Tatra Phoenix 10x10: Minenmonster aus Mähren

Riesig: 23,5 Kubikmeter Muldenvolumen samt angetriebener Nachlauflenkachse
© Foto: Gregor Soller

Tatra feiert 120 Jahre Fahrzeugproduktion: Ein guter Anlass für einen Check der Marke anhand eines Phoenix 10x10.


Datum:
06.04.2017
Autor:
Gregor Soller

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Jetzt also auch Tatra: Nachdem uns Astra, Scania und Volvo bereits mit Mining-Monstern für 60 oder 70 Tonnen Gesamtgewicht fahren ließen, boten jetzt auch die stolzen Mähren einen solchen "Riesen" für Probefahrten an - in dem Fall einen Tatra Phoenix 10x10 mit der Baubezeichnung T158-8P6R56.261.

Die monströse Allrad-Achsformel 10x10 setzt sich aus zwei zuschaltbaren Vorderachsen und einer hinteren einzelbereiften "Nachlauflenkachse" zusammen, die natürlich auch angetrieben ist! An diesem Konzept haben die Tschechen übrigens einige Jahre getüftelt, doch jetzt funktioniert es einwandfrei und treibt den bis zu 60 Tonnen schweren Phoenix auch durch schweres Gelände und weichen Boden.

Um dem Fahrer Arbeit abzunehmen und die Kupplung zu schonen, sind solche Minenarbeiter wie der 510 PS starke Vorführer meist mit Allison-Wandler ausgestattet, hier mit dem siebenstufigen 4700. Der "wandelt" auch unter widrigsten Umständen zwischen den passenden Gängen, wenngleich die Spreizung schon beim unbeladenen, rund 22 Tonnen wiegenden Fahrzeug etwas sparsam ausfällt: Denn beim Anfahren auf der verschneiten Piste mit eisigem Untergrund suchen die fünf Achsen trotz kombinierter 14 R-und 325/95R24 grober Stollenbereifung erst mal verzweifelt nach Grip und veranlassen das Getriebe, bei den Gängen Gleiches zu tun.

IN DER MINE ZÄHLEN ZÜGIGE UMLÄUFE - DER PHOENIX KANN DIESE BIETEN

Entsprechend hoch hält Allison die Drehzahl. Ist die Fuhre dann in Fahrt, stuft der Wandler zügig hoch und bemüht sich in den oberen Gängen zu bleiben. Doch wehe, der Untergrund wird wieder rutschiger - dann schaltet das Getriebe schnell wieder zurück und der Tourenzähler fliegt flott über die 1500er-Marke.

(Durch-)Zug ist also immer reichlich vorhanden und sobald man gelernt hat, den Automaten einzuschätzen, kommt man auch ohne Drehzahlorgien durch schwierigere Umstände, von denen die Tatra-Teststrecke genug bereithält: Neben dem matschigen Offroadbereich sind das verschiedene Marterpisten mit Waschbrettoberfläche oder "belgischem" Kopfsteinpflaster. Und die sind so hart, dass sie sogar dem sonst stillen und aufbauschonenden Zentralrohrkipper ein deutliches Muldenscheppern entlocken. Dass man dabei mit 40 km/h und mehr über die Piste bügelt, fällt aber kaum auf. Solch fiesen kurzen Wellen und Unebenheiten können den Tatra also durchaus ein bisschen aus der Ruhe bringen, doch gröbere Unebenheiten bügeln die luftgefederten Pendelachsen einfach glatt und sorgen so für schnelle Umlaufzeiten. Womit wir beim zentral(verrohrt)en Thema des Tatra wären: Praktiker, die ihn beispielsweise im Autobahnoder Schienenbau neben Leiterrahmen-8x8 einsetzen, wollen mit dem Tschechen bis zu doppelt so schnelle Umlaufzeiten erreichen.

Am anderen Ende der Einsatzskala steht der knickgelenkte Dumper, der in der Grube sicher mit dem Phoenix mithält, dafür aber preislich in einer anderen Sphäre schwebt. Mit 60 Tonnen kommt dann merklich Ruhe in die Fuhre, der man ohne Fracht auch auf ebener Strecke durchaus anmerkt, dass sie für schwerere Aufgaben geschaffen ist. Der Paccar MX 13 muss dann allerdings richtig rackern und tut das akustisch mit dem von DAF bekannten dezenten Donnern kund. Die Fuhre zu verzögern bereitet dank integriertem Intarder und kräftiger Motorbremse keine Probleme und auch die Betriebsstopper sind sauber abgestimmt. Typisch ist auch die sehr indirekt ausgelegte Lenkung, die viel Kurbelei erfordert, sich dafür aber auch von groben Brocken nicht aus der Ruhe bringen lässt.

Und wie sehen's die Kollegen, die teils selbst Phoenix-Fahrer oder -Kunden sind? Durchweg positiv: Der Tiroler Unternehmer Walter Koppensteiner möchte einen oder zwei seiner Volvo-A30-Dumper durch den Phoenix ersetzen. Felix Ragginger kaufte den 8x8, den TRUCKER in Ausgabe 2/2017 getestet hat, und ist bisher sehr zufrieden. Vor allem auf weichem Untergrund wie Humus spiele der Phoenix seine Vorteile aus. Und "weil man mit 70 Sachen über unbefestigte Straßen brettern kann", fügt er grinsend hinzu.

MIT DEM PHOENIX KOMMT MAN FAST ÜBERALL HIN

Auch Markus Stögner, der den Phoenix als 6x6-Kranwagen nutzt, freut sich, mit dem Kauf "alles richtig" gemacht zu haben. Vor allem, wenn grobe Schwellen überwunden werden müssen oder der Boden wie am Testtag kaum Grip bietet. Sein 6x6 fährt (fast) überall hin. Ein weiterer Vorteil ist der Rahmen. Der liegt, laut Stögners Sohn Thomas, der das Auto fährt, sogar 16 Zentimeter niedriger als bei ihrem ebenfalls als Kranauto konfigurierten 14-Tonner.

Doch auch die Grenzen des Zentralrohrrahmenkonzeptes kennen und benennen Stögners: Wenn es "nur" um einen 8x4 geht, der ab und an mal mehr Traktion bieten muss, kauft man den woanders günstiger, urteilt Stögner Senior. Zumal der damit befahrene Untergrund dann weder viel Traktion noch viel Verschränkung erfordert - diese Aufgabe wäre dem schweren Phoenix einfach zu leicht!

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