Meiller RS 21: Alte Liebe, neu entflammt

Meillers neuer RS 21 punktet mit höherer Arbeitsgeschwindigkeit und geringerem Gewicht
© Foto: Gregor Soller

Meillers neuer Abroller RS 21 punktet mit typischen Tugenden der Tuningbranche: Er wurde leichter, tiefer und schneller gemacht - zur Freude der Nutzer.


Datum:
28.10.2016
Autor:
Gregor Soller

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Für Meiller gleichen die Abroller einer alten Liebe, die nach zig Jahren wieder aufflammt - irgendwie war sie immer da, erfreute stets, aber man verlor sie eben etwas aus den Augen. Doch die Konkurrenz schlief nicht und so machte Meillers Produktmanager Michael Eicheldinger zwei Punkte für eine Neukonstruktion aus, die die Liebe der Kunden zu Meillers Abrollern neu entfachen soll: Leichter müssen und flacher sollten sie werden! Und wenn man schon neu konstruierte, machte man sie auch schneller: Binnen 21 Sekunden steht die Mulde auf dem Boden oder ist wieder geschultert, sofern die Elektronik wegen geringer Last den Schnellgang freigibt.

Die Gewichtsersparnis kommt in erster Linie aus dem Rahmen, man blieb aber wie beim Vorgänger RK 20 (und im Gegensatz zu vielen anderen Herstellern) beim geschlossenen, komplett robotergeschweißten Profil. An zwei dort abstehenden Lochleisten können Anbauteile angeschraubt werden. Die Rahmen wurden auf 230 Millimeter Bauhöhe "tiefergelegt", womit sie zu den niedrigsten im Segment gehören. Auch beim Gewicht liegen sie mit 2190 Kilogramm vorn im Segment.

Wie den Stahlbau rechnete man gleich alle Komponenten neu und schrägte den vorderen Hakenausleger unten ab, um Platz für die Verstellpumpe zu schaffen. Beim Vorgänger musste man wegen der Pumpe den Rahmen meist um 80 bis 100 Millimeter nach oben setzen. Aber: "Die Fahrer spüren schon 20 Millimeter Bauhöhe", kennt Eicheldinger die Praxis.

AUCH LAIEN FINDEN SICH SEHR SCHNELL ZURECHT

Der Hakenausleger selbst besteht aus einem stabilen Fünfkantprofil, das mit nur einer Schweißnaht auskommt und obendrein gut aussieht. Am Heck blieb es bei der schraubbaren hydraulischen Innenverriegelung, die robuster, aber auch teurer ist als eine Schlittenlösung. Die hatte sich laut Eicheldinger im Alltag nicht bewährt. Ebenfalls unverändert blieben die Verriegelungsdome. Vor allem für Frankreich und Italien ist weiterhin die vordere Behälterfixierung als ADR-Verriegelung erhältlich. Man kann sie auch als hydraulische Verriegelung für Kranbehälter oder den Abrollkipper-Laderost nutzen.

Schnellgang- und Eilgangventil sitzen aus Sicherheitsgründen direkt auf den Schwenkpressen. In diese integrierte Meiller auch die Lasthalteventile, die bei einem Schlauchbruch dafür sorgen sollen, dass die Schwenkpressen in der Stellung stehen bleiben, in der der Schlauch bricht. In diesem Zusammenhang optimierte Meiller laut Peter Bandilla, Systemingenieur für die Abrollkipper, die Schlauchführung, wenngleich diese nie ein Problem war.

Viel wichtiger für die Fahrer sind jedoch die Bedienung und die Zeiten. Da rät Eicheldinger zur eigenen Fernbedienung I.S.A.R.-Control, die sich auch Laien sofort erschließt und die nach wie vor mit günstigem Gewicht punktet. Man kann die Mulde per Einzelfunktionen abstellen oder mit dem Drücken dreier Tasten nacheinander eine Folgesteuerung auslösen. "Gefahren" wird die Mulde über weitere Taster oben oder die Rändel, die sich sehr fein steuern lassen: Damit lässt sich die Mulde millimetergenau positionieren - selbst wenn man die gelbe Fernbedienung noch nie zuvor in der Hand hatte.

DAS EFFIZIENZPAKET IST EINE LOHNENDE INVESTITION

Eine Smartphone-Lösung verwarf man aus praktischen Gründen. Der lastabhängige Eilgang erkennt die Last beim Kippen und Abrollen und stellt den Container nach Möglichkeit entsprechend schnell auf den Boden. Beim Einfahren schaltet sich bei einer Beladung bis zu fünf Tonnen ebenfalls automatisch der Schnellgang zu, der den Behälter binnen 21 Sekunden aufs Auto zieht. Dann muss man nur noch verriegeln und es kann weitergehen.

Um das System zu schonen, gibt es eine Endlagendämpfung. Sie bremst den Behälter, kurz bevor er auf dem Boden oder dem Lkw zum Liegen kommt, ab - sodass der Abstellvorgang sehr feinfühlig abläuft. Für rund 1700 Euro extra bietet Meiller ein sogenanntes "Effizienzpaket" an, das den Eilgang samt Folgesteuerung, Endlagendämpfung und die I.S.A.R-Control beinhaltet. 60 Prozent der Kunden wählen es - zu Recht, wie wir nach unserem Test befinden.

Kommen wir zu guter Letzt zu den Anbauteilen und Staukästen. Neben den Kunststoffstauboxen gibt es jetzt ausziehbare und exakt auf die Länge des am Rahmen vorhandenen Bauraumes einstellbare Alu-Netzkästen, deren Länge zwischen 500 und 900 oder 900 und 1600 Millimeter variiert. Um Netze zu befestigen, kann man einzelne Laschen hoch- und bei Nichtgebrauch wieder wegbiegen.

Dem RS 21 folgte der RL 18, der nur 190 Millimeter flach und weitere 100 Kilo leichter baut als der RS 21. Nutzlast- und volumenoptimiert zielt er auf Streckenverkehre. Wer mit 18 Tonnen Hubkraft leben kann und ohne Teleskopausleger auskommt, erhält einen der leichtesten und am tiefsten liegenden Abrollkipper des Marktes. Gute Fahrer dürften den Unterschied zwischen RS 21 und RL 18 erfahren. Meillers Liebe zum Abroller ist auf jeden Fall neu entflammt!

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