bei den Schubböden aus, die international laufen und mit denen Schuster "alles" fährt - von Äpfeln bis hin zu Hackschnitzeln. Am Steuer eines dieser Fahrzeuge sitzt Peter Radner, der nach dem Ausfall eines Fahrers als Aushilfe das "Winterauto" bewegt, wie es die Schuster-Truppe scherzhaft nennt: Den einzigen 730er im Fuhrpark, mit dem Radner "sehr viel Spaß" hat.

Ebenfalls mit dem Schubboden unterwegs ist Jürgen Kampfrath, der seit vier Jahren für den "Schneemann" fährt und ihn als besten Chef aller Zeiten lobt - mit dem Hinweis, dass er in den 19 Jahren seiner Fahrerkarriere schon einige Chefs kennenlernen durfte. Ebenfalls seit vier Jahren mit dabei ist der Eiler Sepp, der vor seiner Schubbodenkarriere 25 Jahre lang Kühler fuhr. Auch er fühlt sich sehr wohl in dem wilden Haufen und fährt vor allem Hackschnitzel durch Westeuropa. Dabei kommt er von Griechenland über Spanien bis in die Heimat seines V8, nach Schweden. Apropos international: Natürlich fahren bei den Oberbayern auch "Zugereiste". So nennen seine Kollegen scherzhaft den Allgäuer Rainer Kammel, der mit Spitznamen Benny heißt. Er gibt den "Libero" in Schneemanns eingeschworener Familie - auch wenn er wegen seines Dialekts nicht von mehr oder weniger deftigen Frotzeleien seitens der Kollegen oder des Chefs verschont bleibt. Die sagen jedoch mehr über die gute Stimmung bei Schuster aus als alle offiziellen Beschreibungen.

EINGESPIELTE FAMILIE UND EINE GUTE SEELE

Nach Wochen finden die Jungs heute endlich mal wieder Zeit für ihr freitägliches "Kaffeekränzchen", das durch einen von der Schneemann-Gattin gebackenen Kuchen gekrönt wird. Da "ratscht" man dann gern noch über die vergangene Woche oder erinnert sich mit glänzenden Augen an das letzte, jährlich stattfindende Scania-Treffen in Haunshofen, zu dem natürlich auch alle anderen Marken herzlich willkommen sind (auf Youtube unter "Truckertreffen Haunshofen 2015" zu sehen).

Dabei hilft immer die ganze Familie mit, ohne die das kleine, aber feine Spektakel gar nicht möglich wäre. Dann wird per Kran auch der Scania-Schriftzug "gehisst", den Schuster einst von einem Servicepunkt zum Aufbewahren erhielt - bis der Werkstattleiter dort einsah, dass der Schriftzug in Haunshofen in allerbesten Händen ist und daraus eine Dauerleihgabe machte ...

Derweil sperrt Herbert Häupl, den der Chef die "gute Seele", nennt, den Lagerschuppen ab. Häupl kümmert sich bei Bedarf um alle Kleinigkeiten, die im Speditionsalltag so anfallen und dient den Jungs damit als reinigendes und schraubendes "Backup-Office". Häupl und Schuster verbindet mittlerweile auch eine mehr als zehnjährige Freundschaft - und Häupl ist für den Schneemann definitiv verlässlicher, als Bandit es für das Filmvorbild je war!

SCHON ALS JUGENDLICHER EIN FAN VON GROSSEN MOTOREN

Obwohl er ursprünglich Zimmermann gelernt und damit auch Spaß hatte, ist Georg Schuster Fahrer und Spediteur durch und durch. Als Jugendlicher fotografierte er leidenschaftlich gern Lkw. Und wenn er wieder mal einen Dachstuhl zimmerte und einen großen Motor hörte, wanderte sein Blick sofort auf die Straße, um zu sehen was da vorbeifährt. Irgendwann machte er dann doch auf eigene Faust den Führerschein, startete mit einem 811er-Mercedes 7,5-Tonner und tauschte den schon bald gegen einen 310er-Magirus-Hauber, mit der er Baustelle fuhr. Es folgten ein 331er-MAN- Sattelkipper und ein 350er-Mercedes-SK. Dann sollte eigentlich ein Actros 1 sein nächstes Auto werden. Doch Georg entschied sich zum Sprung in die Selbstständigkeit mit einem Scania. Als er dann 2003 auf den "Holz-Haudegen" Georg Tränkl und dessen 530er-Scania-Hauber traf, war für ihn sofort klar, welches Auto irgendwann einmal in seinem Fuhrpark stehen musste.

SEIN SCHWÄRZESTER TAG: DAS ENDE DES T-HAUBERS

Ihn als Markenfan zu bezeichnen, das wird Schuster kaum gerecht - scherzhaft bezeichnet er den Tag im Jahr 2005, an dem Scania bekanntgab, die T-Haubenproduktion einzustellen, als den "schlimmsten seines Lebens". Zehn Jahre später hat er es geschafft: Seinen alten 2003er-Scania T hat er soeben "restauriert" und sich selbst einen 2008er in Euro 5 gegönnt, der nachträglich in den Niederlanden vom R zum T umgebaut wurde.

Dass er die Fünfzigerjahre als "goldene Zeit" schätzt, sieht man dem Rockabilly-Fan an seiner stilechten Elvis-Tolle samt zeitgemäßer Koteletten an. Auch bei den Servicefahrzeugen schätzt er V8-Power und nutzt unter anderem eine Dodge-Ram-Doppelkabine.

Extrem vernünftig wirkt dagegen der Renault Master-Werkstattwagen. Schuster hat aber offensichtlich nicht nur Diesel, sondern auch Benzin im Blut. Das belegen ein 57er Chevy Bel Air und ein schwarzer Camaro der vierten Generation. Neben dem Renault der einzige Stilbruch: Als der "Schneemann" im dritten Schlitzohr-Film selbst zum "Bandit" wurde, ärgerte er Sheriff Bufort T. Justice im Camaro-Schwestermodell: Einem Pontiac Firebird der dritten Generation.

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