Stralis X-Way: Ivecos Mischling

Mit dem neuen Radnabenantrieb ist weicher Untergrund kein Problem mehr
© Foto: Serge Voigt

Für die Logistik auf Baustellen schickt Iveco mit dem neuen Stralis X-Way eine Kreuzung aus Straßen- und Gelände-Lkw auf Tour. Eine Probefahrt klärt, ob er mit beiden Terrains klarkommt.


Datum:
05.02.2018
Autor:
Serge Voigt

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Für den Endspurt auf den letzten Metern von der Straße an den Bestimmungsort auf der Baustelle haben Ivecos Ingenieure Technologien ihres Straßen-Lkw Stralis mit denen des Offroad-Trucks Trakker gekreuzt. Herausgekommen ist die neue Baureihe Stralis X-Way. Die Zugmaschinen und Fahrgestelle für den leichten Offroad-Einsatz gibt es in drei unterschiedlichen Konfigurationen.

Von den Straßen-Lkw stammen beispielsweise der GPS-Tempomat, die HI-MUX-Architektur (Multiplex) für Elektrik und Elektronik oder das ohne aktive Regeneration arbeitende Abgasnachbehandlungssystem Hi-SCR. Der Trakker spendet seinen robusten Rahmen.

Je nachdem, welche Kreuzung aus Straßen- und Geländetauglichkeit benötigt wird, stehen drei Konfigurationen zur Wahl. "On" ist die Variante für alle, die in erster Linie auf der Straße unterwegs sind. Die Modelle sind als Straßenfahrzeuge homologiert und bieten die Onroad-Eigenschaften des Stralis auf einem verstärkten Rahmen. "On+" ist mit einem größeren Böschungswinkel vorn und mehr Bodenfreiheit etwas geländegängiger, aber ebenfalls noch als Straßenfahrzeug homologiert. Zudem verfügen die "On+"-Modelle über einen verbesserten Stoßfänger. "Off"-Versionen sind als Geländefahrzeug homologiert, sodass der vordere Unterfahrschutz entfallen kann. Zudem soll diese Variante mit hoher Steigfähigkeit und einem Böschungswinkel von über 25 Grad abseits der Straße punkten.

Zu der Baureihe gehören Sattelzugmaschinen (4x2 und 6x4) sowie Fahrgestelle mit zwei, drei und vier Achsen inklusive einer Version mit einer 8x4-Tridem-Achse. Die Mehrachser gibt es mit gelenkten und starren Achskonfigurationen. Maximal werden zwei Achsen angetrieben.

ABGESPECKT ERGIBT SICH EINE LEICHTE BASIS FÜR SCHWEREN BETON

Für den Vortrieb sorgen drei Sechszylindermotoren: Cursor 9 (8,7 Liter mit 310 bis 400 PS), Cursor 11 (11,1 Liter mit 420 bis 480 PS) und Cursor 13 (12,9 Liter mit 510 und 570 PS). Während der leichte Cursor-9-Motor Vorteile in Sachen Nutzlast bringt, steht der Cursor 11 laut Iveco für das beste Verhältnis von Drehmoment und Gewicht. Die Gänge sortiert der Fahrer beim manuellen 16-Gang-Getriebe selbst oder er lässt sich beim Schalten von einer Allison-Automatik oder der automatisierten ZF Hi-Tronix mit wahlweise 12 oder 16 Gängen helfen.

Dabei sitzt der Fahrer entweder in der kurzen Active-Day-Kabine mit Flachdach, der Schlafkabine Active Time mit flachem oder mittelhohem Dach oder im Fernverkehrsfahrerhaus Active Space mit niedrigem oder hohem Dach.

Vor allem das Thema Nutzlast haben sich die Iveco-Techniker ins Lastenheft geschrieben. Davon haben nicht zuletzt die Hinterachsen und deren Federung profitiert. Vereinfacht zusammengefasst: weniger Gewicht bei höherer Stabilität. Zur Verfügung stehen Luftfederung oder eine um 200 Kilo abgespeckte mechanische Dämpfung. Die Hinterachsen gibt es wahlweise auch mit Außenplanetengetriebe, welches um 75 Kilogramm erleichtert wurde. Für die nötige Verzögerung sorgen Scheibenbremsen.

Gewichtsmäßiges Highlight der neuen Baureihe ist das speziell für den Einsatz als Betonmischer entwickelte Fahrgestell Super-Loader. Das bringt als 8x4 mit dem 400 PS starken Cursor-9-Motor 8845 Kilo auf die Waage. Neben dem kleinen Motor kommen unter anderem ein abgespeckter Rahmen mit 6,7 statt 7,7 Millimetern Dicke, ein entsprechend zusammengestelltes Fahrwerk sowie Tanks und Felgen aus Aluminium zum Einsatz. Der Verzicht auf den Beifahrersitz spart 35 Kilo.

Antriebsseitiges Highlight ist der jetzt auch bei Iveco verfügbare hydrostatische Radnabenantrieb. Wenn es für die Hinterräder zu schlüpfrig wird, bringt Hi-Traction zusätzliche Traktion auf die Vorderräder. Drehen die Hinterräder durch, schaltet sich der Radnabenantrieb nach dem Aktivieren automatisch zu. Seine Unterstützung erlischt, wenn das Fahrzeug wieder Grip unter den Rädern hat, 22 Kilometer pro Stunde schnell wird oder in den fünften Gang schaltet.

RADNABENANTRIEB NIMMT DEM SCHLAMM DEN SCHRECKEN

Im Rahmen der Fahrvorstellung der neuen X-Way-Baureihe konnten wir das System in einem Steinbruch vor den Toren Ulms ausprobieren. Als Testwagen dient ein 4x2-Sattelkipper vor einem leeren Meiller-Auflieger. Für den Vortrieb an den Hinterrädern sorgt der 11,1-Liter-Motor in der 480-PS-Einstellung.

Bei der Einfahrt in den vom Regen aufgeweichten Steinbruch aktivieren wir Hi-Traction per Knopfdruck. Als die Hinterräder an der ersten Steigung durchdrehen, eilt ihnen wie von Geisterhand der Hydraulikmotor in den Vorderrädern zu Hilfe und nimmt der Situation ihren Schrecken. Im Gelände empfiehlt sich dabei der manuelle Getriebemodus. Denn bei einem anderen Versuch schaltet die Hi-Tronix vorschnell in den fünften Gang hoch und beendet so den Einsatz des Radnabenmotors. Der Vortrieb ist futsch und die Fuhre steckt just wieder in dem Schlamm, aus dem sie sich gerade befreit hatte. Von Hand geschaltet gelingt das Manöver. Grundsätzlich funktioniert das von Poclain stammende System gut. Dadurch, dass es sich automatisch ein- und ausschaltet, kann der Fahrer entspannt durch unbefestigtes Gelände cruisen.

Vor einem voll beladenen Kippsattel braucht der Cursor-11-Motor wegen des fehlenden Hubraums trotz seiner 480 PS mehr Drehzahl. Dennoch, vor und nach dem Geländeausflug auf der kurvigen, bergigen Strecke rund um den Steinbruch kommen die X-Way eher als Straßenkreuzer denn als lautes Gelände-Raubein daher.

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