Berthold: Unternehmer, Fahrer und Truck-Tuner in einer Person

Chef Emanuel Berthold und Fahrerin Daniele Manupella teilen die Leidenschaft für schöne Lastwagen
© Foto: Felix Jacoby

Emanuel Berthold hat zwei Leidenschaften in seinem Beruf kombiniert: Das Lastwagen fahren und das Verschönern seiner Trucks.


Datum:
29.09.2014
Autor:
Felix Jacoby

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Oft wird es einem in Europa nicht leicht gemacht, wenn man seinem LKW einen individuellen Stil angedeihen lassen möchte. Unter den Fuhrleuten gibt es trotzdem viele, die ein besonderes Fahrzeug fahren wollen. Doch ausgefallene Fahrzeugoptimierungen oder auffällige Beleuchtungen stehen zunehmend unter kritischer Beobachtung. Da blickt man neidvoll nach Nordamerika. Dort sind die technischen LKW-Kontrollen zwar viel häufiger. Dafür ist aber die Toleranz gegenüber Chrom, Bullenfängern oder ausufernden Lampenbäumen auch deutlich höher.

Benders genau nehmen es dem Vernehmen nach die Schweizer Ordnungshüter. Da liest man in Facebook, Twitter und Co. von 600 Franken Bußgeld für vier Standlichtbirnen in den Reflektoren des Fernlichts oder von horrenden Strafen, weil der vordere Lampenbügel die Gesamtlänge des Lastzugs um wenige Zentimeter erhöht. Das engt den Spielraum für die LKW-Individualisierung in der Alpenrepublik ziemlich ein. Es bleibt nur ein schmaler Grat zwischen erlaubter Individualisierung und unerlaubtem "Bling-Bling".

AUS DER ANFÄNGLICHEN LEIDENSCHAFT EIN LOHNENDES GESCHÄFT GEMACHT

Emanuel Berthold ist mit Lastwagen aufgewachsen. Bereits 1971 hat sein Vater Otto ein Transportunternehmen gegründet. Im Jahr 2000 hat der heute 35-Jährige mit dem Fahren angefangen. Als gelernter Fahrzeugmechaniker mit Freude am Job war es für ihn normal, seinem Arbeitsgerät eigene Ideen angedeihen zu lassen. Das fiel auch seinen Kollegen auf. Die baten ihn bei der Umsetzung eigener Verschönerungswünsche schon bald um Hilfe. Die wachsende Nachfrage führte 2010 zur Gründung von EB Design.

Emanuel ist als Chauffeur beim Vater angestellt, der heute noch drei Lastzüge betreibt. Bruder Sascha hat sich 1995 selbstständig gemacht. Seine Flotte umfasst inzwischen 14 Lastzüge. Der gesamte Familien-Fuhrpark" wird von einer Disposition gesteuert und umfasst Trockenfrachtkoffer, Planenaufbauten und Thermobehälter. Gefahren werden Güter aller Art, überwiegend national in der Schweiz. Es gibt aber auch Kunden, die Transporte zum Beispiel nach Norwegen oder nach Spanien in Auftrag geben.

EMANUEL UND KOLLEGE PATRICK TRANSPORTIEREN GEWÜRZE

Emanuel ist mit seinem Kofferzug viel für Kunden aus der Lebensmittelindustrie und dem Handels unterwegs. Die lassen ihre sensiblen Produkte bevorzugt in geschlossenen Fahrzeugen transportieren. Früh am Morgen treffen wir uns in der Nähe von Zug bei einem großen Gewürzhersteller. Die kräftigen Aromen im Verladebereich machen Appetit auf etwas Herzhaftes. Kollege Patrick Niederhauser war mit seinem Lastzug zum Laden schon eine Stunde vorher da. Emanuel muss nun den Rest der Partie zu einer Großbäckerei ins Kanton Aargau liefern.

Während man in vielen Teilen Europas fast nur noch Sattelzüge sieht, gibt es in der Schweiz eine besondere Tradition, Anhängerzüge einzusetzen. Die sind zwar schwerer zu rangieren, bieten dafür aber mehr Stellfläche. Außerdem beanspruchen sie auf schmalen und kurvigen Straßen weniger Verkehrsraum. Erst recht, wenn wie bei den Volvo-Fahrgestellen der Spedition Berthold die dritte Achse des Motorwagens aktiv mitlenkt.

Die Aufbauten sind als Durchladezüge konfiguriert: Die Ladebordwand des Motorwagens überbrückt bei angekuppeltem Anhänger exakt den Abstand zum geöffneten Frontportal. Dazu kommen, weil öfter auch kleine Märkte mit engen Rampen befahren werden, seitliche Doppeltüren. So ist der Lastzug bei Bedarf von drei Seiten zugänglich und kann durchgängig beladen werden. Und mit der Ladebordwand lassen sich auch Kunden ohne Rampe versorgen.

Emanuel hat seinen Lastzug, bei dem der Motorwagen 2014 gekauft wurde, während der Anhänger schon elf Jahre alt ist, mit dezenten Stilmitteln verschönert. Dazu gehören die Verkleidungen für die Seiten und die Heckpartie, garniert mit modernen Leuchteinheiten aus LED-Streifen. Ein weiteres, individuelles Detail ist die optische Verlängerung der Fahrzeugfront aus Edelstahl nach unten. Scheibengitter und Leuchtkasten sowie die Metalliclackierung verleihen dem Fahrerhaus einen eigenen Stil.

Auf den kleineren Truckfesten treten der neue Volvo FH von Emanuel sowie das ältere 2006er-Modell von Patrick gemeinsam als Werbe träger für EB-Design auf. Und Kollege Patrick spielt auch bei den Veredelungsprojekten eine wichtige Rolle: Erstens ist auch er gelernter Mechaniker, zweitens ergänzt er das Leistungsspektrum durch seine Innenraumveredelungen mit Stoff und Leder. Das Tuningprojekt stellt sich über die website www.eb-design.ch vor. Auf der reicht das Warenangebot von der kleinen Diodenlampe bis zur Komplettverkleidung.

EB-DESIGN BAUT MIT DEN IDEEN DER KUNDEN DEREN TRAUM-LKW

In der Galerie der Website sind zahlreiche Projekte zu sehen, deren Individuali sierung von Emanuel und seinen Mitstreitern durchgeführt wurde. Immer gefragter sind zusätzliche Kommunikations- und Unterhaltungselektronik - mit der aktuellen CAN-Bus-Technik ein Thema für echte Spezialisten.

Wie so oft bei erfolgreichen Projekten gibt es eine starke Frau im Hintergrund: Daniela Manuppella - eigentlich Besitzerin eines Hundesalons. Sie fährt Emanuels Volvo, während der sich um seine Firma kümmert. Jetzt werden die beiden Eltern. Dem Kind dürfte wohl eine gewisse Lastwagenbegeisterung mit in die Wiege gelegt werden ...

HASHTAG


#Schweiz

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