Renault THSC Passion: Italienische Momente

Mattschwarz, rote Akzentuierung, 520 PS stark und mit großer Kabine: THSC macht aus dem Renault T ein Flaggschiff
© Foto: Tuttotransporti

Man kennt den "English Man in New York". Jetzt gibt es einen "French Man in Italy" - und der gefällt durch sein außergewöhnliches optisches Auftreten.


Datum:
27.06.2017
Autor:
Gerhard Gruenig

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Der Renault T ist von Beginn an umstritten. Nur wenige Fahrer können sich mit der ungewöhnlichen Optik anfreunden, viele finden das Design irgendwie schrullig. Dass man aus dem extravaganten Franzosen durchaus etwas machen kann, zeigt der "THSC Passion". Und dass es die Italiener waren, die dem Renault T eine ansprechende Optik verpasst haben, liegt wohl am typischen Stilempfinden der Südländer.

Für uns ist es die erste Gelegenheit, den "neuen" Motor kennenzulernen. Wirklich neu ist er natürlich nicht, aber durch eine Common-Rail-Einspritzung jetzt fit für aktuelle Schadstoffnormen. Der Fahrer muss allerdings sehr genau hinhören, um zu realisieren, dass die jetzt etwas weichere Verbrennung auch zu leicht verminderten Geräuschemissionen verhilft. Leistung - 520 PS - und Drehmoment - 2550 Nm - blieben unverändert.

Auch da braucht es ein sensibles Popometer, um feststellen zu können, dass der aktuelle DTI- 13-Sechszylinder im Bereich bis zu 1400 Touren jetzt noch ein wenig besser im Futter steht. Immerhin verspricht Renault sowohl reduzierte Dieselverbräuche als auch einen optimierten AdBlue-Konsum. Beim FH hat Konzernmama Volvo das hinbekommen, weshalb es wohl auch für den T so zutrifft.

In jedem Fall fällt es nicht schwer, auf den 16-Liter-Sechszylinder zu verzichten, der für den Franzosen nicht erhältlich ist - so wie Volvo der französischen Tochter nach wie vor weder das Doppelkupplungsgetriebe noch die Einzelradaufhängung gönnt. Egal, das Optidriver-Getriebe glänzt auch so mit exzellenter Schaltstrategie und sehr schnellen Gangwechseln. Und speziell die luftgefederte Vorderachse hat Renault so perfekt abgestimmt, dass man keine Einzelradaufhängung braucht.

In puncto Antrieb und Fahren ist also alles bestens. Und der THSC, den es leider in Deutschland nicht gibt, ist auch ein Beleg dafür, dass man aus dem vermeintlich hässlichen Entlein einen schönen Schwan machen kann - und das sogar ohne Bullenfänger oder Lampenbügel, nur mit Lack und Leder ...

WER ZU VIEL PUTZT, MACHT AUS MATT GANZ SCHNELL GLÄNZEND

Die mattschwarze Lackierung des Fahrzeugs liegt voll im Trend. Als Besitzer des "Black T" muss man nur bei der Pflege aufpassen. Ganz anders als herkömmliche Lacke neigt so ein mattierter Auftrag bei zu häufigem Waschen zum Glänzen. Außen setzten die Designer rote Akzente: bei der Kühlergrillumrandung, mit den Spiegeln, in den Seitenverkleidungen wie auch mit den roten Mutternkappen. Passend dazu: ein schwarzer Trailer. Zugegebenermaßen würde der THSC vor einem andersfarbigen Sattelauflieger wahrscheinlich viel von seiner optischen Wirkung verlieren.

Auch innen nimmt der T das Farbenspiel von Schwarz und Rot an vielen Stellen auf. Die rote Ambientebeleuchtung hat allerdings etwas Verruchtes. Trotzdem bietet sie bei der Nachtfahrt eine angenehme Ausleuchtung und schließlich sitzt der Chauffeur in einer Großraumkabine und nicht in einem Schaufenster in Amsterdam ... Die rautenförmig abgesteppten, ebenfalls roten Verkleidungen auf dem

Armaturenbrett und über dem Motortunnel erinnern ein wenig an die Lkw aus den Fünfzigerjahren - obgleich da der Farbton meist in Richtung Weinrot tendierte.

Bei den Sitzen verzichtet Renault auf eine rote Polsterung, das wäre auch für unser Geschmacksempfinden der "Touch too much". Dafür setzen Sicherheitsgurte in Rot einen Farbtupfer. Auf die Ledersitze würden wir allerdings verzichten, denn die Sitzfläche scheint uns ziemlich rutschig zu sein. Warum die Franzosen das Material der Rückenlehnen nicht auch für die Sitzfläche übernehmen, bleibt mal wieder ein unergründliches Geheimnis.

Suboptimal ist für unser Dafürhalten das Lenkrad. Ganz abgesehen davon, dass Dutzende Tasten, Dreher und Drücker im Zentrum des Volants jeden Renault-Unkundigen völlig verwirren, ist der Kranz zu dünn. Mit seiner optischen Erscheinung ist der THSC ein echter Männertruck - und die wollen zupacken. (Ja, ich werfe gleich fünf Euro in die Chauvi-Kasse ...)

GELUNGENE KOMBINATION AUS OPTIK UND PRAKTISCHEN DETAILS

Eine feine Idee ist der Ausziehtisch an der Rückwand. In Kombination mit dem drehbaren Beifahrersitz entsteht so etwas wie Wohnzimmer-Atmosphäre. Dass es ein wenig fummelig ist, das Wohnzimmer anschließend zum Schlafzimmer umzubauen, soll nicht unerwähnt bleiben. Aber wer den Dreh raushat, erledigt den Umbau in einer Minute. Toll auch das Schranksystem an der Rückwand - wobei das nur für Einzelfahrer taugt. Die drei Staufächer fassen allerhand Gepäck und die Rollos sparen Platz beim Öffnen, sehen wertig aus und klappern nicht.

Der THSC zeigt, dass man aus dem Franzosen mit einiger Passion einen wirklich ansprechenden Truck machen kann. Und mit dem großen Motor ist er stark und ökonomisch gleichermaßen. Warum nur gibt's ihn nicht bei uns?

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