IAA Nutzfahrzeuge 2016: Laster vernetzen sich

Das Interesse am neuen Scania war groß
© Foto: Jan Burgdorf

Auf der IAA beschäftigte die Hersteller vor allem das Thema digitale Vernetzung. Man präsentierte aber auch viele Fahrzeugneuheiten.


Datum:
29.09.2016
Autor:
Jan Burgdorf

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In der Lkw-Halle 17 konnte man sich am Stand B06 zeitweise kaum noch bewegen. Schließlich war die IAA für viele Besucher die erste Gelegenheit zur ersten "Kontaktaufnahme" mit Scanias nagelneuer Lkw-Generation. Entsprechend hoch war das Interesse an "R" und "S" (siehe auch Seite 30).

Noch im "Gewand" des Vorgängermodells und daher etwas ins Hintertreffen gerieten dabei die technisch umso interessanteren Scania-Modelle mit alternativen Antrieben. Wie der P 320 Hybrid oder die G-340-Zugmaschine mit LNG-Erdgas-Antrieb.

Abgesehen von Fahrzeug-Premieren stand die 66. Ausgabe der weltgrößten Nutzfahrzeugmesse vor allem im Zeichen der digitalen Vernetzung. Die Gründe dafür brachte Andreas Renschler, Vorstandsmitglied von Volkswagen Truck & Bus, auf den Punkt: "Unsere Kunden fordern mehr und mehr Gesamtlösungen. Wie bisher einfach nur die Hardware, also Fahrzeuge, zu liefern, wird in Zukunft nicht mehr ausreichen."

NEUES TELEMATIKSYSTEM VON VOLKSWAGEN

Und natürlich präsentierte der VW-Konzern gleich eine passende Lösung. Die hört auf den Namen Rio, was sich vom portugiesischen Wort für Fluss ableitet und exemplarisch für fließende Übergänge stehen soll. Rio ist ein cloudbasiertes Betriebssystem für die Logistikbranche. Transportunternehmen - egal welcher Größe - sowie deren Kunden können Rio auf ihre Bedürfnisse abstimmen und sollen so über eine einzige Software alle für sie relevanten Daten erhalten.

Zu den einfachen Übungen gehört die Abfrage der Wartungsstände und natürlich das wachsame Auge auf den Fahrer. Zusätzlich werden Transportaufträge und weitere Informationen per App ans Smartphone des Fahrers übermittelt. Oder man organisiert Fahrzeugwechsel per digitalem Zündschlüssel.

Vor allem soll Rio aber die Fahrzeugauslastung verbessern. Dafür sorgt ein intelligentes Auftragsmanagement für Teilladungen, das nicht voll ausgeladenen Lkw automatisch weitere Fracht entlang ihrer Route zuweist. Die auch nachrüstbare Plattform ist herstellerunabhängig einsetzbar, sogar Schiffe oder Flugzeuge lassen sich über Rio verwalten. Ab 2017 wird das System serienmäßig in MAN-Trucks verbaut. Scania-Kunden erhalten Rio dagegen zunächst optional.

Auch in Sachen Fahrerträume legte MAN nach: Auf hundert Exemplare limitiert ist das TGX-Sondermodell "Performance-Line-Edition". Der D38-Sechszylinder in seiner stärksten Form mit 640 PS ist hier ebenso gesetzt wie die XXL-Kabine. Frei wählbar ist die Außenlackierung, nicht aber die Farbgebung im Innenraum. Denn hier herrscht Blau vor. Dafür sorgen blaue Kontrastnähte am Multifunktionsleder-Lenkrad, in den Komfortsitzen und am Teppich. Ebenfalls blau eingefärbt sind die Sicherheitsgurte und die Innenseite der Vorhänge. Ein Auszug der weiteren Ausstattung: Alcantara-Ledersitze, Soundsystem mit Navi, zahlreiche Chromapplikationen und zwei Drucklufthörner auf dem Dach.

TGS-ZUGMASCHINE MIT ELEKTRO-ANTRIEB

Zur Alternative für zukünftige Innenstadtbelieferungen soll der Prototyp eines vollelektrischen TGS werden. Ein 250-kW-Elektromotor treibt die 4x2-Sattelzugmaschine an. Satte 2700 Newtonmeter Drehmoment versprechen souveräne Fahrleistungen, auch mit einem beladenen Auflieger auf der Sattelplatte.

Alternative Antriebe forciert man traditionell auch bei Iveco. Mit Biomethan soll die Studie "Z-Truck" fahren, die auf der Messe enthüllt wurde. Dank ausgeklügelter Aerodynamik und Motorabwärme-Rückgewinnung, vor allem aber durch 1200 Liter Tankkapazität, traut Iveco dem Z-Truck bis zu 2200 Kilometer Reichweite zu. Was aber in der Praxis kaum überprüfbar sein dürfte, denn beim Prototypen handelt es sich bislang lediglich um eine nicht fahrbereite Hülle.

Das Fahren von morgen stellen sich die Italiener selbstredend vollautonom vor, auf der Autobahn übernimmt Kollege Computer das Kommando. Der "Fahrer" mutiert damit zum sogenannten "Logistik-Operator". Weshalb sich das Lenkrad bei Nichtgebrauch platzsparend zusammenfaltet. Eine gute Idee ist die in der Standzeit um 500 Millimeter verlängerbare Kabine, was den Lebensraum entsprechend vergrößert und Platz für Dusche, Waschbecken sowie ein würdiges Bett samt Entertainment-Leinwand schafft.

Studien gab's auch bei Mercedes zu sehen. Mit dem "Urban-E-Truck" (siehe TRUCKER 10/2016) zeigte Daimler, wie man sich den urbanen Transport in Zukunft vorstellt. Natürlich mit vollelektrischem Antrieb und digitaler Vernetzung. Aussicht auf einen schnelleren Serienanlauf hat der nochmals überarbeitete Fuso "E-Canter". Schließlich will Daimler den 7,5-Tonner bald in Kleinserie bauen. Das Fahrgestell soll bis zu 4,6 Tonnen Nutzlast bieten. Je nach Einsatz kann der Kunde zwischen drei bis sechs Batteriepaketen wählen. Sind Letztere verbaut - die natürlich entsprechend wiegen - gibt Daimler bis zu 100 Kilometer Reichweite für den E-Canter an.

Ebenfalls bei der Telematik nachgelegt hat DAF. "DAF-Connect" überwacht das Handeln des Fahrers sowie den Zustand des Fahrzeugs und übermittelt stetig dessen Position inklusive zurückgelegter Strecke. So kann die Disposition das Fahrzeug effizienter einsetzen und der DAF-Servicepartner den Zustand von LF, CF und XF rund um die Uhr überwachen.

HYBRID-ANTRIEB FÜR DEN FERNVERKEHRS-EINSATZ

Einen Blick in die Zukunft gewährte DAF mit dem "Convenient-Innovation-Truck" auf XF-Basis, der optisch vor allem mit seiner aerodynamisch nach vorne gezogenen Front auffällt.

Mehr Sparpotenzial bietet allerdings der zusammen mit ZF entwickelte und auf den Fernverkehrseinsatz optimierte Hybridantrieb. Dieser speist ein kompaktes Batteriepaket, das sich alternativ stationär an der Steckdose aufladen lässt. Beim Fahren greift das System auf die Daten des GPS-Tempomaten zurück, um jede Rollphase fürs Laden der Akkus zu nutzen. Die eingefahrene Energie lässt sich beispielsweise für den Betrieb eines Kühlauflieger-Aggregats oder für die Standklimaanlage nutzen. Der Hybrid ermöglicht außerdem elektrisches Rangieren, was Lärm, Energie und Verschleiß spart. Innerhalb eines zweijährigen Feldtests will DAF mit dem Prototypen bis zu 20 Prozent Diesel eingespart haben.

Auch zukunftsweisende Ideen wie diese sorgten dafür, dass nicht nur bei Scania viel los war.

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