BKF-Symposium: Ausbildung im Fokus

Gut besucht: 430 Teilnehmer kamen nach Kassel
© Foto: Serge Voigt

Unternehmer, Fahrschulen und Vertreter aus Politik und Verwaltung diskutierten in Kassel über die Zukunft der Aus- und Weiterbildung von Berufskraftfahrern.


Datum:
13.11.2015
Autor:
Redaktion TRUCKER

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Wir haben die Ausbildung der Berufskraftfahrer wieder zu uns ins Haus geholt", sagte Hendrik Jansen, Geschäftsführer der Dachser Services und Ausbildungs GmbH auf dem ersten Symposium "Berufskraftfahrer: Aus- und Weiterbildung 2015" in Kassel. Zuletzt hatte die Spedition das ihren Subunternehmern überlassen. Mittlerweile seien dazu an fast allen Niederlassungen Fuhrparkmanager angestellt worden, die sich in Zusammenarbeit mit lokalen Fahrschulen um die derzeit 90 Auszubildenden kümmern. Das Unternehmen setzt dabei auf die dreijährige Ausbildung und nicht auf die beschleunigte Grundqualifikation. Der Grund, so Jansen, sei neben der Qualifikation die hohe Bindung der Auszubildenden an das Unternehmen, die sich in Zeiten des Fahrermangels auszahle.

KEINE FÖRDERMITTEL FÜR GESETZLICH VORGESCHRIEBENE PROGRAMME

Die aktuelle politische Diskussion um Fördermittel habe auf diese Entscheidung keinen Einfluss. Danach darf alles, was gesetzlich vorgeschrieben ist, nicht mehr über die Programme Aus- und Weiterbildung gefördert werden - der TRUCKER berichtete dazu in Ausgabe 6/2015. Zudem, glaubt Jansen, hätten viele Unternehmer alleine aus Zeitmangel oder Unwissenheit Fördermittel für die Aus- und Weiterbildung gar nicht beantragt. Die Weiterbildungen seien umgesetzt worden, weil der Gesetzgeber das gefordert habe. Wie wichtig das Thema Ausbildung für das Gewerbe ist, unterstrich in Kassel Dr. Veit Steinle aus dem Bundesverkehrsministerium: "Nur für das altersbedingte Ausscheiden von Berufskraftfahrern brauchen wir jährlich 20.000 neue". Derzeit würden sich aber nicht genügend Jugendliche für die Ausbildung entscheiden. Diese Nachwuchssorgen ließen sich am besten durch gute Arbeitsbedingungen bekämpfen. Dazu zählen neben Respekt und Wertschätzung gegenüber den Fahrern ein attraktiver Lohn und eine Disposition der Touren, die Luft für Freizeit und die Familie lasse.

Mit Blick auf die von der EU untersagten Fördermittel sagte Steinle: "Das Rad werden wir nicht zurückdrehen", aber sein Ministerium arbeite an Alternativen. Wann die vorliegen, ist noch nicht klar. "Wir versuchen, uns zu beeilen." Es gehe darum, Dinge zu identifizieren, die nicht gesetzlich vorgeschrieben sind. Allerdings gibt es durchaus noch Maßnahmen, die sich durch das Bundesamt für Güterverkehr (BAG) fördern lassen. Für 2015 neu im Förderkatalog aufgenommen wurden etwa Vorbereitungslehrgänge auf die Grundqualifikation, Deutschkurse für Nicht-Muttersprachler und Erste-Hilfe-Kurse zum Verhalten am Unfallort, nicht aber Kurse zum Erlangen der Fahrerlaubnis. "Weitere Vorschläge sind willkommen", warb Jana Kruger vom BAG um Mitarbeit aller Beteiligten.

DEN HANDEL MIT WEITERBILDUNGS-BESCHEINIGUNGEN UNTERBINDEN

Mit Blick auf die anstehenden Änderungen des Berufskraftfahrer-Qualifikations-Gesetzes fordert der Verband Moving unter anderem ein zentrales Online-Register. "Ziel ist es, die Teilnehmer und die Aus- und Weiterbildungsstätten zentral zu verwalten, effektive Kontrollen zu ermöglichen und nicht zuletzt den Handel mit Weiterbildungsbescheinigungen zu unterbinden", erklärte Jörg-Michael Satz von Moving. ´

Auch bei der Europäischen Union wird derzeit die Richtlinie 2003/59/EU zehn Jahre nach ihrem Inkrafttreten intensiv hinterfragt. "Selbst wenn es kleinere Probleme gibt, insgesamt hat sich die Richtlinie positiv auf die Verkehrssicherheit ausgewirkt", bilanzierte Espen Rindedal von der Generaldirektion DG MOVE der Europäischen Kommission. Zu den Problemen zählen die Anerkennung der Weiterbildungen zwischen den Mitgliedstaaten, zu viel Interpretationsspielraum bei einigen Formulierungen in der Richtlinie und veraltete Lernmethoden. Ob und in welchem Umfang die Richtlinie aber geändert werde, sei noch nicht klar.  Serge Voigt

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