Doppelt geht schneller

Die Doppelkupplung funktioniert schon recht gut - aber mit zu wenigen Gängen.
© Foto: K. Sefrna

Vielversprechend präsentiert sich das ZF-Doppelkupplungsgetriebe für den Fernverkehr. Wir fuhren vorab.


Datum:
30.07.2012
Autor:
Gerhard Gruenig

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Selten hat man die Chance, einer Technik zu begegnen, die andere erst Monate, wenn nicht Jahre später kennenlernen. Das ist einer der viel zu raren Momente: Ich fahre als Erster das Doppelkupplungsgetriebe von ZF!

Von der alltäglichen Hülle des DAF XF105 Prototypenträgers darf man sich nicht täuschen lassen: Das Getriebe unter der kubischen Hütte des Holländers ist revolutionär und basiert im Wesentlichen auf der Nachfolgegeneration der AS-Tronic von ZF namens Traxon.

DOPPELKUPPLUNG SINN-VOLL MIT LANGEN ACHSEN

Das heißt: Dreigang-Grundgetriebe, Rangegruppe für die Gänge eins, drei, fünf sowie sieben, neun, elf und den bekannten Splitter für die "geraden" Schaltstufen. Die Entwicklung des Doppelkupplungsgetriebe (DKG) ist die Konsequenz auf immer längere Hinterachsen. Mit aktuellen Übersetzungen (iHA=2,53) liegt die Motordrehzahl bei rund 1000 Touren. In der Steigung reicht das Motormoment nicht aus, um im höchsten Gang zu bleiben. Die beim Standard-Getriebe folgende Schaltung dauert trotz Optimierung (zu) lange. Der Motor fällt ab, verliert Ladedruck und muss erst wieder Leistung aufbauen.

Im DKG sind parallel zwei Gänge eingelegt - der zwölfte und der elfte. Die Kupplung von Gang zwölf ist geschlossen, die von Gang elf offen. In der Steigung öffnet die Kupplung vom Zwölften, gleichzeitig schließt die vom Elften. Das geht blitzschnell: ohne Drehzahlabfall, ohne Leistungsverlust!

Bei der Systematik von ZF gibt es - zumindest wenn man vorhandene Schaltboxen weitgehend beibehalten will, zwei Möglichkeiten. Entweder die Splitgruppe mit Doppelkupplungsfunktion auszustatten - dann lassen sich die Gangpaare 12/11, 10/9 usw. lastschalten. Oder man verlegt auch ein Gangpaar des Grundgetriebes in den Splitter mit Doppelkupplungsfunktion. Dann können jeweils drei Gänge ohne Zugkraftunterbrechung geschaltet werden. In jedem Fall sind beide Kupplungen hintereinander platziert, die entsprechenden "Antriebswellen" laufen als Hohlwellen ineinander.

Beim Prototypen ist ein DKG mit Lastschalt-Splitter verbaut. Die Schaltung 12/11 erfolgt ohne Zugkraftunterbrechung, die Schaltung 11/10 normal über einen herkömmlichen Gangwechsel. Die Schaltung 10/9 wieder als Lastschaltung der Doppelkupplung.

Was sich umständlich liest, funktioniert schon erstaunlich gut. Kleinere Mankos, etwa der sich mit der Temperatur verändernde Kupplungsschlupf, lassen sich mit dem Laptop bereinigen. Und die Probleme werden mit der Zahl der Testkilometer weniger.

ZWÖLF AUF ELF KÖNNTE BALD ZU WENIG SEIN

Der Nachteil der Variante "Lastschalt-Splitter" zeigt sich beim 40-Tonner an größeren Steigungen. Geschmeidig schaltet das Getriebe ohne erkennbare Schaltpause in den elften Gang. Nur an der steigenden Drehzahl und der Displayanzeige "11" merkt der Fahrer, dass überhaupt etwas passiert. Reicht der Elfte nicht und der Zehnte wird fällig, folgt die herkömmliche Schaltung - und die dauert dann eine gefühlte Ewigkeit. Ehe der Motor wieder voll im Futter steht, sind ein paar km/h dahin.

ZF entwickelt deshalb parallel eine Version mit drei Lastschalt-Gängen - die aber leider zum Testzeitpunkt noch nicht fertiggestellt war. Diese kann dann auch den Zehnten ohne Zugkraftunterbrechung einlegen - und schon kommen erste Kommentare, das dies eventuell auch nicht reicht ... Kommen Achsübersetzungen im Bereich 2,2, wird der Triebstrang so lang, dass am Berg der Neunte nötig ist. Da müsste man die Schaltboxen komplett umgestalten - sehr teuer. Ungeachtet dessen fasziniert das DKG. Jetzt muss nur noch ein Kunde, sprich Hersteller, bei ZF ein kuppeln - oder auch zwei

NEUES VON ZF

Kern der ZF-Neuheiten ist der AS-Tronic-Nachfolger Traxon: automatisiertes Getriebe mit größerer Spreizung für besseres Rangieren, bis zu vier Rückwärtsgänge, mehr Drehmoment, höherer Wirkungsgrad, leiser. Auf Traxon-Basis entwickelt ZF neben dem DKG Features zur Vorserienreife, die auf Kunden warten:

1. Hybrid im Fernverkehr: Zusätzlicher Elektromotor soll bis fünf Prozent Sprit sparen; Boosten, Start-Stopp, elektrisches Fahren

2. "Prevision": GPS-gesteuerte Schaltung für Fernverkehr, setzt Schaltpunkte nach Topographie; kombiniert: Rollfunktion

3. Traxon Torque: Wandlerschaltkupplung für Schwer-LKW Fahrwerk: u.a. Einzelradaufhängung, Premiere wohl auf der IAA; Leichtbau-Hinterachse etc.

Mehr dazu im nächsten TRUCKER!

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