Mercedes-Uptime-Erfahrungen: Servicetechniker an Bord

Die Werkstatt von Amenda in Hohenwart beherbergt einen eigenen Fahrzeugbau für gezogene Einheiten
© Foto: Serge Voigt

Das Transportunternehmen Amenda gehört zu den ersten Nutzern von Uptime. Ein Fahrer schildert seine Erfahrung mit dem IT-basierten Pannenservice.


Datum:
06.03.2018
Autor:
Serge Voigt

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Und dann zog auch noch ein Schwertransport an mir vorbei ...", erinnert sich Andy Kipping, Fahrer bei der Spedition Amenda. Er hatte in der Frühe in Allershausen geladen und war auf der A 8 unterwegs nach Zusmarshausen. Doch an den Steigungen hinter Augsburg fehlte seinem Actros auf einmal die nötige Power und Andy musste den Schwertransport ziehen lassen. "Und das bei der Zuladung von nur acht Tonnen!"

Beim Kunden angekommen, meldete er sich in der speditionseigenen Werkstatt im bayerischen Hohenwart. "Die wussten schon von meinem Problem und waren bereits dabei, die Reparatur zu organisieren", berichtet Kipping, der heute auch als Fahrertrainer für die Spedition arbeitet.

Sein Werkstattleiter, Benjamin Neubert, schickte ihn nach Ingolstadt zur Werkstatt Praunsmändtl. "Die waren auf meinen Besuch schon vorbereitet, haben das Abgasrückführungsventil getauscht und ich konnte bald weiterfahren", sagt Kipping.

DER COMPUTER BERECHNET, OB EINE PANNE DROHT

Auch wenn mit der Abwicklung der Panne alles glatt lief, war der Tag am Ende länger als geplant. Dass Neubert bereits vor dem Anruf wusste, was los ist, liegt an dem Service Uptime von Mercedes-Benz. Das ist quasi ein in den Lkw eingebauter Service-Techniker, der das Fahrzeug stets im Blick hat. Amenda, mit Hauptsitz in Hohenwart und einem weiteren Standort in Ulm, gehörte bereits in dessen Erprobungsphase zu den Nutzern.

Uptime analysiert anhand der im Fahrzeug verbauten Sensoren über das FleetBoard Truck Data Center sämtliche Technik des Lkw, die mit Sensoren ausgestattet ist. Ebenfalls den Teil der Technik, deren Informationen im CAN-Bus abgreifbar sind. Dazu gehören auch die Füllstände der Betriebsflüssigkeiten oder die Regeneration des Dieselpartikelfilters.

Deutet sich aufgrund der Daten oder eines neuen Fehlercodes im Bordcomputer eine Panne oder ein Reparatur- oder Wartungsbedarf an, meldet dies der Lkw mit einem entsprechenden Diagnoseprotokoll über das Mobilfunknetz automatisch an den Server des Mercedes-Benz-Service. Der wertet die Daten mittels hinterlegter Algorithmen aus und ermittelt auf dieser Basis die Ursache für die Fehlermeldung. Das Ergebnis überträgt der Rechner zusammen mit konkreten Handlungs- und Reparaturempfehlungen zur Behebung des Problems in das Uptime-Portal. Darin können der Unternehmer und von ihm autorisierte Werkstätten die Informationen einsehen. Das Ganze passiert innerhalb von wenigen Minuten nach dem Eintritt eines Fehlercodes im Fahrzeug. Das Diagnoseprotokoll enthält so alle Fahrzeugdaten genau zu dem Zeitpunkt, an dem das Problem aufgetreten ist. Das erleichtert die Fehlersuche.

AUCH DIE WERKSTATT WIRD AUTOMATISCH INFORMIERT

Erkennen die Computerprogramme, dass dem Lkw eine Panne droht, leitet die Software den Fall sofort weiter ans Customer Assistance Center (CAC) in Maastricht. Das ruft beim Transportunternehmen an und rät, was zu tun ist, damit der Lkw nicht liegen bleibt oder schnell wieder flott kommt. Kann die Reparatur nicht warten, vermittelt das CAC eine Werkstatt entlang der geplanten Route, klärt deren Kapazitäten und checkt, ob die benötigten Teile vorhanden sind. Zudem wird die Werkstatt darüber informiert, was zu reparieren ist. Bis das Fahrzeug eintrifft, kann sich diese auf den Havaristen vorbereiten und gegebenenfalls fehlende Ersatzteile besorgen.

Aber das System erkennt nicht nur drohende Pannen, sondern meldet auch normale Reparatur- und Wartungsbedarfe oder fehlende Betriebsflüssigkeiten und signalisiert diese im Uptime-Portal.

"Ein Event, also ein Fehlercode im Lkw, wird übertragen, sobald er da ist. Die Wartungs- und Zustandsdaten sendet das Fahrzeug einmal täglich ans Portal", erklärt Michael Kimmich von Mercedes-Benz. Für Werkstattleiter Neubert ist das praktisch: "Auf Basis dieser Informationen kann ich versuchen, Wartungen zu bündeln oder auf die HU, SP beziehungsweise die Tachoprüfung zu legen." So werden zwar die einzelnen Werkstattaufträge größer, dafür muss das Fahrzeug seltener zum Boxenstopp. "Oft ist nicht die Reparatur das Teure, sondern der Aufwand drum herum: Ersatzfahrzeug, Ausfallzeiten und gegebenenfalls ein Überführungsfahrer." Im Schnitt sei die Zahl der Werkstattaufenthalte bei Amenda halbiert worden.

UNFALLFREI UND SPARSAM ALS TRAINER EMPFOHLEN

In Sachen Wartung und Reparatur ist Neubert für eine Flotte von 250 ziehenden und 360 gezogenen Einheiten verantwortlich, hinzu kommen knapp 50 Fahrzeuge aus der zu Amenda gehörenden Baufahrzeugvermietung Horenta. "Als Mercedes-Benz-Regiewerkstatt machen wir alle Wartungen, gesetzliche Untersuchungen und manchmal auch kleinere Garantiearbeiten selbst. Grundsätzlich geben wir aber alles, was die Garantie betrifft, an die Praunsmändtl-Betriebe", erklärt der Werkstattleiter. Die Lkw, mit durchschnittlicher Laufleistung von 130.000 bis 160.000 Kilometern, werden von 450 Fahrern gesteuert.

Einer von ihnen war Andy Kipping: "Für den Job als Fahrertrainer hat mich mein Disponent bei unseren Chefs vorgeschlagen." Nach fast neun Jahren im Unternehmen war Kipping bestens bekannt und konnte mit guten Verbrauchswerten und Unfallfreiheit punkten. "Als Überwachung empfinde ich das System nicht. Für den Fahrer ist es doch eine Hilfe, wenn die Technik ein Auge darauf hat, ob die Betriebsmittelstände und der Luftdruck stimmen oder eine Panne droht."

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