Volvo FH vs. FM: Fliegengewichte unter sich

Im Vergleich: Volvo FH 460 und Volvo FH 450
© Foto: Jan Burgdorf

In gewichtsreduzierter Ausführung treten der Volvo FH 460 und der Volvo FM 450 gegeneinander an. Mit welchem Leichtgewicht lässt es sich besser arbeiten?


Datum:
19.02.2018
Autor:
Jan Burgdorf

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Der kaufmännische Grundsatz "Zeit ist Geld" gilt wohl in jedem Transportunternehmen. Wenn zusätzlich "Gewicht kostet Geld" hinzukommt, ist schwere Fracht im Spiel, bei der jedes eingesparte Kilogramm am Lkw bares Geld wert ist.

Spezialist für solche Fälle ist unter anderem Volvo. Die Schweden halten für ihre Lkw-Baureihen FM und FH zahlreiche Diätmöglichkeiten bereit.

Vor allem der FM lässt sich als 4x2-Zugmaschine auf deutlich unter sechs Tonnen konfigurieren. Dann muss aber der Mann/die Frau hinter dem Steuer auf einigen Komfort, beispielsweise den Beifahrersitz oder das lange Fahrerhaus, verzichten.

So weit treiben es die beiden in knalligem Orange lackierten Light-Modelle bewusst nicht, die Volvo für ein markeninternes Duell zur Verfügung stellte. Das geht bereits bei der ADR-Ausstattung los (+8 kg), welche die Testfahrzeuge für den Einsatz in der Mineralölbranche fit macht. Dort sind die Leichten bekanntermaßen beliebt.

GEWICHT GESPART DURCH DIE OPTION LEDERLENKRAD

Fast alle Baugruppen an FH und FM lassen sich gewichtsreduzieren. Aus der Fülle des Angebots kann der Kunde seine Leicht-Zugmaschine zusammenstellen (siehe technische Daten Seite 34/35). Dafür drangen die Ingenieure tief ins Detail vor und fanden unter anderem heraus, dass allein die Option "Lenkradbezug in Leder" zwei Kilo spart ...

Mehr bringen gewichtsoptimierte Sitze (minus 14 kg), Drucklufttanks in Alu-Bauweise (-10 kg), vor allem aber die optimierte Hinterachsübersetzung samt Leicht-Achse (-107 kg) und die Einblattparabelfeder, die gegenüber der Zweiblatt-Ausführung 24 Kilo spart.

Einen Zentner verliert der FM-Testwagen allerdings durch die Globetrotter-Kabine. Dafür fallen die Platzverhältnisse ähnlich aus wie im FH, der mit flachem Kabinendach antritt. Zumindest theoretisch - in der Praxis zerstört die 46 Zentimeter in den Innenraum ragende Motorkiste des FM die Bewegungsfreiheit. Da fällt der Durchstieg im größeren FH mit seinem 9,5 Zentimeter niedrigen Tunnel deutlich leichter.

Dafür sind hier beim Einstieg vier anstatt drei Stufen zu erklimmen, um die 31 Zentimeter mehr an Höhe zu überwinden. In welche Zitrone man lieber beißt, entscheidet der jeweilige Einsatzzweck.

AUCH DEN FH LIEBER MIT GLOBETROTTER-KABINE

Auf weiten Touren sammelt der FM-Globetrotter Pluspunkte durch seine Staufächer über der Frontscheibe, die im Flachdach-FH fehlen. Allerdings stünde auch für den Leicht-FH das Globetrotter-Haus zur Wahl, das übrigens laut Volvo nur 15 Kilo schwerer wiegt.

Eine Option, die man überlegen sollte, denn wir würden klar dem FH den Vorzug geben. Er fühlt sich einfach erwachsener an, bietet einen größeren Verstellbereich von Sitz und Lenkrad, eine bessere Übersicht durch seine großzügiger geschnittenen Fenster, bessere Außenspiegel und eine wirkungsvollere Geräuschdämmung.

Auch der Federungskomfort fällt im Großen marginal besser aus. Die Einblattfedern an der Vorderachse bieten aber auch im FM ein gutes Niveau, das der Zweiblatt-Version des Normalmodells kaum nachsteht.

Einen weiteren Gewichtsvorteil holt sich der FM beim Antrieb. Nur für ihn ist der 10,8 Liter große Sechszylinder zu haben, der es im Test-Lkw auf 450 PS und ab 1000/min auf 2150 Newtonmeter Drehmoment bringt. Zwar erledigt der D11-Motor seinen Job nicht ganz so souverän wie der um zwei Liter größere D13 im FH - der lediglich zehn PS, dafür aber um 150 Newtonmeter stärker ist. Bei voller Auslastung wirkt der FM-Antrieb deshalb angestrengter und entwickelt ein raueres Verbrennungsgeräusch. Seine Stunde schlägt dafür beim Gewicht, denn der "kleine" Sechszylinder bringt satte 195 Kilogramm weniger auf die Waage als der großvolumigere D13.

Deshalb fragen wir uns, warum Volvo das kleinere Aggregat nicht für die FH-Baureihe anbietet. Dann würden viele Chefs dem Light-FH den Vorzug geben - die Fahrer würden es danken.

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