Das tödliche Quartett

Stark erhöhtes Risiko für einen Herzinfarkt durch das sogenannte "Wohlstandssyndrom"
© Foto: hriana/Fotolia

Ein dicker Bauch, Bluthochdruck, viel Fett oder Zucker im Blut: Diese Kombination ist extrem bedrohlich für Herz und Gefäße und kann einen Schlaganfall oder Herzinfarkt hervorrufen. Auch viele Fahrer sind gefährdet.


Datum:
07.09.2017
Autor:
Sabine Köstler

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Der Begriff "metabolisches Syndrom" ist den meisten Menschen nicht geläufig - doch die Krankheit ist eine der bedrohlichsten unserer Zeit. Es geht um vier bestimmte Faktoren, die miteinander kombiniert ein hohes Risiko bergen, einen Schlaganfall oder einen Herzinfarkt zu erleiden. Denn sie schädigen die Arterien und hindern damit eine geordnete Durchblutung des Körpers.

Das metabolische Syndrom wird auch "tödliches Quartett" genannt. Es geht um die folgenden Einzelerkrankungen, die sich gegenseitig begünstigen:

- Bluthochdruck

- erhöhte Blutzuckerwerte (oder Diabetes)

- erhöhte Blutfettwerte ("Cholesterin")

- großer Bauchumfang/starkes Übergewicht

Wer etwa stark übergewichtig ist und dazu mindestens zwei der anderen Faktoren aufweist, dem wird ein metabolisches Syndrom attestiert. Das Problem ist: Keine der vier Erkrankungen kommt plötzlich oder ruft Schmerzen hervor. Sie sind stille Begleiter, die sich langsam entwickeln und deren Bedrohlichkeit den meisten Betroffenen nicht bewusst ist. Im Gegenteil: Oft werden noch Späße gemacht, zum Beispiel über Bierbäuche, à la: Ein ordentlicher "Ranzen" ist schließlich teuer erkauft ...

Viele Menschen ahnen außerdem nicht, dass sie zu hohe Zuckeroder zu hohe Blutfettwerte haben, ein regelmäßiger Check beim Arzt steht noch lange nicht in jedermanns Jahreskalender.

Es herrscht große Unwissenheit über die Gefährlichkeit der einzelnen Erkrankungen und noch mehr über die Gefährlichkeit in Kombination. Dabei könnten die Betroffenen ihr hohes Risiko für eine Herz-Kreislauf-Erkrankung durch einfache Maßnahmen erheblich mildern. Auch beim metabolischen Syndrom ist dies gut zu bewerkstelligen, denn es wird auch "Wohlstandssyndrom" genannt:

Betroffen sind stark übergewichtige Menschen, die zu viel Süßes und Fettes sowie zu viel Salz und Alkohol zu sich nehmen, sich wenig bewegen, rauchen und/oder hohem Stress ausgesetzt sind oder unter Schlafstörungen leiden. Zwar kann auch eine gewisse genetische Veranlagung das Risiko erhöhen - aber allen anderen Faktoren kann man durch eine Neuausrichtung der Bewegungs- und Ernährungsgewohnheiten sehr gut begegnen. Unabdingbar ist zunächst ein Blutbild, das dem ersten Besuch beim Hausarzt folgt. Der Arzt wird bei übergewichtigen Patienten folgende Kriterien checken:

Risiko 1: HOHER BLUTDRUCK

Chronischer Bluthochdruck gilt als Ursache für Schäden des Herzmuskels, für Herzrhythmusstörungen sowie Herzvorhofflimmern. Als kritisch gilt ein Blutdruck ab 130/85 mmHg (Normwert: 120/80). Je höher die Werte, desto höher der Druck in den Blutgefäßen. Die Innenwände können sich krankhaft verändern (Arteriosklerose) und so werden die Gefäße brüchig. Um dem vorzubeugen, helfen möglichst viel körperliche Bewegung sowie die Reduzierung des Salz-Konsums. Das und eine vielleicht notwendige medikamentöse Therapie müssen jedoch mit einem Arzt abgeklärt werden, denn ein sehr hoher Blutdruck ist lebensbedrohlich.

Risiko 2: ERHÖHTE BLUTZUCKERWERTE

Nehmen wir auf Dauer zu viel Zucker/-haltiges zu uns, schüttet die Bauchspeicheldrüse immer höhere Mengen Insulin aus, um den vielen Zucker im Blut um- und abzubauen. Leber, Muskel- und Fettgewebe "packen" diese Mengen Insulin aber nicht ewig und reagieren mit der Zeit schlechter darauf. Die Folge: hohe Insulinkonzentration, trotzdem überzuckertes Blut. Daraus entwickelt sich die Krankheit Diabetes mellitus Typ II.

Ein Diabetes wiederum kann schlimme Schäden im Körper anrichten: verkalkte Arterien - oft die Herzkranzgefäße -, erhöhtes Schlaganfall-Risiko, Netzhautablösung und damit Erblindung, Nervenschäden, Nierenschäden. Erhöhtem Blutzucker muss unbedingt entgegengesteuert werden - durch eine zuckerärmere Ernährung, mehr Bewegung, Tabletten oder eine Insulintherapie. Der Grenzwert für erhöhten Nüchternblutzucker liegt bei >/= 100 mg/dl. Bereits rund sechs Millionen Deutsche leiden an einem (erkannten) Diabetes, die Dunkelziffer ist möglicherweise ebenfalls so hoch, auch immer mehr Kinder und Jugendliche sind betroffen.

Risiko 3: GROSSER BAUCHUMFANG

In TRUCKER 12/2015 hatten wir über das Gesundheitsrisiko von zu viel Bauchfett berichtet. Besonders unter Männern sieht man oft den "Apfeltyp": Überschüssiges Fett hat sich bei ihnen am Oberbauch und Bauch abgelagert, sie schieben eine Kugel vor sich her. Bei Frauen gibt es mehr von den "Birnentypen": zu viel Fett rund um Unterbauch, Hüfte und Oberschenkel.

Das Problem bei der großen Plauze: Das Fett liegt nicht verteilt in Pölsterchen am Körper, sondern sammelt sich im Bauchraum rund um die inneren Organe ("viszerales Fett"). Das kann zu schweren Funktionsstörungen führen, denn es sendet entzündliche Stoffe, erhöht das Risiko eines Diabetes und von Herz-Kreislauf-Leiden. Geschätzt 30 bis 40 Prozent der Bevölkerung Deutschlands haben einen zu großen Bauchumfang.

Risiko 4: ERHÖHTE BLUTFETTWERTE

"Denk an dein Cholesterin" - das bekommen viele Männer von ihrer Partnerin zu hören, wenn sie sich gerade auf ein herzhaftes Stück Schweinebraten, Currywurst oder Pizza freuen. Tatsächlich produziert unser Körper Cholesterin selbst und nur einen Teil nehmen wir über tierische Lebensmittel auf wie Butter, Wurst, Fleisch oder Eier. Essen wir davon zu viel, steigt der Cholesterinwert an.

Diese Nahrungsfette muss der Körper umbauen (verstoffwechseln), um sie zu verwerten, im Fettdepot abzuspeichern oder ausscheiden zu können.

Weil Fett nicht wasserlöslich ist, wird es in Form von winzig kleinen Fetttröpfchen im Blut transportiert, die man LDL und HDL nennt. Das LDL (das "schlechte" Cholesterin) wandert zu den Organen und Zellen und kann Ablagerungen in den Blutgefäßen fördern. Das HDL dagegen sorgt dafür, dass überschüssiges Fett zur Leber transportiert und dann ausgeschieden wird, es steuert gegen und ist das "gute Cholesterin". Ein hoher Wert ist gut und schützt vor Ablagerungen. Außer Cholesterin gibt es weitere Blutfette, deren Wert wichtig ist: die Triglyceride. Die Gesamtmenge Blutfett sollte unter 200 mg/dl Blut sein. Wünschenswert für das HDL: mindestens 40 mg/dl. LDL: nicht höher als 100 mg/dl, Triglyceride: höchstens 150 mg/dl.

Alle genannten Risikofaktoren für sich sind gesundheitsschädlich. Doch in Kombination erhöhen die "tödlichen Vier" die Wahrscheinlichkeit für einen Schlaganfall oder einen Herzinfarkt erheblich. Diesem Risiko sollte sich niemand aussetzen. Man kann gut vorbeugen und die Gefährdung mildern - ein Besuch beim Hausarzt und ein Blutbild sind der erste Schritt dazu. Im Wesentlichen muss eine Umstellung auf eine gesündere, vollwertige Ernährung erfolgen, am wichtigsten ist es, das überflüssige und belastende Fett im Körper loszuwerden. Was dabei hilft: viel Bewegung, wann immer möglich, ob im Alltag oder beim Sport.

 

Das sollten Sie tun

  • Messen Sie mit dem Maßband Ihren Bauchumfang. Als riskant gilt bei Männern ein Taillenumfang ab 102 Zentimetern, bei Frauen ab 88 Zentimetern. Ärzte raten dazu, bei bereits 94 bzw. 80 Zentimetern an Gewicht abzunehmen.

  • Wenn Ihr BMI über 25 liegt, sollten Sie daran denken, ein paar Kilos abzunehmen. Bei über 30 MÜSSEN Sie abnehmen, um Ihre Gesundheit nicht ernsthaft zu gefährden! Die BMI-Formel lautet Gewicht ÷ (Körpergröße x Körpergröße) , z.B.: 95 kg ÷ (1,80 m x 1,80 m) = BMI 29,3.

  • Sollten Sie nicht beim Arzt unter Beobachtung sein, können Sie Ihren Blutdruck regelmäßig selbst überprüfen. Messgeräte gibt es in jedem Elektrofachmarkt (ab ca. 25 Euro) und in Apotheken. Auch dort können Sie messen lassen.

  • Besprechen Sie einen großen Bauchumfang, hohen Blutdruck bzw. zu hohes Gewicht mit Ihrem Hausarzt.

  • Lassen Sie beim Hausarzt regelmäßig checken, wie Ihre Blutfett- und Blutzuckerwerte sind. Die Krankenkassen zahlen einen Allgemeincheck alle zwei Jahre.

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