Energydrinks: Die Turbolader

Vor allem junge Menschen greifen gern zu Energydrinks
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Energydrinks sollen schnell schlummernde Kräfte wecken, sind aber nicht unumstritten. Was ist dran, was ist drin?


Datum:
22.06.2013
Autor:
Sabine Köstler

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Sie heißen "Shock!", "Magic Man" oder "Rockstar" - und sie sollen die Energiequellen im Körper zum Sprudeln bringen. Auf die Schnelle vom Schlappzum Wachmodus? Das klingt praktisch. Und wer hätte nicht hin und wieder so einen "Turbolader" nötig. Eine spontane Pause aber erlauben die Umstände, der Chef oder die Lenkzeitenregelung meist nicht. Viele kaufen sich dann schon mal einen Energydrink, um sich auf Touren zu bringen.

Vor allem junge Menschen greifen besonders gern nach den poppigen Dosen mit den synthetischen Brausen. Das ist kein Wunder - die Werbung spricht die Sprache der Jugend und verknüpft die Drinks meist mit Sport, Party oder Umweltengagement. So etwa wird der "Monster"-Drink in Neongrün als "das gewaltigste Energiepräparat auf diesem Planeten" angepriesen. Der "Billy Boy Energy Drink" lockt gar damit, er sei "ein Drink, der unwiderstehlich sexy macht". Möglich sei dies, so die Beschreibung weiter, durch die "wertvollen Inhaltsstoffe", die belebend seien und für mehr Spaß und Leistungsfähigkeit sorgen würden.

Aber was ist wirklich dran an diesen Wunderdrinks? Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

Was ist ein Energydrink?

Ein Energydrink gilt als Erfrischungsgetränk auf Wasserbasis und fällt lebensmittelrechtlich unter die Fruchtsaftverordnung. Neben den Hauptzutaten Koffein, Taurin, Inosit und Glucuronolacton (Erklärungen s. Kasten) sind Säuerungsmittel, Farbstoffe und Aromen enthalten, manchmal Fruchtzusätze und/ oder Vitamine, immer Zucker oder Süßstoff.

Kann man sie als Erfrischungsgetränk trinken, ähnlich wie eine Saftschorle?

Das ist nicht empfehlenswert. Energydrinks sind keine Durstlöscher, sondern als Wachmacher gedacht. Das Koffein, dessen bitterer Geschmack durch einen hohen Zuckeroder Süßstoffgehalt ausgeglichen wird, hat eine stimulierende Wirkung auf das Herz-/ Kreislaufsystem.

Wie viel Koffein steckt in den Drinks?

Bislang mussten sich die Hersteller für ihre Produkte jeweils eine Sondergenehmigung holen. Am 1. Juni 2013 tritt in Deutschland eine neue Verordnung in Kraft: Für alle Produkte gelten dann die gleichen Höchstmengen für die vier Hauptzusatzstoffe. Koffein dürfen pro 100 ml höchstens 32 mg enthalten sein - in einer handelsüblichen 250-ml-Dose stecken somit 80 mg. Das entspricht einer Tasse kräftigen Kaffees.

Eine Dose wirkt also wie eine Tasse Kaffee?

Nein. Die spezielle Wirkstoffkombination der Drinks putscht schneller. Ihr hoher Zuckergehalt plus dem "Stoffwechselbeschleuniger" Taurin treibt den Insulinspiegel hoch und bringt eine kurzzeitige, beflügelnde Leistungssteigerung. Nur: Die Leistungskurve sinkt, anders als beim Kaffee, ebenso rasch wieder ab!

Was ist ein Energyshot?

Energyshots sind stark gesüßte Konzentrate in kleinen Portionen (25 bis 75 ml). Es sind kleine Aufputschbomben, die hohe Dosen Koffein und Taurin enthalten. Gängig sind 80 mg Koffein auf eine 60-ml-Flasche. Das entspricht 130 mg/100 ml (im Vergleich zu 32 mg beim Drink), manche Dosierungen erreichen sogar 600 mg pro 100 ml. Möglich ist dies nur, weil die Hersteller die Shots nicht als Erfrischungsgetränk deklarieren - sondern als Nahrungsergänzungsmittel. Die Produkte tragen die Verzehrsempfehlung "nur eine Portion am Tag". Daran sollte man sich halten.

Wie viel Koffein verträgt man?

Ob und wie viel Koffein jemand verträgt, ist individuell nach der Person und den Umständen; manche reagieren sehr intensiv auf diesen Wirkstoff. Koffein wird auch medizinisch eingesetzt, um kurzfristig Ermüdungserscheinungen zu beseitigen. Verwendet werden 100 bis 150 mg Koffein pro Dosis, nicht häufiger als zweimal am Tag.

Kann man Koffein überdosieren?

Ja. Eine Überdosierung/Vergiftung zeigt sich an Schlaflosigkeit, Erregung/starker Unruhe, erhöhtem Pulsschlag/Herzrasen, Herzrhythmusstörungen ("Stolperer"), Hör- und Sehstörungen.

Wie gefährlich sind andere Inhaltsstoffe?

Für die beiden weiteren Haupt-Zutaten Taurin und d-Glucuronolacton gab die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) 2009 Entwarnung. Beides wird vom menschlichen Körper selbst produziert. Bei der zusätzlichen Aufnahme durch eine halbe bis eineinhalb Energydrinks pro Tag hält das Gremium sie für unbedenklich. Ab dem 1.6. gelten auch für diese Stoffe in Deutschland Höchstmengen.

Warum liest man negative Schlagzeilen über Energydrinks?

2011/2012 wurden mehrere Todesfälle in den USA, meist von jungen Menschen, im Zusammenhang mit Energydrinks gebracht. So hatte z.B. die 14-Jährige Anais Fournier an einem Tag zwei 0,75-l-Dosen "Monster" Energydrink konsumiert und verstarb Stunden später an einem Herzstillstand. Der Tod des vorerkrankten Mädchens löste heftige Diskussionen und Rätselraten aus. Ein Rechtsstreit zwischen den Eltern und dem Hersteller läuft.

Sind "einfache" Energydrinks gefährlich?

Für einen gesunden erwachsenen Menschen, der sich an die Empfehlungen der Hersteller hält, nicht - wie das für viele Lebensmittel gilt. Im Zusammenhang mit den Todesfällen gibt es zu wenig Forschung. Einige der Betroffenen hatten besonders hohe Mengen konsumiert, andere haben sie in Kombination mit sportlicher Anstrengung, manche mit Alkohol oder Tabletten zu sich genommen. Welche Kombinationen sich in welcher Konzentration und Wechselwirkung schädlich auswirkte, ist noch nicht ausreichend bekannt.

Gibt es Empfehlungen, worauf man bei den Drinks achten soll?

Ja. Mixen sie sie nie mit Alkohol! Trinken Sie sie nicht während oder kurz nach ausgiebiger körperlicher Anstrengung oder sportlicher Betätigung. Für die erwähnten hoch dosierten Energyshots gilt das besonders. Die Wirkung der ohnehin hohen Koffein- und Taurinmengen könnte sich verstärken.

Wer sollte sie nicht trinken?

Nicht empfohlen sind sie für Verbraucher mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetiker, Epileptiker, Kinder und Schwangere/Stillende. Natürlich gilt dies erst recht für Energyshots.

Wie genau wird die Kennzeichnungspflicht genommen?

Die Verbraucherzentrale Bremen nahm im November 16 Produkte unter die Lupe und kam zu einem relativ guten Ergebnis: 15 trugen einen Warnhinweis zu Kindern und Schwangeren (ist erst ab dem Jahr 2014 vorgeschrieben), ebenfalls 15 empfahlen, dass nur eine begrenzte Menge konsumiert werden sollte. Auf 14 Dosen wurden koffeinempfindliche Menschen gewarnt, bei fünf auch Diabetiker. Zwölf Getränke trugen den Hinweis "Nicht in Verbindung mit Alkohol konsumieren". Sieben Getränke wiesen darauf hin, dass erhöhte sportliche Aktivität beim Konsum von Energydrinks vermieden werden sollte.

Woher weiß ich in einer Bar, ob in einem Getränk Koffein ist?

Ab 1. Juni müssen nicht nur die verpackten, sondern auch lose angebotene Energydrinks, die zum Beispiel in Gaststätten oder Bars pur oder gemixt ausgegeben werden, mit dem Hinweis "erhöhter Koffeingehalt" gekennzeichnet werden.

Was halten Verbraucherschützer von den Drinks?

Die Verbraucherzentralen Hamburg und Bremen raten Kindern und Jugendlichen vom Genuss von Energydrinks ab und fordern ein generelles Verkaufsverbot für Personen unter 18 Jahren. Die derzeitigen Regelungen zur Kennzeichnung seien unzureichend und schlecht lesbar, negative Wechselwirkungen der Inhaltsstoffe zu wenig erforscht und nicht auszuschließen.

Was ist ein Natural Energy Drink?

Vielfach werden inzwischen Drinks mit natürlichen Inhaltsstoffen angeboten. Das Koffein kommt z.B. aus Kaffeebohnen oder Guarana. Außerdem werden natürliche Aromen, Fruchtsüßen und natürliche Farbstoffe verwendet.

ENERGYDRINKS: ZUTATEN

Woher der Kick kommt

Koffein

Eine natürliche Substanz aus der Gruppe der Alkaloide. Sie wird aus der Kaffeebohne, der Teepflanze, dem Matebaum, der Kolanuss oder der Guaranapflanze gewonnen. Wirkt auf den Kreislauf anregend bzw. bewirkt eine stärkere Durchblutung.

Taurin

Produziert der menschliche Körper auch selbst. Ist z.B. in der Muskulatur und im Gehirn zu finden, wird auch zur Bildung von Gallensäure gebraucht, spielt wahrscheinlich beim Muskelwachstum eine Rolle, hilft bei der Entwicklung des Nervensystems. Der Name leitet sich vom griechischen Wort "Tauros" für "Stier" ab: Die Substanz wurde erstmals in der Galle von Ochsen nachgewiesen. Soll in Verbindung mit Koffein vitalisierend wirken.

Inosit

Der veraltete Begriff dafür ist "Muskelzucker". Dieser Wuchsstoff wird zum Vitamin B2-Komplex gerechnet, er kommt im menschlichen Körper vor sowie in manchen Pflanzen. Ein Mangel kann z.B. das körperliche Wachstum und den Haarwuchs beeinträchtigen.

Glucuronolacton

Der Wirkstoff zählt zu den Zuckersäuren, er ist ein Kohlenhydrat und Bestandteil des menschlichen Bindegewebes. Er soll in der Leber den Abbau schwer löslicher Stoffe verbessern, es wird ihm eine entgiftungsfördernde Wirkung zugeschrieben.

Guarana

Der Guarana-Strauch wächst in den Regelwäldern Südamerikas. Aus den getrockneten Samen der Kapselfrüchte wird Koffein gewonnen, das einen hohen Anteil aus Ballaststoffen und Rohfasern hat, anders als das Koffein aus der Kaffeepflanze.

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