Türkischer Showtruck Ford Cargo

Hier lenkt der Chef: Merdan Kayhan in seinem Ford Cargo Showtruck.
© Foto: Reiner Rosenfeld

Merdan Kayhan frönt einem speziellen Hobby: Der Tanktransporteur veredelt am liebsten Ford Cargo LKW.


Datum:
07.01.2013
Autor:
Reiner Rosenfeld

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Ford Trucks veredle ich am liebsten. Da kann ich mich künstlerisch am besten entfalten, weil es für die kaum Truckaccessoires von der Stange gibt", sagt Merdan Kayhan, Inhaber der Firma Kayhan Petrol im türkischen Izmir, und lacht. Neuestes Werk des 49-Jährigen ist ein strahlend weißer Ford Cargo, Baujahr 2010, der werbewirksam an der Einfahrt zu einer von Kayhans Tankstellen steht.

Tatsächlich hat sich Kayhan einiges einfallen lassen, um den vom türkischen Truckfabrikanten Otosan hergestellten Ford aus der Masse anderer Lastwagen herauszuheben. Als erstes fallen die roten Michelin-Männchen auf, denn mit den sprintenden Reifenmännchen stimmt irgendwas nicht. Es dauert ein paar Sekunden bis klar wird, was den Blick befremdet: Es ist der Schriftzug "Kayhan" auf dem wulstigen Bauch des "Bib".

Echt türkisch wird's beim Blick auf den Kühlergrill des blattgefederten Tanklasters: Dort prangt stilvoll aus blauweißem Glas gefertigt Nazar, das Auge der Fatima. Im Volksglauben bannt das runde Glückssymbol den bösen Blick von Neidern und Kräften, die dem Fahrer Böses wollen. Den Blick schützen soll auch die mächtige weißrote Klebefolie, die die Frontscheibe umrandet. Denn nachts, erklärt Herr Kayhan, werden die Fahrer oft von anderen Fahrzeugen geblendet. Hauptsächlich dient die Beklebung aber wohl der Optik, weil so Stoßstange, Kühlergrill und Dachpartie zu einer Einheit verschmelzen und die Front mächtiger wirkt.

"Rund 2000 Euro hat das Styling des Sechszylinders inklusive aller Lackierarbeiten gekostet", rechnet Merdan Kayhan vor, der in den 24.000 Liter fassenden Tanks des 32-Tonners Öle zu Industriebetrieben in der ganzen Türkei transportiert.

Die Stylingkosten liegen so niedrig, weil die Umbaumaßnahmen ausschließlich in der betriebseigenen Werkstatt in Izmir durchgeführt wurden, wo ansonsten die siebzehn restlichen LKW der Firma gewartet werden. Dort haben Kayhans Mechaniker auch die filigranen Gitter gefertigt, die ein halbes Dutzend Scheinwerfer und die Blinkergläser an der Front des 350 PS starken Cargo vor Steinschlägen schützen. Die eigene Werkstatt zeichnet auch verantwortlich für die Fertigung der verchromten Rohre, die beidseitig zwei der drei Stufen am Einstieg des Führerhauses nach Art europäischer Showtrucks zieren.

Für Merdan Kayhan ist Truckstyling Herzenssache. Vielleicht rührt das daher, dass er im zarten Alter von elf Jahren das erste Mal hinterm Steuer eines Lastwagens sitzen durfte; zunächst auf den Knien des Vaters, später in Begleitung des Familienoberhauptes allein auf dem Fahrersitz.

60.000 Kilometer hat Kayhans neuer Michelin-Truck inzwischen abgespult, weil auch in der Türkei die Einhaltung der Lenk und Ruhezeiten immer intensiver überwacht wird, oft im Zweimannbetrieb. Wobei in der Ford-Kabine ein moderner digitaler Tachograph die Einsatzzeiten erfasst. Der ist in der Türkei wie bei uns Vorschrift bei der Neuzulassung von LKW.

AUCH IN DER TÜRKEI IST DER DIGI-TACHO PFLICHT

Obwohl es der erfolgreiche Unternehmer Merdan Kayhan schon lange nicht mehr nötig hat, selbst hinters Lenkrad zu klettern, besitzt auch er eine Fahrerkarte. Schließlich kann er nur so seinem Hobby frönen und Lastwagen, die er selbst gestylt hat, gelegentlich selbst lenken.

Trucktreffen, auf denen sich Merdan Kayhan dann mit seinen neuesten Werken präsentieren könnte, gibt es übrigens nicht in der Türkei. Teurer, Industriegesponserter Rummel rund um den LKW ist hier noch unbekannt. So bleibt Truckstyling Individualisten vorbehalten, die sich zum Glück nicht am europäischen Mainstream mit Bullfängern und Lampenbatterien orientieren.

Deswegen hat sich auch der Brauch erhalten, Lastwagen mit kleinen philosophischen Weisheiten zu schmücken. Auch Merdan Kayhan will der Welt etwas sagen, wenn er seinen neuesten Lastwagen über Land schickt. Wer den Truck von vorne sieht, darf über den Spruch sinnieren "Leben! Das ist ein einmaliges Spiel". Und wer ihn im Straßenverkehr vor sich hat, kann lesen "Vergessen! Deinen Namen hab ich ausgelöscht!" Ob er damit einen Songtext zitiert oder diesen Spruch an eine spezielle Person richtet, verrät Herr Kayhan allerdings nicht.

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