Wie die Konzerne den Benzinpreis diktieren

Benzinmarkt ist ein Oligopol (Foto: Norbert Millauer/ dapd)

Der Benzinpreis ist ein Diktat: Zwar bestimmt nicht ein Einzelner, aber eine kleine Gruppe beherrscht den Markt.


Datum:
23.05.2011
Autor:
Redaktion TRUCKER

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Der Benzinpreis ist ein Diktat: Zwar bestimmt nicht ein Einzelner, aber eine kleine Gruppe beherrscht den Markt. Bundeskartellamts-Sprecher Kay Weidner bestätigte am Sonntag weitgehend Berichte von „Bild am Sonntag“ und „Spiegel“ über eine Untersuchung seiner Behörde. Demnach enthüllt die Untersuchung „Marktstrukturen, die dem Wettbewerb abträglich sind“.

Der Benzinmarkt ist kein Monopol, aber ein Oligopol. Das bedeutet, dass eine kleine Gruppe entscheidet: Die fünf Konzerne Aral/BP, Shell, Jet, Esso und Total beherrschen den Markt. Sie machen 70 Prozent des Geschäfts. Weidner sagte, das Kartellamt habe „schon seit längerem die Arbeitshypothese eines Oligopols“.

Dabei geht es nicht um die Methode der Preisgestaltung. Das Kartellamt hat sich „nie mit dem Verdacht auf etwaige Preisabsprachen befasst, das ist eine andere Baustelle“, sagte Weidner. Es geht vielmehr um die Marktstrukturen, „und da muss man schauen, was man machen kann und ob man was machen kann.“ Für die Studie untersuchten Experten die Preisbewegungen von jeweils 100 Tankstellen in Leipzig, Hamburg, Köln und München von Januar 2007 bis Juni 2010. Der Abschlussbericht soll an diesem Donnerstag offiziell vorgestellt werden.

Nach Erkenntnissen der Behörde unterhalten alle großen Mineralölkonzerne ein Beobachtungs- und Meldesystem für die Preise der Konkurrenz, berichteten die Blätter. Geheimabsprachen im Hinterzimmer würden so überflüssig. „Preise absprechen ist verboten, Preise abgucken nicht“, zitierte „Bild am Sonntag“ einen Manager der Mineralölwirtschaft.

Ein übliches Muster ist den Berichten zufolge, dass die Marktführer mit Preiserhöhungen vorpreschen, oft an Wochenenden, vor den Ferien oder vor Ostern. Andere ziehen nach. Wenige Stunden später bröckelten die Preise aber wieder ab, weil vor allem mittelständische Anbieter oder Supermarktstationen dagegenhielten.

Ein ADAC-Sprecher sagte, es sei keine neue Erkenntnis, „dass das Benzin bei großer Nachfrage teurer wird“. Aber die Einschätzung des Kartellamtes sei eine Aufforderung, den Konzernen genau auf die Finger zu schauen. Nach Weidners Angaben müssen die Konzerne weiter mit einer strengen Fusionskontrolle rechnen – damit das Oligopol nicht noch dichter wird. (dpa)
 

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