Handy am Steuer: Experten fordern härtere Strafen

26.01.2026 12:41 Uhr | Lesezeit: 3 min
Digitales Cockpit Scania
Zu viele Touchfunktionen, zu viel Ablenkung: Warum Unfallforscher eine Kehrtwende bei Fahrzeugtechnik fordern (Symbolbild)
© Foto: VerkehrsRundschau/Jan Burgdorf

Monocams erkennen Handys am Steuer – erste Tests zeigen hunderte Verstöße. Experten hoffen auf eine abschreckende Wirkung.

Ein kurzer Blick aufs Smartphone, eine schnelle Antwort auf eine Nachricht oder das Wechseln eines Songs – Ablenkung am Steuer gehört für viele Autofahrer zum Alltag. Die Folgen können jedoch gravierend sein. Studien zeigen: Wer während der Fahrt Nachrichten tippt, erhöht sein Unfallrisiko um das Sechsfache, erklärte Kirstin Zeidler, Chef-Unfallforscherin im Gesamtverband der Versicherer. Dennoch gab laut einer Umfrage der Versicherer-Unfallforschung im Jahr 2023 knapp jeder vierte Autofahrer an, zumindest gelegentlich während der Fahrt Nachrichten oder E-Mails zu schreiben.

Vor diesem Hintergrund wird intensiv diskutiert, wie sich die Verkehrssicherheit verbessern lässt.

Forderung nach härteren Sanktionen

Als mögliche Maßnahme nennen Fachleute strengere Strafen. Unfallforscher Siegfried Brockmann von der Björn Steiger Stiftung verweist darauf, dass Handyverstöße bislang nur selten festgestellt werden, da sie schwer zu erkennen seien. Ein deutlich höheres Bußgeld könne daher eine abschreckende Wirkung entfalten. Auch Kirstin Zeidler spricht sich für schärfere Konsequenzen aus und plädiert dafür, zwei statt eines Punktes im Fahreignungsregister zu verhängen.


Monocams: Technik gegen Ablenkung

Zusätzlich rücken neuartige Handy-Blitzer in den Fokus. Sogenannte Monocams können erkennen, ob Autofahrerinnen und Autofahrer ein Mobiltelefon in der Hand halten. Zeidler befürwortet einen bundesweiten Einsatz der Technik, auch wenn nicht jede Art von Verstoß erfasst wird. Der ADAC unterstützt diese Position: Nur ein ausreichend hohes Entdeckungsrisiko könne Sanktionen wirksam machen. Der Deutsche Anwaltverein weist allerdings darauf hin, dass eine klare rechtliche Grundlage, insbesondere mit Blick auf den Datenschutz, erforderlich sei.

Erste Erfahrungen liegen bereits aus Rheinland-Pfalz vor. Dort ist die Monocam seit April im Raum Trier im Einsatz, weitere Geräte für andere Regionen wurden bereits beschafft. Die Kameras filmen den Verkehr von erhöhten Positionen wie Autobahnbrücken. Erkennt die Künstliche Intelligenz ein Handy in der Hand, wird ein Bild gespeichert, das anschließend von der Polizei geprüft wird.

Bei einem Testlauf im Jahr 2022 wurden an 88 Einsatztagen mehr als 1.200 Verstöße festgestellt, von April bis November eines weiteren Zeitraums kamen rund 950 Fälle hinzu. Innenminister Michael Ebling (SPD) erklärte, diese gefährlichen Verstöße seien bislang kaum nachweisbar gewesen. Die Monocam könne die Sicherheit erhöhen und Menschenleben schützen.



Weniger Ablenkung durch Fahrzeugtechnik

Unfallforscher sehen jedoch nicht nur beim Smartphone Handlungsbedarf. Moderne Fahrzeuge verfügten über zu viele ablenkende Funktionen, so Brockmann. Sinnvoll wäre es etwa, Handy-Benachrichtigungen während der Fahrt automatisch zu deaktivieren. Auch Touchscreens stehen in der Kritik: Zentrale Funktionen wie Licht oder Klimaanlage sollten nach Ansicht der Experten verpflichtend über physische Tasten und Schalter bedienbar sein.

Zeidler betont zudem die Bedeutung einer zuverlässigen Sprachsteuerung. Der Deutsche Verkehrssicherheitsrat spricht sich außerdem für eine flächendeckende Nutzung von Müdigkeitswarnern aus. Diese Systeme, die teilweise auch Ablenkung erkennen, sind seit 2024 in Neuwagen vorgeschrieben.

Rolle von Euro NCAP

Da gesetzliche Regelungen oft lange dauern, setzen Fachleute zusätzlich auf Euro NCAP. Die Organisation bewertet neben Crashtests auch sicherheitsrelevante Ausstattungen. Künftig sollen Touch-Bedienelemente kritischer beurteilt werden. Brockmann hofft, dass dies Hersteller zum Umdenken bewegt – erste Anzeichen, dass wieder mehr physische Bedienelemente verbaut werden, seien bereits erkennbar.


Aktuelle Rechtslage zur Handynutzung am Steuer

  • Die Nutzung eines Handys oder elektronischen Geräts in der Hand während der Fahrt ist eine Ordnungswidrigkeit.

  • Auch längeres Bedienen oder Ablesen von Touchscreens oder anderen elektronischen Geräten gilt als Verstoß.

  • Es drohen 100 Euro Bußgeld und ein Punkt in Flensburg.

  • Bei Gefährdung oder Unfall: höheres Bußgeld, zwei Punkte und ein Monat Fahrverbot.



Thema beim Verkehrsgerichtstag

Ab dem 29. Januar steht die Ablenkung am Steuer auch auf der Agenda des Verkehrsgerichtstags in Goslar. Dort beraten jährlich Expertinnen und Experten aus Verkehrssicherheit und Verkehrsrecht. Die Empfehlungen der Tagung fließen regelmäßig in die Gesetzgebung ein.

HASHTAG

#Verkehrsgerichtstag

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