DAF CF Kipper: Der Schlamm-Catcher

In den Niederlanden wiegen 4-Achser bis zu 32 Tonnen
© Foto: Gregor Soller

Selbst tiefer Matsch kann den DAF CF FAD 460 kaum aufhalten.


Datum:
24.09.2015
Autor:
Gregor Soller

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Nachdem der Daf CF 440 FAD beim TRUCKER-Vergleich im Ringen um die Kipperkrone (siehe Heft 2/2015) einen Achtungserfolg einfuhr, ließ Daf nun in Eindhoven einen CF FAD 460 mit dem hubraumstärkeren MX13-Motor antreten. Der kostet gut 150 Kilo Nutzlast, bietet aber 20 PS und 200 Newtonmeter Drehmoment mehr. Was im Alltag weniger schwer wiegen dürfte als die zusätzlichen Pfunde ...

Die flache Topografie der Niederlande glich Daf mit Steilstücken und extrem weichem Untergrund auf der Teststrecke aus. Erster Test: Anfahren an einer 23-Prozent-Steigung. Dabei unterstützt der Hillholder, der selbst den auf 40 Tonnen beladenen FAD locker hält. Einfach von der Bremse aufs Gas wechseln und der CF fährt geschmeidig an - was die Kupplung schont und dem Fahrer den Stress nimmt.

Bergab helfen Unterfahrschutz und Rahmen, größere Böschungswinkel zu bewältigen. Außerdem wurden die Schleppösen geändert, an denen man den CF notfalls aus dem Dreck ziehen könnte. Dass das von Nöten sein könnte, wurde beim anschließenden "Schlammcatchen" deutlich: Dabei animierte der Testfahrer dazu, den CF so nachhaltig zu "versenken", dass nichts mehr ging. Also zurücksetzen und vorsichtig Gas anlegen - und wieder nix. Die letzte Überarbeitung der AS-Tronic spendierte dem CF schon im Standardmodus extrem schnelle Rückschaltungen, doch im weichen Untergrund helfen die wenig. Das gilt auch für den zweiten Versuch im Geländemodus. Auch dann schaltet der CF extrem schnell und bei Bedarf um mehrere Gänge zurück, doch auf weichem Untergrund schaltet man prinzipiell besser gar nicht.

AB IN DEN SCHLAMM - BIS WIRKLICH NICHTS MEHR GEHT

Der dritte Versuch erfolgt klassisch manuell: Nochmal zurück und im kleinen Gang mit kontinuierlich niedriger Geschwindigkeit und großer Radkraft raus aus dem Schlamm. Das funktioniert aber wegen des extrem rutschigen Untergrundes immer noch nicht, weshalb jetzt die Sperren dazu geholt werden müssen. Dumm nur, dass die über einen Kippschalter mit Sicherung eingelegt werden, was sich als umständlicher erweist als nötig. Bis man die Taster über den Schalter aktiviert hat, steht die Fuhre schon wieder. Hier sollte Daf die Drehschalterlösung anderer Hersteller übernehmen, die der Reihe nach erst die Hinterachse quer sperrt, bevor man noch längs sperren kann.

Am Ende bleibt die Erkenntnis, dass ein derart extrem weicher Untergrund letztendlich weitere Triebachsen erfordert und man vielleicht besser nach einem Tatra Phoenix fragt, der bis auf Achsen und Zentralrohrrahmen das gleiche Package wie der CF nutzt.

EINIGE WICHTIGE SCHALTER KÖNNTE MAN ÄNDERN

Und wenn wir schon am Kritisieren sind: Der beim aktuellen Modell in großen Teilen übernommene Rohbau lässt weiter wenig Platz zwischen Sitz und Tür fürs Kipperventil und auch der Schalter für den Nebenabtrieb ist in der Bucht zwischen Lenkstock und Zündschloss ungünstig platziert.

Die Achslastverteilung ist so ausgelegt, dass in den Niederlanden 36 Tonnen möglich sind - daher gut zwei Meter Radstand zwischen erster und zweiter Achse. Entsprechend viel dürfen die Neun-Tonnen-Vorderachsen tragen, was dem Komfort zu-, der schieren Traktion aber eher abträglich ist. Dazu trägt auch der Achslastausgleich bei, der der ersten Achse Mitverantwortung für die Fracht gibt und sie nicht nur Kabine und Motor schleppen lässt.

Am Ende bestätigt sich: Auch wenn der Schlamm den tapferen Catcher so schnell nicht freigab, hat er durchaus das Zeug, auch künftig gegen die etablierten Konkurrenten zu punkten.

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