Iveco Daily 4x4: Der braucht keine Straße

Über holpriges Stoppelfeld kann man mit dem 8x4 nur müde lächeln
© Foto: Iveco

Extremer geht's beim Iveco Daily nicht: Konsequente Allrad-Technik und hohe Bodenfreiheit machen den 5,5-Tonner zum Geländespezialisten.


Datum:
27.03.2016
Autor:
Jan Burgdorf

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Schon der Einstieg - oder besser Aufstieg - in die Kabine macht unmissverständlich klar: Dieser Daily ist nichts für Weicheier! Und auch nichts für Menschen mit einem Knieleiden. Man muss das Bein schon deutlich heben, um die auf 77 Zentimeter Höhe angebrachte unterste Stufe zu erreichen. Mühsam - aber dafür kommt der Iveco Daily 4x4 auch auf 155 Grad Rampenwinkel und das zählt hier eben mehr als vorbildliche Ergonomie.

Den Allrader legten die Italiener auf, um Kunden (vor allem Kommunen, Feuerwehren und Energieversorger) bedienen zu können, die an Orte gelangen müssen, vor denen normale Allrad-Laster kapitulieren. Das Fahrwerk mit seinen robusten Blattfedern und Starrachsen "hängt" an einem fünf Millimeter starken und daher extrem verwindungssteifen Rahmen. Der permanente Allradantrieb, selbstredend mit mechanischen Quer- und Längssperren, besorgt die Traktion. Maximal 45 Grad Steigfähigkeit, 49 Grad Böschungswinkel vorn (hinten 32 Grad) und 60 Zentimeter Wattiefe gibt Iveco an. Der 4x4 ist offensichtlich bestens gerüstet.

In der Kabine angekommen, ist davon erst mal wenig zu spüren. Man nimmt hinter dem Serienlenkrad Platz. Auch der Armaturenträger stammt aus den "braven" 4x2-Versionen. Wären da nicht die hohe Sitzposition und die zusätzlichen Taster für die Sperren, könnte man fast meinen, im normalen Daily zu sitzen. Der Dreh am Zündschlüssel verstärkt diesen Eindruck noch. Kultiviert wie bei den Straßenmodellen erwacht der bekannte 3,0-l-Vierzylinder-Common-Railer zum Leben. Sein braver, zurückhaltender Sound will zur brachialen Optik nicht so recht passen. Ist er am Ende doch ein Softie?

Mit der Einschätzung räumt der Allrader schon auf den ersten Metern der Testfahrt gehörig auf. Die robusten Blattfedern absorbieren - beim unbeladenen Testwagen - schon kaum die Fahrbahnunebenheiten asphaltierter Straßen und geben Stöße weitestgehend ungefiltert an die bis zu drei Insassen weiter. Und dann die Lenkung: Die vermittelt ab Tempo 60 km/h ein schwammiges Gefühl; den 4x4 in der Spur zu halten, kostet Mühe. Entgegenkommende Lastwagen werden so auf engen Landstraßen zur Mutprobe. Dazu singen die grobstolligen Offroad-Reifen im gewaltigen Format 225/100 R 16 ihr lautes Lied. Nein, für längere Straßenausflüge ist der 4x4 wirklich nicht gebaut.

DER ALLRAD-DAILY HAT 24 VORWÄRTS- UND VIER RÜCKWÄRTSGÄNGE

Also ab ins Gelände. Erste Schwierigkeit: Erst mal ein Areal finden, das des Dailys würdig ist, seine Fähigkeiten wenigstens im Ansatz zu fordern. Dort wird es auch technisch komplizierter. Sind die Längs- und Quersperren per Tastendruck schnell aktiviert, blickt ein Daily-4x4-Neuling zunächst recht hilflos auf die beiden Zusatzschalthebel rechts vom Fahrersitz.

Mit denen lässt sich das Sechsgang-Getriebe doppelt untersetzen. Ergibt in Summe 24 Vorwärts- und vier Rückwärtsgänge. Hier jedoch den richtigen zu finden, erfordert Übung. Merke: Nur der grüne Hebel, der die erste Getriebereduktion - also den Splitter - steuert und auf zwölf Gänge multipliziert, darf während der Fahrt betätigt werden. Der nicht umsonst Rot markierte ist dagegen während der Fahrt tabu, will man das Getriebe nicht zerstören. Doch wird seine Funktion sowieso nur in wirklich extremen Situationen fällig. Im "normalen" Gelände genügen meist die Sperren für die Erkenntnis, dass den Allrad-Daily (fast) kein Hindernis aufhalten kann. Und dass eben auch der Fahrer entsprechend robust gegen die brettharte Federung gebaut sein muss. Wie schon gesagt: Der 4x4 ist echt nichts für Weicheier!

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