40 Jahre DAF in Deutschland

2012: Mit der Einführung von Euro 6 wurde der würfelförmige Rohbau massiv geliftet
© Foto: DAF Trucks

Seit vier Dekaden sind die Niederländer hier aktiv. Erfolge bescherten vor allem Turbotechnik und Intercooling.


Datum:
02.02.2015
Autor:
Gerhard Gruenig

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Als Hub van Doorne in Eindhoven die "Hub van Doorne, Machinefabriek en Reparatieinrichting" gründete, ahnte er wohl nicht, dass sein Betrieb 86 Jahre später noch immer Bestand haben würde. Was mit Schweiß- und Schmiedearbeiten begann, führte ab 1932 zum Trailerbau. Die umbenannte Van Doorne's Aanhangwagenfabriek N.V. - ab dann auch DAF - war einer der ersten Hersteller für Sattelauflieger. 1936 folgte mit dem "DAF Losser" einer der ersten Container-Sattelauflieger der Welt - eine Europapremiere.

DIE ERSTEN DAF-LKW WAREN MILITÄR-ZUGMASCHINEN

Mit der LKW-Produktion startete DAF noch während des Zweiten Weltkrieges. Die Produktion von Artillerieschleppern fürs Militär gipfelte in der zweiten Namensänderung: Van Doorne's Automobiel Fabriek N.V. und der Produktion der ersten eigenen Lastwagen mit Motoren von Leyland - das Unternehmen gehört heute zu DAF und ist Produktionswerk für die LF-Baureihe. Schnell ging DAF dazu über, statt der Lizenzmotoren eigene Triebwerke zu entwickeln.

Eine kurze Episode der PKW-Produktion mit dem noch heute legendären Daffodil und dem stufenlosen Variomatik-Getriebe (ein Keilriemengetriebe, mit dem die PKW rückwärts so schnell fuhren wie vorwärts) startete 1958 und endete 1975 mit dem Verkauf der PKW-Sparte an Volvo.

Zu Beginn der Siebzigerjahre und mit Erschließung des deutschen Marktes war der niederländische Hersteller Teil des so genannten "Vierer-Clubs", zu dem in Frankreich Saviem, in Deutschland Magirus-Deutz und in Schweden Volvo gehörten. Zu den damaligen Gemeinsamkeiten gehörte unter anderem die Entwicklung von leichten und mittelschweren LKW.

Ende der Fünfziger- und bis hinein in die Siebzigerjahre tat sich DAF mit allerhand Innovationen hervor - was man angesichts der heute eher konservativen Ausrichtung kaum glauben mag. So waren die Niederländer mit die ersten, die serienmäßig auf Turbotechnik setzten - eine Erfindung von Saurer aus der Schweiz.

"Die Turbotechnik hat uns schon enorme Fortschritte beschert", erinnert sich Hans Staals, von 1985 bis 2005 Direktor für Marketing und Produktplanung in Eindhoven. "Unser erster aufgeladener Motor, der DS, hatte bei 5,75 Liter Hubraum schon 135 SAE-PS bei 2400 Touren. Das hört sich heute nach wenig an, lag aber damals rund 20 Prozent über den Werten der üblichen Saugmotoren gleichen Hubraums."

"Einen echten Coup haben wir aber mit der Ladeluftkühlung gelandet", schmunzelt Staals, der schon damals in die technische Entwicklung involviert war. "1969 sind wir mit dem ersten Prototypen auf Basis des 2600 nach Südtirol gefahren. Die anderen Fahrer haben etwas komisch geschaut, als wir mit dem Frontlenker mit völlig untypischer kleiner Haube auf den Rasthof gekommen sind. Auf die Idee, dass sich unter dem provisorisch gezimmerten Kasten eine revolutionäre Technik versteckt, kam damals natürlich niemand."

Es sollte noch vier Jahre dauern, bis das erste Serienfahrzeug mit "Intercooler" beim Händler stand. "Aber es hat sich dann relativ schnell herumgesprochen, dass man mit der Ladeluftkühlung enorm Kraftstoff sparen kann."

Staals spricht in der Nachbetrachtung von rund 35 Liter in Zeiten, in denen andere 45 und mehr brauchten. Warum die Konkurrenz trotzdem zehn Jahre gebraucht hat, um nachzuziehen, versteht der rührige Entwickler bis heute nicht.

Drei Jahre später präsentierten die Holländer eine nicht weniger bahnbrechende Innovation: den F2800 Intercontinental. Abgesehen von üppigen 280 PS war es das große Fernverkehrshaus mit integrierter Küche - samt Gasherd, Luxussitzen und Tisch vorm Beifahrer, das vor knapp 40 Jahren heutige Entwicklungen vorweg nahm. In jenen Jahren legte DAF wohl den Grundstein für den noch heute vorhandenen guten Ruf bei Fahrern.

NOCH HEUTE IST DAS (SUPER) SPACE CAB MASS DER DINGE

1985 kam das erste Space Cab genannte Hochdach, damals noch auf dem alten Rohbau des 3600 ATI. Der schraubte mit optimierter Turbotechnologie die Leistung nach oben und gleichzeitig den Verbrauch nach unten. 1987 kam der FT 95 als Space Cab. Der Rohbau dieser Kabine ist noch heute Basis für den aktuellen XF - auch wenn inzwischen 98 Prozent aller Teile überarbeitet wurden. Und "Van Doornes Automobiel Fabriek N.V." hat sich in Europa etabliert.

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