Infrastruktur, Energieversorgung und Rahmenbedingungen sind entscheidend

29.07.2026 09:25 Uhr | Lesezeit: 3 min
Zukunftstag_Nutzfahrzeuge_2026_Podium
Claudia Elif Stutz, Staatssekretärin im BMV; Frederick Rumpf, Gründer und Geschäftsführer Fleetboost; Maximilian von Löbbecke, Geschäftsführer Renault Trucks Deutschland; Sylvia Diederichsmeier, Head of Sales Mercedes-Benz Trucks & FUSO; Dirk Engelhardt, BGL-Vorstandssprecher und Moderatorin Claudia Bechstein (v.l.n.r.) bei der Podiumsdiskussion
© Foto: BGL

Der Hochlauf emissionsfreier Lkw war Thema beim Zukunftstag Nutzfahrzeuge, den BGL und Dekra am Lausitzring veranstalteten. Deutlich wurde dabei: an der Verfügbarkeit der Fahrzeuge scheitert die Antriebswende nicht.

Die Technologien für emissionsfreie Nutzfahrzeuge sind verfügbar, der Markthochlauf entscheide sich daran, ob Infrastruktur, Energieversorgung und planbare politische Rahmenbedingungen Schritt halten, lautete das Fazit beim Zukunftstags Nutzfahrzeuge 2026. „Unsere Unternehmen sind bereit, in die Antriebswende zu investieren. Dafür brauchen sie jedoch mehr als ein physisch verfügbares Fahrzeug. Netzanschluss, Ladeleistung, Energiepreis, Tourenplanung und Kundenanforderungen müssen zu einem wirtschaftlich tragfähigen Gesamtsystem zusammenfinden. Erst dann wird daraus ein skalierbares Modell für den Mittelstand“, betonte Dirk Engelhardt, Vorstandssprecher des BGL.


"Unsere Unternehmen sind bereit, in die Antriebswende zu investieren."

Dirk Engelhardt, Vorstandssprecher des BGL


Umstellung der Flotten scheitert nicht an der Fahrzeugverfügbarkeit

Veranstaltet wurde der Zukunftstag Nutzfahrzeuge am Dekra Lausitzring gemeinsam vom Bundesverband Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL) mit der Dekra. Am Zukunftstag Nutzfahrzeuge nahmen laut Angaben der Veranstalter knapp 300 Gäste teil. Dabei diskutierten die Vertreter aus Politik, Transportwirtschaft, Fahrzeugindustrie sowie Energie- und Ladeinfrastruktur darüber, wie der Umstieg auf emissionsfreie Nutzfahrzeuge wirtschaftlich und praxistauglich gelingen kann. Einigkeit bestand darüber, dass der Hochlauf emissionsfreier Nutzfahrzeuge heute nicht mehr an der Fahrzeugtechnik scheitert: Fahrzeughersteller, Trailer-Industrie und Technologieanbieter bringen zunehmend marktreife Lösungen auf die Straße. 

Wirtschaftlichkeit und politische Rahmenbedingungen mitentscheidend

Entscheidend sei, dass „der Business Case entlang der gesamten Wertschöpfungskette funktioniere“, so das Fazit. Als entscheidend für einen erfolgreichen Hochlauf wurden unter anderem folgende Punkte identifiziert:

  • Hersteller brauchen verlässliche Nachfrage, um Kapazitäten auszubauen und Kosten zu senken.
  • Für Transportunternehmen zählen wirtschaftliche Gesamtkosten, das passende Einsatzprofil sowie eine leistungsfähige Ladeinfrastruktur mit ausreichenden Netzkapazitäten und wettbewerbsfähigen Energiepreisen.
  • Betreiber von Ladeinfrastruktur wiederum benötigen planbare Netzanschlüsse, belastbare Auslastungsperspektiven und verlässliche politische Rahmenbedingungen.

Verzahnung von Depot- und öffentlicher Ladeinfrastruktur

Die Diskussionen machten laut BGL ebenfalls deutlich, dass „batterieelektrisch getriebene Lkw heute im Betrieb schon kostengünstiger sein können als dieselgetriebene – erst recht dann, wenn Speditionen die Chancen nutzen, die für das Depot-Laden in der Stromproduktion durch eigene Photovoltaik-Anlagen stecken“. Einigkeit herrschte allerdings auch darüber, dass insbesondere folgende Aspekte entscheidend sind, um den Hochlauf weiter zu beschleunigen:

  • Planbarkeit durch verlässliche langfristige politische Rahmenbedingungen
  • schnellere Netzanschlüss
  • eine bessere Verzahnung von Depot- und öffentlicher Ladeinfrastruktur 

Die Maßnahmen des Bundes

Der Bund sei beim Ausbau der öffentlichen Ladeinfrastruktur entlang der Autobahnen in der Pflicht, aber auch bereits in der Umsetzung, sagte Claudia Elif Stutz, Staatssekretärin im Bundesverkehrsministerium (BMV). Die Ausschreibung für das Schnellladenetz mit insgesamt 350 Standorten sei teilweise auf dem Weg, teilweise schon abgeschlossen. Im Jahr 2030 soll es im Kernnetz alle 60 Kilometer eine Anlage geben, im Gesamtnetz alle 100 Kilometer. Zusätzlich stelle der Bund in den nächsten vier Jahren insgesamt „eine Milliarde Euro an Fördermitteln für Ladeinfrastruktur in den Depots der Transportunternehmen bereit“.

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