ADAC: Wertlose Statistik und fragwürdige Tests

Peter Meyer dürfte das Lachen vergangen sein. Der ehemalige ADAC-Präsident trat in der Zwischenzeit von seinem Amt zurück
© Foto: picture-alliance/dpa/Peter Kneffel

Die Glaubwürdigkeit des ADAC ist dahin. Zu oft wurde gemogelt und gemauschelt.


Datum:
14.02.2014
Autor:
Martin Orthuber

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Die Negativ-Schlagzeilen über den ADAC nehmen kein Ende. Zunächst schien es "nur" der Leiter der Kommunikation und Chefredakteur der Clubzeitschrift ADAC Motorwelt zu sein, der sich ein grobes Foul geleistet hatte. Michael Ramstetter, ADAC-intern auch "Rambo" genannt, hatte die Ergebnisse der Wahl zum Lieblingsauto der Deutschen frisiert und musste dafür seinen Hut nehmen.

Doch nur wenige Tage später wurde offenbar, dass dieses erst der Anfang eines sehr langen Sündenregisters sein würde, das die selbst ernannten "Gelben Engel" in den vergangenen Jahren angehäuft hatten. Es folgten zweckentfremdete Flüge mit Rettungshubschraubern und einem Ambulanzjet, eine teure Villa und möglicherweise manipulierte Gewässeruntersuchungen. Mitgliedern sollen im Pannenfall Batterien aufgeschwatzt worden sein, die sie überhaupt nicht gebraucht hätten und obendrein anderenorts viel billiger gewesen wären. Nicht verschont blieb auch der ADAC Truckservice.

VEDA BEZWEIFELT DIE NEUTRALITÄT DES ADAC BEIM RASTANLAGENTEST

Von den 105.000 LKW-Pannen, die der Truckservice in jedem Jahr betreut, fließt nur ein Bruchteil in die Pannenstatistik ein, meldete "Spiegel". Alle Pannen der Industriepartner, wie etwa Mercedes-Benz, würden herausfallen. Tatsächlich erklärte die ADAC-Pressestelle auf Nachfrage gegenüber dem TRUCKER, finden nur 13.000 der jährlich 105.000 LKW-Pannen Eingang in die "Pannenstatistik". Man muss davon ausgehen, dass eine derartige "Statistik" keinerlei verwertbaren Rückschlüsse zulässt, oder aber auch jeden x-beliebigen. Daher scheint es nicht weiter überraschend, dass Werner Renz, Geschäftsführer des ADAC Truckservice, am Ende seiner Argumentationskette bei dem scheinbar statistisch gestützten Ergebnis landet, dass sich ein Spediteur und Flottenbetreiber am besten für eine Festpreislösung wie den "ADAC Truckservice Pannenschutz" entscheiden sollte.

Zumindest versichert die ADAC-Pressestelle, dass es eine Pannenstatistik in dieser Form künftig nicht mehr geben wird.

Zweifel lassen auch andere ADAC-Tests aufkommen. Die Vereinigung Deutscher Autohöfe VEDA behauptet in einer Pressemitteilung, dass beim ADAC-Rastanlagentest regelmäßig Testfehler von Prüfern zu Lasten der Autohöfe gemacht würden. Tankstellenpreise und Toilettengebühren würden bei der Ermittlung des Preis-/Leistungsverhältnisses nicht berücksichtigt, die Bewertungskriterien zur Einschätzung der Verkehrssicherheit ergäben falsche Ergebnisse, die Auswahl der zu testenden Anlagen erfolge nicht nach dem Zufallsprinzip, und überhaupt sei die Neutralität der Tests nicht gewährleistet, weil laut VEDA zwischen dem ADAC und dem Raststätten-Betreiber "Tank & Rast" eine "intensive, nachhaltige Geschäftsbeziehung" bestehe.

Auch zu diesem Thema hat der TRUCKER bei der Pressestelle des ADAC nachgehakt. Eine Antwort lag bei Redaktionsschluss noch nicht vor. Wir bleiben dran!

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