Amphibien-Truck: Atego geht schwimmen

Ein Atego geht schwimmen
© Foto: Gerhard Grünig

Hippotrip in Lissabon hat sich drei Ategos zu Amphibien-Lkw umbauen lassen. Wir gingen plantschen mit den aus Amerika stammenden Wanderern zwischen den Welten.


Datum:
12.10.2015
Autor:
Gerhard Gruenig

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Er taugt nichts als Boot, und als Auto ist er ebenso wenig zu gebrauchen! So das vernichtende Urteil der Motorjournalisten-Legende Fritz B. Busch zum Amphicar. Heute hat das seltene Auto und Nachfolger des legendären VW Schwimmwagens seine Liebhaber gefunden und ist enorm teuer.

Wie so oft stand auch zu Beginn des "Hydra-Terra"-Amphibienbusses eine militärische Anwendung. Entwickler John Giljam aus South Carolina kaufte sich einen LARC V, der im Vietnam-Krieg Soldaten vom Schiff auf die Küste brachte und unternahm damit touristische Touren an der Küste. Frustriert vom antiquierten Antriebsstrang begann der Tüftler alsbald über eine modernere Version nachzudenken.

Ähnliche Ideen hatte auch "Hippotrip Turismo" in Lissabon: Warum nicht Touristen nach der Stadtrundfahrt auf eine Schiffstour auf den Tajo mitnehmen - ohne, dass man umsteigen muss? Die Recherche, wer das passende Fahrzeug wohl bauen könnte, führte direkt nach South Carolina.

IDEE AUS LISSABON, REALISIERUNG IN DEN USA

Mit US-Technik hatte Hippotrip allerdings nichts am Hut. Wie man nach dem "Boarding" der Passagiere stolz verkündet wird, muss man sich keine Sorgen machen, denn gute deutsche Technik würde unter dem ungewöhnlichen Aufbau stecken. Der Blick auf den Fahrerplatz verrät, welcher Basis sich Giljam bedient hat: Eines Mercedes Atego mit teilautomatisierter Telligent-Schaltung und dem bewährten Sechszylinder.

Hochbeinig ragt die Aluminium-Karosserie über dem Fahrgestell mit blattgefederter Vorderund luftgefederter Hinterachse auf. Wäre sie nicht aus leichtem Aluminium, der hohe Schwerpunkt würde zu noch größerem Schaukeln führen - auch an Land fühlen sich die Passagiere wie auf einem Schiff. Unsicher muss einem dennoch nicht zumute sein. Ob seiner ungelenken Art nimmt der Hydra-Terra kaum mehr als das innerstädtisch erlaubte Tempo 50 km/h auf. Laut rappelt die Karosserie, der Wind pfeift durch die offenen Fenster.

DAS "WASSERN" IST RELATIV UNSPEKTAKULÄR

Dann folgt der Höhepunkt. Über eine breite Zufahrt bewegt sich der Amphibien-Atego in den Fluss. Und wieder die beruhigende Erklärung: "Unser Vehikel kann nicht sinken. Alle Hohlräume sind mit speziellem Schaum verfüllt. Selbst wenn Passagierraum und Motorabteil unter Wasser stünden, könnte nichts passieren!" Haben sie das nicht auch bei der Titanic gesagt?

Mit einem lauten und markerschütternden Rumms kuppelt unser "Kapitän" die am Differenzial angeflanschte Schiffsschraube ein. Zitternd und ächzend wie ein harpunierter Wal pflügt der Schwimmlaster über das Gott sei Dank ruhige Wasser. Wobei die Phase des Schwimmens weit ruhiger abgeht als die vorherige Fahrt über Lissabons Kopfsteinpflaster.

Eine halbe Stunde dauert die Schiffstour. Die Mercedes-Technik verrichtet tatsächlich zuverlässig ihren Dienst. Die meisten Passagiere haben ihren Spaß - wohl vor allem, weil die Insassen der vorbeifahrenden echten Boote ziemlich doof aus der Wäsche gucken. Am Ende hat's Spaß gemacht. Aber Busch hat Recht: Das Ding ist als Bus ein Flop, als Lkw untauglich und selbst als Schiff nicht zu gebrauchen. GG

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