Vergleichstest Absetzkipper: Schnell mal absetzen

Im Vergleichstest: Sechs Absetzkipper von sechs verschiedenen Herstellern
© Foto: Karel Sefrna

Die Entsorgungsbranche läuft stabil - und damit auch das Geschäft mit den Absetzkippern. Im großen Vergleichstest nahm der TRUCKER sechs verschiedene Geräte unter die Lupe.


Datum:
16.10.2015
Autor:
Gerhard Gruenig

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Seit dem ersten Heft, im Januar 1979, testet der TRUCKER Nutzfahrzeuge. In letzter Zeit gaben uns die Leser mit auf den Weg, dass es doch neben Lkw und Aufliegern noch andere Themen gäbe. Deshalb haben wir vor zwei Jahren mit Komponententests begonnen. Nach einem Vergleichstest von Baustoffkranen (12/2012) und einer Konkurrenz für Hakengeräte (6/2013) standen dieses Mal die Absetzkipper auf dem Programm. So unterschiedlich die Bedürfnisse der Nutzer sind, so unterschiedlich setzen die Hersteller ihre Prioritäten. Um zu einem möglichst neutralen Ergebnis zu kommen, haben wir insgesamt neun Fahrer und Betreiber von Absetzern als Tester verpflichtet.

SIEBEN IDENTISCHE FAHRGESTELLE VON MERCEDES - ABER NUR SECHS ABSETZER

Um maximale Vergleichbarkeit bemüht, haben wir identische Fahrgestelle genommen! Die lieferte uns Mercedes-Benz in Form von sechs Arocs 1840. Genau genommen waren es sogar sieben. Aber leider klappte bei Hyva die interne Abnahme beim Stern nicht mehr rechtzeitig. Das Fahrzeug stellen wir zu gegebener Zeit gesondert vor. Die vermeintliche Lücke füllte kurzfristig Marrel, wo man schnell reagierte und ein passendes Auto aufbaute. Die Franzosen, seit einiger Zeit unter der Flagge von Fassi, sind neu auf dem deutschen Markt. Am Ende wird sich zeigen, dass der MB14T genannte Absetzer noch ein wenig Detailpflege braucht, aber im Grund genommen solide ausgeführt ist und für die eine oder andere positive Überraschung sorgte. Leider fehlte die zwar nicht geforderte, aber trotzdem von allen anderen zum Test mitgebrachte Fernbedienung. Wie formulierte es einer der Marrel-Mannen: "Wir werden hier nicht gewinnen, aber einiges lernen."

Wer sich übrigens von den Qualitäten der getesteten Geräte selbst überzeugen möchte, hat die Chance dazu: Vier Fahrzeuge stehen im BIC (Branchen Informations Centrum) in Wörth, drei können über CharterWay angemietet werden. Womit wir wieder bei den Vergleichsbedingungen wären. Persönliche Vorlieben wurden alleine durch die Quantität der Tester ausgeschlossen. Jeder Hersteller brachte einen Kunden bzw. einen Fahrer eines Kunden mit. Und jeder musste jedes Gerät bedienen - allerdings durfte er das "eigene" Fabrikat nicht bewerten. Zusätzlich unterstütze uns die Firma BTU Hartmeier aus Unterschleißheim mit drei Fahrern. Diese sind täglich im Entsorgungsbereich mit verschiedenen Absetzern unterwegs. Einer von ihnen arbeitet parallel in der Werkstatt, weiß also, worauf bei der Konstruktion zu achten ist.

Weil es bei technischen Geräten nicht nur um Bedienbarkeit und Wartungsfreundlichkeit geht, haben wir uns außerdem der Hilfe des TÜV SÜD versichert. Ingenieur Markus Otremba ist nicht nur Spezialist für Ladungssicherung, sondern auch Experte für Aufbauten.

DER EXPERTE VOM TÜV ÜBERPRÜFTE DIE KONFORMITÄT DER AUFBAUTEN

Sein Job war es, auf die Konformität der Geräte zu achten und einige signifikante Punkte des Aufbaus zu beurteilen. Zuerst, in alphabetischer Reihenfolge, sein Urteil zu Gergen: Da findet Otremba eine Menge positiver Dinge. Etwa den mit Bohrungen an geeigneter Stelle versehenen Hilfsrahmen, um ein wenig mehr Nutzlast zu generieren. Zudem gefällt ihm der, vom Gesetzgeber zwar nicht geforderte, aber dennoch sinnvolle hintere Aufstieg. Der ist nach Ansicht des Ingenieurs sicher und solide - wenn auch ein wenig schmal. Gergen ist zudem der einzige Hersteller, der auf eine geschlossene Kettenhalterung Wert legt. Vorteile verschafft sich der TAK 20 genannte Aufbau auch durch Zusatzplatten aus Kunststoff, die den Verschleiß bei der Behälteraufnahme minimieren. Als Kritikpunkt notiert der TÜV-Experte lediglich die fehlende Festigkeitsangabe bei den Zurrpunkten.

Beim Hiab fiel ihm positiv auf, dass der Hilfsrahmen aus Gründen der Stabilität vorne mit zusätzlichen Querstreben versteift ist. Als weniger gut erachtete der Spezialist die komplizierte und schwere hydraulische Sicherung vorne. Zudem fehlt nach seinem Ermessen der hintere Aufstieg - und Hiab hat die Zurrpunkte nicht den Vorschriften entsprechend mit einer Festigkeitsangabe versehen.

EIN HINTERER AUFSTIEG IST NICHT GEFORDERT - ABER SINNVOLL

Den Marrel als Neuling sieht sich Otremba besonders genau an. "Es ist der einzige, der einen Feuerlöscher montiert hat", stellt er positiv heraus. Allerdings findet er auch einige Makel: "Die doppelte Verriegelung der Leiter fehlt, ebenso wie die Kennzeichnung der Ketten." Zur Ehrenrettung von Marrel erlauben wir uns die Anmerkung, dass er aber die strenge Prüfung nach Daimler-Aufbaurichtlinie bestanden hat. Einen kleinen Wermutstropfen konstruktiver Art notiert Otremba dann noch ins Marrel-Protokoll: Die vorderen Anschläge sind lose und nicht verriegelbar.

Bei Meiller überwiegen die positiven Kritikpunkte. Auf der Negativliste notiert der TÜV-Spezialist nur die fehlende Kettenkennzeichnung und einen seiner Ansicht nach nicht sonderlich gut ausgeführten hinteren Aufstieg. Dafür gefällt ihm der - wenn auch optional montierte - Staukasten, ein vorderer Aufstieg, der als einer von wenigen in gesetzeskonformer Höhe montiert ist, sowie die seiner Ansicht nach logische Fernbedienung, die sich jedem Fahrer auch ohne großes Studium der Anleitung schnell erschließt. Als Ladungssicherungs-Profi findet er vor allem die mechanische Containerverriegelung gelungen. Auch Meiller setzt auf Zusatzplatten aus Kunststoff an neuralgischen Stellen, um den Verschleiß zu minimieren. Die Rahmenkonstruktion samt lackierter Konsole notiert er ebenfalls unter den Pluspunkten, als solide und gut gegen Korrosion geschützt.

Ziemlich ausgewogen ist das Urteil bei Palfinger und dem PST 14TEC genannten Aufbau. Den Aufstieg findet der TÜV-Experte nicht wirklich gelungen und auch Palfinger lässt die eigentlich vorgeschriebene Kettenkennzeichnung außen vor. Dafür gefallen Otremba der doppelte Anschlag und die Anti-Spray-Radabdeckungen, die der "TEC" als Einziger im Test hat. In puncto Korrosionsschutz leistet Palfinger ebenfalls gute Arbeit. Entweder die Teile sind galvanisch behandelt oder dick lackiert. Dafür ist die Zugänglichkeit des AdBlue-Tanks nicht gut, weil er komplett zugebaut ist.

Last but not least und Letzter im Alphabet: VDL. Da fällt dem Ingenieur die ziemlich hohe Rahmenkonstruktion auf, die den Lastschwerpunkt seiner Ansicht nach unnötig weit nach oben bringt. Zudem vermisst Otremba den - wie gesagt nicht vorgeschriebenen, aber praxisrelevanten - hinteren Aufstieg. Auch bei VDL findet der TÜV-Experte ein paar Dinge, die ihm gut gefallen: Darunter befindet sich der im Bereich des Batteriekastens klappbare Unterfahrschutz sowie die rechts angebrachte Leiter mitsamt einer gut bedienbaren Sicherung.

ALLE TESTS ERFOLGTEN IN NORMALEN ALLTAGSSITUATIONEN

Wer täglich mit einem Absetzer umgeht, legt andere Schwerpunkte als ein TÜV-Ingenieur. Wie die aussehen, lässt sich aus der Fahrerwertung unten ersehen. Für ihr Urteil haben die neun Tester alle Fahrzeuge und Aufbauten in normalen Alltagssituationen bewegt. So mussten sie etwa Behälter an der Nutzlastgrenze vom Straßenniveau sowie unterflur auf- und abnehmen, drei Behälter ineinander stapeln und diese auf einem Anhänger absetzen und wieder aufnehmen. Weil es in der Praxis immer wieder zu Problemen mit nicht normgerechten oder beschädigten Behältern kommt, haben wir auch solche ins Prüfprogramm mit aufgenommen.

Am Ende fällt das Urteil ziemlich eindeutig aus: Der Meiller AK 12 MT setzt sich in allen Wertungspunkten als Sieger durch. Meiller versteht es, sowohl bei den Bedieneinrichtungen am Fahrzeug, als auch bei der Fernbedienung ein eindeutiges und ergonomisches Konzept zu realisieren. Auch die Arbeitsgeschwindigkeit wird von allen neun Fahrern durch die Bank als "schnell" empfunden - selbst wenn der Palfinger bei der Zeitmessung eines gesondert gemessenen Absetz- und Aufnahmezyklus am Ende 0,84 Sekunden schneller ist.

KEIN GERÄTE ZEIGTE EINE SCHLECHTE LEISTUNG ODER GROSSE MÄNGEL

Generell finden sich alle sechs Geräte auf einem insgesamt hohen Niveau. Die Wertungen ergeben am Ende für den Sieger eine "Eins minus", aber selbst der kurzfristig eingestiegene MB 14 T von Marrel schafft eine nicht zu verachtende "Drei". Nicht zu vergessen, hat der Franzose durchaus seine Fans. Angesichts der sehr soliden Konstruktion unterstellten viele am Anfang des Tests ein ziemlich hohes Gewicht. Mit 10.910 Kilogramm Gesamtgewicht mit vollen Tanks und Fahrer lag der Marrel aber im guten Mittelfeld. Gergen war noch mal um zehn Kilo schwerer, Palfinger um 30 und Hiab sogar um 170 Kilo.

Marrel hat eine lange Zykluszeit, was sich erklären lässt: Während andere Hersteller wenig materialschonend permanent im Schnellgang fuhren, vollbrachte der Fahrer der Franzosen die Zeitmessung zwar mit der höchsten Drehzahl (1080, statt 850 bis 1000), dafür aber im Standardgang - was natürlich entsprechend Arbeitszeit kostet. Der VDL braucht etwas länger, weil die ziemlich aufwendige Ladungssicherung einige Sekunden Zeit braucht, um zu verriegeln.

Nach dem Favoriten folgen Palfinger und Gergen mit guten Zweier-Benotungen. Bei Gergen gefällt die ziemlich hohe Arbeitsgeschwindigkeit. Palfinger punktet bei den Testern dagegen mit einer generell guten Bedienbarkeit sowie einer sehr guten Verarbeitung - keine wirklich neue Erkenntnis. Dass die Jungs ihr Handwerk im Kranbau gelernt haben, wussten wir schon aus vergangenen Tests.

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