Vorsorge: Wie geht's Ihnen?

Trotz oder gerade wegen ihres anspruchsvollen Jobs sollten Fahrer sich regelmäßig untersuchen lassen
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Diese Frage bewirkt bei Männern schon mal ein gelangweiltes Schulterzucken. "Geht schon", wird dann gemurmelt, "muss ja". Statistiker wissen darauf bessere Antworten. Bestimmt werden auch Sie hier fündig.


Datum:
27.09.2016
Autor:
Sabine Köstler

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Verbinden Sie mit dem Begriff Gesundheit auch einen schwitzenden Jogger, eine verkniffene Diätberaterin oder etwa die eigene, den Finger hebende Partnerin, die Ihnen den Spaß an Bier und Chips verdirbt? Oder Müsliriegel, Fitnessstudio und Wasser?

Was genau Gesundheit ist, das ist individuell, dafür gibt es keine allgemeingültige Definition. Die meisten Menschen sind wohl immer beides: insgesamt gesund, wenn da nicht ... Das gilt auch beim Essen: Es ist sehr wichtig, genießen zu können. Aber seinen Körper erschlaffen zu lassen oder mit Fett zu überfrachten, bringt ja auch wieder nichts - außer einer kürzeren Lebenserwartung.

Womit wir bei der Statistik sind und ein wichtiges Thema vorwegnehmen: die Lebenserwartung. Sind Sie 30 Jahre alt? Dann wurde für Sie eine Lebensdauer von weiteren 48,88 Jahren errechnet, Frauen haben noch 53,57 Jahre. Haben Sie bereits die 50 überschritten (das trifft auf knapp 40 % der Berufskraftfahrer in Deutschland zu)? Dann dürfen Sie sich schon mal auf Ihren 80. freuen, weiß das Statistische Bundesamt.

Allerdings: Für einen 40-jährigen Bergarbeiter stehen die Chancen, das Rentenalter zu erleben, nur fifty-fifty. Andere, etwa Lehrer, haben mit 90 Prozent eine deutlich höhere Erwartung. Die Bildung, die Höhe des Einkommens und die Art des Berufes haben einen erheblichen - und je niedriger, desto schlechteren - Einfluss auf die Anzahl der verbleibenden Jahre.

MÄNNER WERDEN NICHT KRANK - ODER DOCH?

Dass sie steinalt werden, ohne groß etwas dafür zu tun, scheint ein Männergesetz zu sein: Zumindest ist die Angst vor Krankheiten wohl nicht groß, denn mit Vorsorge haben Männer es nicht so. Äußerst zögerlich nehmen sie an vorbeugenden Kursen teil, ob Stress-Management oder Rückenschule. Dasselbe Bild bei den kostenlosen Checkups und der Krebsfrüherkennung, klagen die Kassen. Nur 15 Prozent nutzen die Prostatakrebs-Früherkennungsuntersuchung, genauso wenige den Gesundheitscheck. Dabei steigt die Überlebensrate um ein Vielfaches, wenn eine Krebserkrankung frühzeitig entdeckt wird. Was Ihnen zusteht, finden Sie im Kasten rechts.

Etwa drei Viertel der Bevölkerung bewertet ihren Gesundheitszustand als gut oder sehr gut. Es gibt einige klassische Probleme, die auch vielen Lkw-Fahrern bekannt sind: Doppelt so häufig wie Frauen bekommen Männer über 30 ein Bandscheibenproblem. Auch Osteoporose (mit dem Resultat instabiler, bruchanfälliger Knochen) betrifft das vermeintlich starke Geschlecht - vor allem wenn jemand sehr dünn ist, sich unausgewogen ernährt, wenig bewegt und raucht. Einen Brummschädel haben acht von 100 Männern regelmäßig, und zwar wegen einer Migräneattacke. Und hauptsächlich sie leiden unter dem sogenannten Cluster-Kopfschmerz: brennend oder stechend, um das Auge herum, 15 Minuten bis zu zwei Stunden lang andauernd.

Bei männlichen Versicherten der Wirtschaftsgruppe "Verkehr" registrierten die Betriebskrankenkassen 2014 im Schnitt denn auch 20,9 Fehltage - fast ein ganzer Arbeitsmonat. Nur die Berufsgruppe "Postdienste" und "Abfallbeseitigung und Recycling" lagen darüber. Die wenigsten Fehltage (8,3) hatten Beschäftigte in der IT-Branche, so der BKK-Bundesverband.

"STRESS KENNT NUR DER LEISTUNGSSCHWACHE"

Das ist ein alter, chauvinistischer Spruch, den man getrost vergessen darf. Jeder fünfte Mann in Deutschland nimmt die Arbeitsbedingungen als stark oder sehr stark gesundheitsgefährdend wahr, berichtet die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung BzGA. 2013 verunfallten und verletzten sich 383.000 Männer, fast jeder Dritte im Arbeitsumfeld. Sehr früh erwischt Männer eine verminderte Erwerbsfähigkeit. Das Rentenalter hierfür lag 2013 bei nur 51,6 Jahren. Der häufigste Grund: psychische Störungen, gefolgt von Muskel-, Skelett- und Bindegewebserkrankungen. Seltsam: Nur acht Prozent der Männer geben zu, seelisch belastet zu sein. In Verkehrsberufen ist das sicher öfter der Fall, das Durchschnitts-Renteneintrittsalter liegt aber bei 60 Jahren.

Gegen Stress und seelische Belastungen sind Sport und körperliche Aktivität ein gutes Mittel, besonders angesichts unseres automatisierten und bewegungsarmen Lebens. Sind unsere Vorfahren noch täglich 20 Kilometer zu Fuß gelaufen, schaffen wir heute nur noch 800 Meter pro Tag. Zwar gaben 51,7 Prozent der befragten Männer bei der GEDA-Gesundheitsstudie 2009 des Robert-Koch-Instituts an: "Ich achte auf ausreichend körperliche Aktivität im Alltag". Doch etwas zu wollen und zu tun, sind zwei Paar Schuhe: Gerade einmal ein Viertel der Männer erfüllt die Mindestempfehlungen der WHO für körperliche Aktivität von zweieinhalb Stunden gezielter Bewegung pro Woche. Auf Fernsehen entfällt vier mal so viel Zeit wie auf sportliche Betätigung.

ERNÄHRUNG: MÄNNER ESSEN ANDER(E)S

Deutliche Unterschiede zeigen die Geschlechter in puncto Ernährung. Männer essen doppelt so viel Fleisch- und Wurstwaren wie Frauen, außerdem mehr Süßwaren, Kuchen und Gebäck und dafür weniger Obst. Das hat Folgen: Zwei von drei Männern (2013: 62 %) sind mit einem BMI von \&{greaterequal}; 25, übergewichtig. Ein Viertel gilt als adipös, also fettleibig - vor allem Jüngere! Übrigens weisen Männer, die in einer Partnerschaft leben, ein deutlich höheres Körpergewicht auf als Alleinlebende. Dabei ist es nicht schwer, das Gewicht zu halten: Wer auf 300 bis 500 kcal pro Tag verzichtet - etwa zwei Softdrinks oder eine Tafel Schokolade - nimmt ab und schützt sich vor Bluthochdruck, Diabetes Typ II oder einer Fettleber.

Ein bedeutendes Thema bei der Ernährung ist der Alkohol. Das Risiko für Rauschtrinken liegt drei- bis fünfmal höher als für Frauen. Nur 13,6 Prozent der Männer trinken überhaupt keinen Alkohol. Das höchste Suchtpotenzial haben 20- bis 40-Jährige. 2012 wurden mehr als 100.000 Männer wegen ihrer Sucht im Krankenhaus behandelt. Und viele, die zu viel trinken, sind Raucher. 29 Prozent der Männer in Deutschland rauchen.

UND WAS TUT SICH SO UNTER DER GÜRTELLINIE?

Darüber rätseln die Statistiker. Weltweite Studien zu Erektionsstörungen (erektile Dysfunktion) brachten keine eindeutigen Ergebnisse und unterscheiden nicht nach Alter, Leidensdruck, Häufigkeit des Auftretens. Ist es eine Beeinträchtigung? Oder eine Funktionsstörung mit Krankheitswert (z.B. Begleiterkrankung bei Krebs)? Die Ergebnisse rangieren von 7,9 % Betroffener über 19,2 % (30- bis 80-Jährige; Kölner Männerstudie) bis zu 40,1 % (Cottbus Survey).

AM ENDE DREHT SICH ALLES UM DAS HERZ

Und wenn es ins hohe Alter geht? Über 900.000 Männer in Deutschland sind pflegebedürftig. Im hohen Alter geben viele auf: Dreimal so viele Männer wie Frauen begehen Suizid. Die häufigste Todesursache bei 45- bis 64-Jährigen ist aber eine chronische ischämische Herzkrankheit, also eine Gefäßverengung (Arteriosklerose), ein Aneurysma oder Schäden durch einen überstandenen Infarkt. An zweiter Stelle steht Lungen- und Bronchialkrebs, an dritter Stelle der akute Herzinfarkt.

Riskant fürs Herz wird es unter anderem, wenn der Blutdruck zu hoch ist - ein Viertel der Bevölkerung Deutschlands ist betroffen. Die Blutgefäße leiden unter dem hohen Druck, reißen und verdicken sich an anderen Stellen. Hohem Blutdruck - und auch Krebserkrankungen! - kann man vorbeugen: Essen und trinken Sie ausgewogen und bewusst. Achten Sie auf Ihr Gewicht. Bewegen Sie sich. Sagen Sie gegenüber Suchtmitteln und bei Stress beizeiten: Nein. Nicht mit mir. Dann können Sie nächstens auf die Frage: "Wie geht's?" mit einem beherzten "gut!" antworten.

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