Trailertest Burg Silvergreen SG03

Burg Silvergreen SG03: Spürbare Arbeitserleichterung dank leicht laufender Plane, durchdachtem LaSi-System und Aluboden.
© Foto: Gregor Soller

Burg Silvergreen baut CO2-neutrale Trailer. Hinter dem effektheischenden "Grünwaschen" steht ein solides Produkt.


Datum:
13.12.2012
Autor:
Gregor Soller

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Grün sind an der A8, Ausfahrt Günzburg, allenfalls die Wiese und ein Schild: Es kündet von der künftigen Burg-Silvergreen-Montage. Zur IAA schickte der neue Hersteller, der seine Trailer mit zahlreichen zertifizierten Aktionen CO2-neutral "wäscht", erste Fahrzeuge voraus.

SEHR HOCHWERTIG: DIE MASCHINEN IN CHINA

Der Messe-Curtainsider SG03 punktet durch erwartet gute Verarbeitung, wobei Konstrukteur Paul Stempfle und sein Team fertigungstechnisch in die Vollen gehen konnten: In China nahm die Mutter CIMC richtig Geld in die Hand, um Stahlteile lasern, schweißen, rollen oder abkanten zu können. Dazu kommen noch komplex geformte Alustrangpressprofile.

In China werden die Teile samt Hälsen und Längsträgern in Container zu je 30 Tonnen gepackt und dann nach Triest oder Koper verschifft. Von dort geht es per Bahn ins österreichische Laa zu Brantner, der das "Puzzle" an der Schnittstelle Hals-Hauptrahmen zusammensetzt und ausschweißt. Dabei laufen teils zwei Schweißroboter parallel, was den jeweiligen Schweißverzug ausgleichen hilft. "Das geht nicht überall, ist aber an manchen Stellen hilfreich", freut sich Stempfle.

Dann wird sandgestrahlt und per ACC-Verfahren beschichtet. ACC ist eine chemische Reaktion im Tauchbad: Die Beschichtung verbindet sich direkt mit dem Stahl und benötigt eine niedrigere Temperatur als KTL. Da sich dabei kein Faradayscher Käfig bildet, kann sich der Korrosionsschutz überall hin verteilen. Um die Beschichtung vor UV-Strahlen zu schützen, wird anschließend nass lackiert, optional in Kundenfarbe. Dann geht es per LKW in die Montagewerke. Sie liegen eher ungünstig an den Benelux-Burg-Standorten Bree respektive Pijnacker - in Günzburg wäre man näher an den osteuropäischen Märk ten, die künftig noch ein eigenes Montagewerk erhalten könnten.

Ausgelegt ist der Curtainsider für 7,4 Tonnen Staplerachslast (mit Aluboden 8,0), 15 Tonnen Sattelund 27 Tonnen Aggregatlast auf schwere 42 Tonnen technisches Gesamtgewicht. Als Leergewicht proklamiert man günstige 5960 Kilo.

Diese Leichtigkeit hat auch damit zu tun, dass die Konstruktion auf einem weißen Blatt Papier bei Null begann. Zunächst erhöhte man die Längsträger um 30 Millimeter. Ihr nur fünf Millimeter dünner Obergurt bildet den Boden. Ebenso dünn gewalzt ist das Stehblech, nur der Untergurt blieb mit acht Millimetern (bis zu 18 im Halsbereich) bei bekannten Stärken. So konstruierten die Neu-Ulmer 200 Kilo Gewicht aus dem Rahmen heraus.

EINIGE DETAILS ERINNERN AN KÖGEL-AUFLIEGER

Weitere 200 Kilogramm sparten die Techniker beim Aufbau, der neben Standard-Zukaufteilen wie Hesterberg-Rungen und Edscha-Dachkomponenten aus eigenen Alustrangpressprofilen besteht. Das Dach ist durch Aramidfasern verstärkt, das spart Gewicht und erspart herabhängende Gurte.

Da ein Teil der Mannschaft von Kögel kommt, kennt man gewisse Lösungen von den Burtenbacher Trailern. Dazu zählt unter anderem die saubere Rollenlagerung der Plane, die sich, wie bei Kögel, sehr leicht öffnen und schließen lässt. Ein zum U-Profil gebogenes Blech erleichtert das exakte Einfädeln der Plane an den Eckstehern. Vorn halten Fanghaken die Entriegelungsbügel, die man so ähnlich ebenfalls bei Kögel sieht, nur dass sie hier etwas größer ausfallen.

Die Heckportale lassen sich über gut zu fassende PWP-Griffe öffnen, auch die Spannratsche stammt von PWP. Die etwas hakelig ausziehbare Leiter bietet trotz der Rammpuffer genügend Trittfläche. Den nur von innen erreichbaren, zu klein geratenen Griff zum Aufsteigen am Heckrahmen hätte Burg Silvergreen weglassen können.

Die Scharniere sind eine Eigenentwicklung: Sollte am Heck etwas zu Bruch gehen, zieht man die Türen nach oben ab. Dabei bauen die obersten Scharniere zum "Einfädeln" der Türblätter etwas länger.

Der Clou am Vorführfahrzeug ist der Aluboden mit integrierter Ladungssicherung, die nach dem Nut-Feder-Prinzip eingeschoben und fixiert wird. Ähnliches gibt es in den Einstecklatten, die auch als Paletten anschlag herhalten können. Dazu braucht es dann eine "Nut-Feder-Schiene" am Außenrahmen. Die Schiene entspricht derjenigen in den Stecklatten und wurde so gestaltet, dass die Alubretter, wenn sie als "Bordwand" genutzt werden, nicht nach oben abrutschen können. Im Standard erfüllt der SG03 die 12642-XL-Norm ohne Stecklatten sowie ein Getränkezertifikat.

ANGENEHM FÜR FAHRER: DIE DURCHDACHTE LASI

Die seitlichen Zurrösen am Außenrahmen fallen durch ein oberes und unteres "Plättchen" auf: So lassen sie sich gut greifen. Da sie ober- und unterhalb des Außenrahmens komplett auf der Schiene aufliegen, halten sie auch Spritzwasser ab.

Dass auch die "Daimler 9.5" erfüllt wird, somit Papierrollen oder Oktabins gefahren werden können, erwies sich am Vorführer, dessen Lasi so "lego-artig" aufgezogen war wie die Produktionslogistik des neuen Trailers. Außerdem sind zwei Ein-Tonnen-Ösen in die Ecken der Stirnwand integriert. Deren Aluprofile bestehen aus einem Stück, was hier für Stabilität sorgt. Hergestellt werden sie im neuen High-Tech-Maschinenpark in China, der hochwertig produziert. Denn Grünwaschen können sich alle anderen auch. GS

TRUCKER-FAZIT

Grün und gut

Den teils ominösen Ankündigungen von Burg folgte ein solides Produkt. Viele Komponenten stammen von High-Tech-Maschinen aus China. Eine schlaue Logistik degradiert die Standortfrage zur Nebensache.

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