Fünf Kolben für 40 Tonnen

Baugleich bis auf den Antriebsstrang: Der MAN 19.322 trifft auf den stärkeren 19.422
© Foto: TRUCKER Archiv

Vor 25 Jahren lud der TRUCKER schon einmal zu einem MAN-Duell. Mit 322 und 422 PS waren die Motorleistungen aber deutlich geringer.


Datum:
25.06.2018
Autor:
Jan Burgdorf

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Ob heute noch jemand mit 322 PS und 40 Tonnen losfahren würde? Schon 1993 betrachtete der TRUCKER-Tester den MAN 19.322 als grenzwertig für diesen Einsatz. Schließlich galten vor 25 Jahren 10 PS pro Tonne, also 400 PS, als Faustformel für wirtschaftlichen Transport. Heute ebenfalls unvorstellbar: Der kleine MAN-Motor zog seine Leistung aus nur fünf Zylindern und 9,9 Litern Hubraum.

Um herauszufinden, ob weniger Leistung zu geringerem Verbrauch führt und welche Abstriche man beim Thema Geschwindigkeit einkalkulieren musste, schickten wir zwei bis auf den Antriebsstrang baugleiche MAN F90 mit voller Ausladung über die Teststrecke.

Das Ergebnis: ernüchternd für Verfechter hoher Motorleistungen. Der 322er verlor auf der 362 Kilometer langen Testrunde gerade einmal sieben Minuten auf den um 100 PS stärkeren Rivalen. Anders ausgedrückt, war der Kleine mit einem Durchschnittstempo von 68,8 km/h lediglich um 1,6 km/h langsamer als der 19.422. Vor allem die ständigen Lkw-Überholverbote an Steigungen verhinderten, dass sich der stärkere MAN weiter absetzen konnte.

KAUM UNTERSCHIEDE ZWISCHEN DEN BEIDEN BEIM VERBRAUCH

Beim Verbrauch herrschte nahezu Patt. Der um zwei Liter volumigere Sechszylinder musste sich auf den bergigen Etappen zwar merklich weniger anstrengen, brauchte aber trotzdem 0,1 l/100 km mehr Diesel.

Eine Kaufempfehlung gab es für den 19.322 trotzdem nicht. "Mit mehr Leistung fährt es sich einfach entspannter und die Dauerbelastung der 40 Tonnen rächt sich mit der Zeit sicher beim Verschleiß des Fünfzylinders", resümierte der Tester. Nur bedingt empfehlen konnte er auch das teilautomatisierte Getriebe namens SAMT von Eaton. Zwar wechselte der Vorgänger heutiger automatisierter Schaltungen seine zwölf Fahrstufen weich und sauber, Schaltstrategie und Bedienung erforderten vom Fahrer aber immer noch ein hohes Maß an Initiative.

Es brauchte eben noch einige Jahre, bis die Automaten über die heutige Intelligenz verfügten. Und in einem 40-Tonner würde sie heute niemand mehr mit 322 PS kombinieren.

Sie waren früher auch mit einem MAN F90 auf Tour? Dann schicken Sie Ihre Fotos, Erinnerungen oder Meinung an: trucker@springernature.com.

DAS STAND NOCH IM TRUCKER 9/1993

  • Kurioses Konzept für City-Belieferungen: Der Großverbraucher-Service BLV schickt seine 18-Tonner probeweise mit einem Plateauanhänger auf Tour. Auf dem befindet sich ein 7,5-Tonner, auf den die Fracht am Rande der Stadt umgeladen wird. Vorher muss der Fahrer den Kleinlaster aber umständlich vom Anhänger rangieren und den Anhänger vom Zugfahrzeug abkuppeln, um die Fracht umladen zu können.
  • Zusatzbremsen werden beliebter. Immer mehr Transportunternehmen ordern Neufahrzeuge mit Retarder oder Wirbelstrombremsen, teilen die Lkw-Hersteller mit. Größter Anreiz seien mehr Sicherheit und höhere Transportgeschwindigkeiten.
  • Ab 1. Januar 1994 müssen neue Lkw über 3,5 Tonnen mit einem seitlichen Anfahrschutz ausgestattet sein. Ausgenommen von dieser Verordnung sind Sattelzugmaschinen, Dreiseitenkipper und Langholztransporter.

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