Das hilft gegen Sodbrennen

Viele Menschen werden immer wieder von Sodbrennen geplagt
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Wer kennt das nicht: ein brennender Schmerz vom Magen bis zur Kehle, meist kurz nach einem üppigen Essen oder übermäßigem Alkoholgenuss. Wann Sodbrennen krank macht, was gegen das lästige Übel hilft und wie man vorbeugt.


Datum:
26.02.2018
Autor:
Sabine Köstler

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Herrje, mal wieder zu viel und zu fett gegessen ... Die Folgen sind ein ungutes Völlegefühl und eine Weile später ein "saurer" Magen sowie ein Brennen in der Brust bis hoch in den Rachen. Manchmal steigt etwas saure Flüssigkeit auf und gelangt in die Mundhöhle. Sodbrennen ....

Geschätzt rund 20 Millionen Deutsche leiden mindestens einmal im Monat unter Sodbrennen, also ungefähr jeder Vierte. Tendenz steigend. Allgemein ist in Deutschland - wie in vielen Industrieländern - die Ernährung zu kalorienhaltig und üppig, was den Anstieg erklären könnte.

Ist Sodbrennen gefährlich? Nicht, wenn es nur sporadisch vorkommt. Meist liegt es an zu fettreichen Speisen, was den Magen veranlasst, reichlich Verdauungssäfte zu produzieren. Aber auch wenn der Magen ganz leer ist, nach einer längeren Essenspause, steigt der Säuregehalt und kann sich durch Sodbrennen bemerkbar machen.

Wenn wir essen, beginnt der Verdauungsvorgang bereits beim Riechen und Schmecken (Magensaftproduktion steigt an), Kauen (Zerkleinern) und Einspeicheln (Zersetzen). In der Speiseröhre entlang des Zwerchfells rutscht der Brei in den Magen, der durch festes Muskelgewebe nach oben hin verschlossen ist. Mithilfe von Salzsäure und Enzymen kommt es zur Zersetzung der Nahrung, die lebenswichtigen Nährstoffe werden später im Dünndarm aufgenommen.

WAS PASSIERT BEI SODBRENNEN?

Sodbrennen ist ein Rückfluss der im Magen gebildeten Säfte, manchmal gerät auch anverdauter Speisebrei durch die Speiseröhre wieder nach oben. Möglich ist das nur, wenn der Schließmuskel spontan erschlafft. Das passiert durch Druck vom Bauch/Magen her oder auch infolge einer Erkrankung.

Das lästige bis schmerzhafte Brennen hinter dem Brustbein tritt typischerweise kurz nach dem Essen auf, im Liegen oder auch beim Bücken - vor allem dann, wenn die Kleidung eng ist. Das typische Brennen nennt man auf englisch übrigens heartburn, "Herzbrennen".

AUCH HERZPROBLEME MIT ÄHNLICHEN SYMPTOMEN

Ähnliche Beschwerden können tatsächlich auch bei Erkrankungen der Lunge oder des Herzens auftreten, was Ärzte bei einer Untersuchung standardmäßig überprüfen. Akutes, unerklärliches starkes Brennen in der Brust, womöglich zusätzlich mit Beklemmungsgefühlen, Atemnot, Schmerzen im linken Brustbereich oder Schwindel könnten sogar auf einen Herzinfarkt hindeuten. Meist ist Sodbrennen aber harmlos und kann toleriert werden. Sodbrennen ist lediglich ein Symptom, keine eigenständige Krankheit. Die Betroffenen wissen oft ganz gut, was sie nicht vertragen haben und können typische Auslöser vermeiden.

WANN IST EINE ÄRZTLICHE BEHANDLUNG NOTWENDIG?

Handlungsbedarf besteht erst, wenn die Symptome den Alltag beeinträchtigen, mehrere Wochen lang permanent auftreten und durch einfache Maßnahmen (Vermeidung typischer Auslöser, Gewichtsabnahme) nicht in den Griff zu bekommen sind. Von einer Erkrankung geht man dann aus, wenn durch die Säure die Schleimhaut der Speiseröhre beschädigt ist. Es handelt sich dann in den überwiegenden Fällen um die Gastroösophageale Refluxkrankheit, kurz "Reflux".

Reflux ist oft begleitet von Oberbauchbeschwerden und saurem Aufstoßen. Auch trockener Husten, eine Kehlkopfentzündung (heisere, belegte Stimme), eine erschwerte Atmung und Defekte des Zahnschmelzes zählen zu den Symptomen. Geschätzt jeder vierte Erwachsene in der westlichen Welt leidet unter dieser Krankheit.

Sie zu diagnostizieren, ist jedoch nicht leicht. Man kann sie mit keiner Methode sicher nachweisen oder ausschließen. Mittels Fragebögen erfasst der Arzt die Symptome und macht sich ein Gesamtbild: Hat der Patient Schluckstörungen? Gewichtsverlust? Gibt es Hinweise auf Blutungen? Je nach Beschwerdebild müssen bestimmte Erkrankungen wie Krebs (sehr selten) oder ein Zwerchfellbruch ausgeschlossen werden. Meist wird mittels einer Endoskopie (einer Spiegelung der Speiseröhre) geprüft, ob Schleimhaut entzündet oder sogar stellenweise verätzt ist. Bei 30 Prozent der Betroffenen ist das der Fall - vor allem bei nächtlichem Auftreten von Sodbrennen - und es ist bei Männern häufiger als bei Frauen.

Verhilft auch dies nicht zu einer Diagnose, kann über eine Sonde in der Speiseröhre das Refluxgeschehen auch gemessen werden. Therapiert wird mit allgemeinen Maßnahmen (Ernährungsumstellung), mit Medikamenten und als allerletztem Mittel einer Operation.

WER IST FÜR SODBRENNEN BESONDERS ANFÄLLIG?

Eine besonders gefährdete Personengruppe gibt es nicht. Allerdings begünstigt Übergewicht, besonders mit viel Bauchfett, Reflux, weil das Fettgewebe auf die Schließmuskulatur drückt. Das gleiche Problem haben schwangere Frauen, besonders im letzten Drittel der Schwangerschaft. Was die Ernährung betrifft, so fördern bestimmte Speisen die Bildung von viel Magensäure: sehr üppige und fetthaltige Nahrung, Zitrusfrüchte, Koffein, kohlensäurehaltige Getränke, Pfefferminz, Weißwein. Auch Nikotin reizt den Magen, genauso wie bestimmte Medikamente eine solche lästige Nebenwirkung haben können.

ERSTE HILFE BEI AKUTEN BESCHWERDEN

Es gibt rezeptfreie Medikamente in der Apotheke, die die Säurebildung hemmen sollen, sogenannte Antazida. Solche Mittel sollten aber eine längere Zeit (mehr als zwei Wochen) nicht ohne Rücksprache mit dem Arzt eingenommen werden. Ausprobieren kann man einige mehr oder weniger bewährte Hausmittel. Wissenschaftlich gesichert ist deren Wirksamkeit aber nicht. Hier einige gängige Tipps, die helfen sollen:

  • ein Glas Milch oder stilles Wasser trinken (Speiseröhre freispülen)
  • Kaugummi kauen (regt den Speichelfluss an, neutralisiert)
  • frischer Sellerie oder Tee aus Sellerieblättern
  • Weißbrot/-brötchen langsam kauen (bindet die Säure).

Lockern Sie Ihre Kleidung (Gürtel, Krawatte). Machen Sie einen Verdauungsspaziergang. Wer sich hinlegt, sollte den Oberkörper höher betten (nicht nur den Kopf, sondern den gesamten oberen Rumpf), um den Rückfluss zu erschweren.

WIE KANN MAN DEM LÄSTIGEN ÜBEL VORBEUGEN?

Erste Regel: Überfüllen Sie Ihren Magen nicht. Halten Sie Maß bei sehr fetthaltigen Speisen, sie verbleiben lange im Magen. Auch der beliebte Verdauungsschnaps ändert daran nichts, sondern reizt den Magen eher noch mehr. Allenfalls Kräuter wie Kümmel, Anis oder Tausendgüldenkraut wirken auf die Verdauung dank der enthaltenen pflanzlichen Bitterstoffe, Säuren und ätherischen Öle anregend.

Starkes Übergewicht, Nikotin- und hoher Alkoholkonsum sind Faktoren, die generell die Gesundheit gefährden, speziell aber den Magen belasten. Hochprozentiger Alkohol kann auf Dauer die Speiseröhre auch direkt schädigen. Als Hausmittel empfehlen Betroffene zur Vorbeugung das Trinken von Kartoffelsaft vor dem Essen. Es gibt ihn im Reformhaus (Einnahme nach Packungsanleitung). Ihn selbst herzustellen, ist nur unter größtmöglicher Sorgfalt empfehlenswert, da rohe Kartoffeln das giftige Alkaloid Solanin enthalten.

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