DAF XF Low-Deck: Neuer Tief(f)lieger

Der Low-Deck sattelt vier Zentimeter niedriger auf als herkömmliche Mega-Zugmaschinen
© Foto: Jan Burgdorf

DAF legte den XF-Mega tiefer - auf niedrige 91 Zentimeter Aufsattelhöhe.


Datum:
29.10.2015
Autor:
Jan Burgdorf

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Eher für einen Formel-1-Boliden als für einen ausgewachsenen 40-Tonner passend erscheinen die Goodyear-Niederquerschnittsreifen im Format 315/45 R 22,5 an der Hinterachse der neuen "Low-Deck"-Zugmaschine - die DAF als jüngstes Kind der XF-Familie vorstellte.

Die radikalen Pneus wurden nötig, um den Höhenabstand zwischen Straße und Auflieger noch weiter zu reduzieren. Schließlich wird die Luft nach oben für Megazüge immer dünner, seit Polizei und BAG verstärkt auch die Einhaltung der Viermeter-Höhenbegrenzung kontrollieren. Und da schießen herkömmliche Mega-Züge mit ihren 950 Millimeter Aufsattelhöhe zum Teil immer noch deutlich über das erlaubte Maß hinaus. Der neue XF Low-Deck schultert den Auflieger auf 910 Millimeter, spart also noch mal wertvolle vier Zentimeter Höhe zur "normalen" Mega-Sattelzugmaschine. Dafür mussten die Niederländer vor allem die Hinterachse grundlegend modifizieren.

DER LOW-DECK ERWEIST SICH ALS ÜBERRASCHEND KOMFORTABEL

Die Achsschenkel des Low-Deck ordneten die Entwickler parallelogrammförmig an. Dadurch soll sich das bei Mega-Zugmaschinen typische Mitlenkverhalten der Hinterachse, ausgelöst durch die zwangsweise flache Anordnung der Fahrwerkskomponenten, minimieren und das Fahrverhalten spürbar verbessern. Tatsächlich gibt sich der Low-Deck fahraktiver und komfortabler, als man es beim Anblick der kleinen Reifen vermuten würde - die recht verloren in den überdimensionierten XF-Radhäusern stehen. Vorne entwickelte Goodyear übrigens eigens für DAF einen neuen Reifen. Dabei handelt es sich um einen breiten 375er-Schlappen mit neun Tonnen maximaler Traglast. Für den Low-Deck würde zwar auch eine Nummer schmäler sowie acht Tonnen Traglast genügen, aufgrund der möglichen höheren Laufleistungen greifen laut DAF aber viele Kunden gerne zu breiteren Reifen an der Vorderachse.

Dem Fahrkomfort tut es auch gut. Dass Fahrbahnunebenheiten beim Low-Deck angenehm komfortabel gefiltert werden, ist aber vor allem ein Verdienst der - allerdings aufpreispflichtigen, luftgefederten Vorderachse, über die der Testwagen verfügte. Auch die Lenkung erreicht das Niveau der höher liegenden XF-Brüder. Das Einlenkverhalten in Kurven bei höherem Tempo sorgt dafür bei Mega-Neulingen für Schrecksekunden: Zunächst folgt der niedrigste XF sauber dem Lenkbefehl, dann aber drückt plötzlich die Hinterachse nach außen und neigt zum (allerdings ungefährlichen) Übersteuern. Nach wenigen Kilometern hat man diese Low-Deck-Eigenart allerdings verinnerlicht.

Ebenfalls Gewöhnung erfordert der Eco-Modus, über den alle XF und CF nun serienmäßig verfügen und durch den DAF eine Verbrauchsreduzierung von bis zu einem Prozent schaffen will. Dabei wird das Drehmoment in den Gängen 1 bis 11 um zehn Prozent beschnitten. Wer beim Beschleunigen oder an steilen Stichen die volle Power braucht, muss das Programm per Knopfdruck am rechten Lenkstockhebel beenden. Neulinge denken daran allerdings erst, wenn die Steigung schon halb bewältigt ist. Weniger gefallen wird vielen Fahrern zudem, dass die Elektronik im Eco-Modus oberhalb von 30 km/h keinerlei Schalteingriffe mehr akzeptiert. Selbst wenn man den Motor ein paar Augenblicke früher in drehzahlschonendere Gefilde bringen möchte, als es die AS-Tronik tut, muss man immer den "Eco-Off"-Knopf drücken, um hochschalten zu können. Leider auch, wenn der Fahrer bei Landstraßentempo in den zwölften Gang schalten will, was das automatisierte Schaltgetriebe trotz Kombination mit einer langen Hinterachse weiterhin verweigert. Für den Low Deck empfiehlt DAF deshalb in der Regel eine kürzere Achse ...

AUFGESTANDEN: BEI BEDARF HEBT SICH DER XF AUF TASTENDRUCK IN DIE HÖHE

Dieses Prozedere muss auch dann jedes Mal wiederholt werden, wenn die Elektronik im Schubbetrieb den Freilaufmodus bemüht. Beim Wiedereinkuppeln aktiviert sich nämlich auch der Eco-Modus erneut und das Getriebe verharrt wieder in der elften Fahrstufe. Dafür wird sich wohl kaum jemand daran stören, dass für den Low-Deck die Option auf einen Retarder gestrichen ist. Aufgrund des leicht schräg eingebauten Motors würde die Zusatzbremse nämlich zu weit nach unten ragen und die Bodenfreiheit des "Super-Megas" noch weiter reduzieren. Die im Testwagen verbaute MX-Motorbremse hatte die 40 Tonnen schwere Testfuhre dank ihrer bis zu 360 Kilowatt Bremsleistung auch in starken Gefällen ohne Überschwinger im Griff.

Keine Bedenken haben muss der Fahrer auch vor dem bauartbedingt geringen Rampenwinkel des Low-Deck. Denn für das eventuelle Rangieren auf Fähren oder Ähnlichem verwirklichten die Niederländer eine gute Idee: Per Tastendruck im Armaturenbrett erhebt sich der XF über die Luftfederbälge maximal in die Höhe. Dann überschreitet zwar auch der Super-Mega kurzzeitig die vier Meter, dafür bleibt aber deutlich mehr Luft nach unten.

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