Digitale Technik gegen Falschfahrer

Bald soll digitale Technik unbewusste Falschfahrten vermindern
© Foto: picture-alliance/dpa/Karl-Josef Hildenbrand

Der Bundesverkehrsminister möchte digitale Technik einsetzen, um durch Falschfahrer verursachte Unfälle auf Autobahnen zu vermeiden.


Datum:
03.10.2014
Autor:
Michael Simon

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Falschfahrer verursachten in den Jahren 2005 bis 2011 exakt 177 von der Polizei registrierte Unfälle auf Autobahnen. Das entspricht einem Anteil von 0,05 Prozent an allen Unfällen auf der Autobahn. Wenn es jedoch zum Zusammenstoß kommt, ist der Unfall folgenschwer: 20 Menschen pro Jahr kommen so ums Leben - das sind vier Prozent aller Getöteten auf Autobahnen. Zu diesen Ergebnissen kommt die von der Bundesanstalt für Straßenwesen BASt in Auftrag gegebene Studie "Falschfahrten auf Autobahnen", die 2012 veröffentlicht wurde.

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt plant nun, Kraftfahrer mit elektronischen Warnsystemen vom unbewussten Falschfahren abzuhalten. Der Minister, der auch für die digitale Infrastruktur zuständig ist, möchte an den Auffahrten digitale Technik installieren, die Falschfahrer automatisch erkennen sowie akustisch und optisch warnen soll. Derzeit testet das Ministerium an einer süddeutschen Autobahn mehrere Systeme.

Aber nicht nur der Falschfahrer, auch die ihm entgegen kommenden Fahrzeuge sollen digital gewarnt werden."Das ist heute mit digitalen Systemen selbstverständlich möglich", sagte Dobrindt der Passauer Neuen Presse. Möglichkeiten wären ein Alarm über das Navigationsgerät, Verkehrsmeldungen im Radio oder Warnungen auf den Streckenbeeinflussungsanlagen.

Bei aller Vagheit über die genaue Realisierung scheint bislang nur eines sicher: ein deutschlandweites Warnsystem wäre kostspielig. Bei zirka 3000 Auffahrten fielen Schätzungen zufolge zwischen 25 und 30 Millionen Euro an.

Deutlich günstiger ist da natürlich die Hilfe von geistesgegenwärtigen LKW-Fahrern. Wie etwa die von Florian Thurm, der für sein Manöver die Auszeichnung zum Helden der Straße des Monats Juni erhielt. Er hatte sich auf die linke Fahrbahn gesetzt, als er einen Falschfahrer bemerkt hatte, und den nachfolgenden Verkehr ausgebremst, bevor es zu einem Unfall kam. Ähnliche Rettungsaktionen legten zwei Kollegen an einem Augusttag hin: Zunächst hielt ein 44-Jähriger Fahrer einen verwirrten 79-Jährigen auf der A3 auf, ehe Stunden später ein 55-jähriger Kollege einen 85 Jahre alten Senioren auf der A8 zum Anhalten bewegte.

Die Autoren der BASt-Studie stellen fest, dass in der Gruppe der gesicherten Falschfahrer Personen über 65 Jahre"überproportional häufig vertreten" sind. Jeder dritte ermittelte Falschfahrer gehört zu dieser Gruppe. "Geistige Mängel und Verwirrtheit" würden zu den Falschfahrten führen.

Jedoch weist die Studie darauf hin, dass jüngere Falschfahrer "eher in der Lage sind, eine unbewusst begonnene Falschfahrt zu erkennen und zeitnah zu korrigieren", wodurch ältere häufiger von der Polizei protokolliert werden. Daher lasse sich nicht verlässlich bestimmen, ob ältere Menschen auch überproportional häufiger Falschfahrten auf Autobahnen verursachen.

Die Prüfgesellschaft Dekra und der ADAC lehnen bisher gelegentlich aufkommende Diskussionen über Pflicht-Gesundheitschecks im Alter ab. Fahrer über 65 seien gemessen am Anteil an der Bevölkerung unterproportional an Unfällen beteiligt.

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