Unimog-Tour: Klettermaxe unterwegs

Das Fachpublikum meint, der Unimog könnte noch viel mehr Schräglage
© Foto: Gerhard Grünig

Bei der Unimog-Tour zeigte Mercedes-Benz die Programmneuheiten und das Potenzial seines Alleskönners. TRUCKER war beim Termin in Poing.


Datum:
16.07.2017
Autor:
Gerhard Gruenig

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Langsam wühlt sich der U 530 unbeeindruckt vom gewichtigen Abschiebewagen, den er am Haken hat, durch den schweren Boden. Der Hydrostat-Antrieb verteilt das jetzt erhöhte Drehmoment des knapp 300 PS starken Euro-6-Turbomotors an die vier Räder. Langsam wie ein Traktor im kleinsten Gang und mit unbändigem Vorwärtstrieb macht der "Mog" Meter um Meter.

Kaum zurück auf der Straße wechselt der Fahrer in den Standard-Antriebsmodus und der U 530 beschleunigt mühelos auf 90 km/h und stiebt davon. Was hier nur eine Demo ist, beherrscht der neue Unimog seit Einführung der Euro-6-Modelle jetzt ganz problemlos.

DIE UNIMOG-TOUR 2017 ZEIGT DIE VOLLE BANDBREITE

Wir sind bei der Unimog-Tour und Mercedes hat vom U 218 bis zum U 5030 insgesamt 30 Modelle aufgefahren - vom allradgetriebenen Geräteträger bis hin zu hochgeländegängigen Arbeits-, Freizeit- und Expeditionsfahrzeugen. Die Einsteiger ins Thema Universal-Motorgerät interessierten sich vor allem für das neue Topmodell der 300er Baureihe, den U 323 mit 229 PS starkem Euro-6-Vierzylinder. Speziell die Anwender, die oft mit schweren Anhängern unterwegs sind, goutierten die aktuelle Stützlast-Erhöhung auf drei Tonnen.

Erfrischend auch die Kommentare der Gäste bei den zahlreichen Live-Demonstrationen. Da merkt man, dass Unimog-Freunde fast ausschließlich ausgewiesene Spezialisten sind. Da wird sofort bemerkt, wenn einer der Demofahrer aus Nervosität ein wenig zu tief mit dem Frontlader in die Grasnabe gräbt. Und selbst bei der Schrägfahrdemonstration weiß der geneigte bayerische Zuschauer: "Des is aber jetzt nix Genaues - da bin i mit mein'm Unimog schon ganz andere und viel steilere Hänge quer g'fahr'n!"

Die Unimog-Tour 2017 zeigte neben einem breiten Querschnitt an Modellen, Radständen, Motorisierungen und Kabinenversionen auch das große Spektrum der vielen Geräteund Aufbauhersteller mit ihren maßgeschneiderten An- und Aufbaulösungen. Was alles geht, demonstrierten diverse Unimogs mit Ladekran, Zwei-Wege-Ausrüstung, Heckzapfwelle, Seilwinde, Kipppritsche, Heckkraftheber, Absetz- und Abrollkiper und natürlich Schneepflug, Schneefräse, Streuer oder Kehrmaschine - eigentlich gibt's nichts, was der Unimog nicht kann.

Neues Basismodell ist jetzt der besonders kompakte U 218. Der schmale und wendige "Mog" misst nur 2,15 Meter in der Breite und zeigt sich bei einem Radstand von 2800 Millimeter äußerst wendig. Auch ihn zeichnen die für den Unimog typischen Portalachsen mit Schraubenfedern aus. Typisch für die Geräteträger sind auch die bis zu vier An- und Aufbauräume für Anbaugeräte. Schon vor 70 Jahren waren es die standardisierten und genormten Schnittstellen, die noch heute einen Gutteil des Unimog- Erfolges ausmachen und die einen schnellen und einfachen Gerätewechsel erlauben.

Mit Neid schauen manche Lkw-Fahrer, die Kipper, Absetzer oder Abroller fahren, auf die Kollegen im Unimog. Auch sie wünschten sich eine präzise, sogenannte Load-Sensing-Hydraulik, wie sie der in Wörth gebaute Allrounder besitzt. Und wer auf engen Baustellen unterwegs ist, wünscht sich eine Allradlenkung wie beim Unimog, die den Wendekreis noch mal um rund 20 Prozent verkleinert oder eine Diagonalfahrt im "Hundegang" gestattet. Dabei sind die aktuellen Modelle mit bis zu 27 Tonnen zugelassener Anhängergesamtmasse nicht mehr weit von größeren Lkw entfernt.

DAS HIGHLIGHT IM PROGRAMM IST DER NEUE U 5030

Für viele Unimog-Fans sind die hochgeländegängigen U 4023 und U 5023, vor allem aber der neue U 5030, noch immer das Maß der Dinge. Große Böschungswinkel, enorme Steigfähigkeit und heftige Kippwinkel sorgen dafür, dass meist der Fahrer ans Limit kommt - und nicht das Fahrzeug. So kommt der Unimog immer öfter zu einem Zweitjob als robustes Expeditionsmobil oder Rallyefahrzeug. In dieses Segment, das von Individualität geprägt wird, stößt Hellgeth Engineering vor. Für den U 5030 entwickelten die Spezialisten aus Thüringen in Kooperation mit Mercedes die Möglichkeit, den Sechszylinder OM 936 mit 7,7 Liter Hubraum, 1200 Nm und 299 PS unter die Haube zu bringen.

Für Motorsport-Fans bauen Technikspezialist Andreas Hellgeth und sein Team den U 5030 sogar als Rallye-Raid-Fahrzeug nach FIA-T4-Homologation auf. Damit steht ein rennfertiges Rallyefahrzeug auf den grobstolligen Reifen. Mit an Bord: hydraulische Achsendanschläge, Sicherheitszelle, Schalensitze und eine Feuerlöschanlage. Wie jeder Unimog bewältigt auch der Power-Mog von Hellgeth eine Wattiefe von 1,2 Metern. Da halten nicht mal Flüsse oder Sandböden den anspruchsvollen Fahrer auf. Und wie beim Luxus-Geländewagen kann man via Display in der Instrumententafel seinen Fahrmodus anpassen. Und eine kleine Anekdote zum Schluss: Was sagt Mercedes auf die Frage: "Wie lange hält ein Unimog?" - "Wissen wir nicht, es gibt ihn erst seit 1946."

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