Atego 818 mit Kiesling-Kühler: Kleiner Metzgermeister

Der Mercedes-Benz Atego 818 als Kühlfahrzeug
© Foto: Gregor Soller

Als Kühler bietet der Atego 818 einen starken Rücken und schlaue Details.


Datum:
20.12.2016
Autor:
Gregor Soller

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Er ist schwer wie eine Schweinshaxe, populär wie Currywurst und gehört vielleicht auch deshalb zu den beliebtesten Metzgereigehilfen im Land respektive "Ländle". Die Rede ist vom Mercedes-Benz Atego 818, der hier mit dem kürzesten 3020-Millimeter-Radstand, Kiesling-Kühlkoffer und Thermoking-V500-Kühlmaschine für einen Fahreindruck zur Verfügung stand.

So setzt ihn die Landmetzgerei Baur im Allgäu für ihre Filialbelieferung im Voralpenland ein, wo er hauptsächlich in der Region zwischen der A 7 im Westen, der A 96 im Norden und der B 12 im Süden unterwegs ist.

POWERSHIFT WILL SCHNELL IN DIE HOHEN GÄNGE

Der nüchtern-schwarze Innenraum ist solide verarbeitet und selbst fiese Schwellen oder Löcher können ihm kein Knarzen entlocken. Der OM 934 läuft nach dem Dreh am Zündschlüssel angenehmer als der Vorgängermotor, wenn auch immer noch nicht flüsterleise.

Seine Kraft sortiert serienmäßig die Sechsgang-Powershift-Schaltautomatik. Die weiß unbeladen allerdings nicht so recht, was sie will: Erst lässt sie den Vierzylinder ordentlich drehen, um ihn danach mit einem großen Gangsprung ins tiefste Drehzahltal zu schicken. Auf weitläufigen Arealen oder im Stopp-and-Go der Innenstadt kommt da schnell Hektik auf. Hier wäre eine gelassenere Programmierung von Vorteil.

Weniger fällt das auf freier Strecke oder mit Fracht ins Gewicht - hier freut man sich über die großen Gangsprünge, die den Fleischkoffer zügig in die großen Fahrstufen bringen und so für niedrige Drehzahlen und Verbräuche sorgen. In der Regel sucht der Atego zügig den größtmöglichen Gang auf, den er nur an steilen Stichen wieder verlässt. Die Schaltgeschwindigkeit selbst geht in Ordnung, setzt aber im Vergleich zu den direkten Konkurrenten, die fast ausnahmslos auf die ZF-AS-Tronic-Sechsgangbox setzen, keine Maßstäbe. Von ZF stammt die Lenkung, die einen guten Kompromiss aus Rückmeldung und stoischer Ruhe findet und sich nicht von jedem Schlagloch aus der Ruhe bringen lässt. Das gilt auch für die solide Außenspiegelbatterie, der Zittern weitgehend fremd ist.

Die Federung ist eher auf der komfortablen Seite. Sie bügelt grobe Unebenheiten auch leer gut glatt, lässt sich vom Koffer mit Thermoking-V-500-Kühlaggregat aber auch ein bisschen zum Wanken hinreißen - als hätte der Atego nach dem Festtagsbraten einen Schnaps zu viel erwischt. Der kurze Radstand vergrößert die "Standfläche" auch nicht gerade, hilft aber bei der Wendigkeit. Das legt sich bei Beladung: Dann liegt der Daimler satt wie ein riesiger Rollbraten auf der Straße.

DAS HECKPORTAL: EINFACH AN DIE WAND KLATSCHEN

Kurzer Blick in den Kiesling-Koffer mit Seitentür: Der punktet mit der gleichen schwäbischen Gründlichkeit wie die Basis. Am Heck orderte die Metzgerei Baur eine breite "Fleischleiter", damit auch größere Stücke problemlos in oder aus dem Koffer getragen werden können. Seitlich gibt es einen Tritt mit breiter Fläche, den man noch besser entern könnte, wenn man sich nicht im Türrahmen festhalten müsste. Außerdem könnte die unterste Stufe noch eine Idee weiter nach unten reichen.

Die Heckportale lassen sich über die ergonomisch angenehmen Griffe öffnen und verfügen unten über die Kieslingschen Magnethalter, die das Hantieren mit einem Türhaltebügel ersparen: Einfach das Portal "an die Wand werfen" und es hält eng am Seitenpanel angelehnt. Zum Lösen drückt man auf den roten Griff und kann das satt schmatzende, vierlippige Portal wieder schließen.

Ebenfalls eine gute Idee sind die Kiesling-eigenen soliden roten Anfahrpuffer mit Stahlrollen, die auch ein Einfedern des Autos an einer Rampe mitmachen. Fazit: Als 7,5-Tonner dürfte der kräftige Metzgereigehilfe auch in etlichen Jahren noch stark genug sein, schwere schwäbische Spezialitäten zu schultern.

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