Büssing BS16: Die Krönung auf den Fuhrpark

Manfred Haubert, Chef der gleichnamigen Spedition, steckte jahrelang Arbeit in die Restaurierung des Büssings BS16
© Foto: Martin Heying

Manfred Haubert ist im Fuhrgeschäft groß geworden. Seine Leidenschaft für große Autos ist ungebrochen. Vor allem, wenn es sich bei dem "Auto" um seinen Büssing BS16 handelt ...


Datum:
03.11.2014
Autor:
Redaktion TRUCKER

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Bei der Haubert-Spedition fährt der Chef noch selbst - nicht, dass er es nötig hätte. 14 Fahrer aus der Region bewegen elf Sattelzugmaschinen, für den Gütertransport stehen zudem noch 14 Trailer zur Verfügung. Aber Manfred Haubert juckt es eben ab und zu in den Fingern und dann setzt er sich ans Steuer und fährt mal wieder eine Tour.

"Mein Vater ist noch bis ins hohe Alter gefahren und ich spring' auch ein, wenn es hilft, die Fahrer zu entlasten", erzählt der 60-Jährige. Daher versteht er deren tägliche Sorgen, ob Parkplatzsuche oder Pausenproblematik beim digitalen Tacho. Auf Hauberts Betriebshof gibt es Duschen und Sozialräume und als Besonderheit die Fahrerwirtschaft "Kutscherstube". Die Fahrer nehmen das Angebot dankbar an. "So können viele ihre Pausen sinnvoll nutzen und mal abschalten", sagt Manfred Haubert. Schon 1988 wurde die Kutscherstube als Frühstückscafé gegründet; inzwischen bietet ein Pächter günstige Tagesgerichte an, natürlich auch für Nicht-Fahrer.

ZU GROSSVATERS ZEITEN NOCH MIT PFERDEFUHRWERKEN UNTERWEGS

Die Spedition befördert traditionell Produkte und Zusatzstoffe, die sie schon zu Gründungszeiten transportiert hat: Keramik, Fliesen und andere Baustoffe. Zu Zeiten von Hauberts Großvater fuhren noch Pferdefuhrwerke beladen mit Ton durch die Region des "Kannenbäckerlandes", das noch heute zu der größten Keramiklandschaft Deutschlands mit dem vielseitigsten Angebot an Erzeugnissen aus Ton gehört. Auch Vater Anton arbeitete noch für eine Firma mit Pferdefuhrwerken, die 1928 den ersten LKW einsetzte. 1950 begann dort mit einer Fernverkehrskonzession, einem Büssing-Motorwagen samt zweiachsigem Anhänger, und einer Fahrt nach Hamburg das moderne Speditionszeitalter.

Manfred Haubert gründete 1979 zusammen mit dem Vater das eigene Unternehmen - ebenfalls mit Büssing-LKW. Bis zur Wende spezialisierte man sich auf West-Berlin-Verkehre, natürlich für die Westerwälder Fliesen- und Keramikindustrie. Heute sind es Linien in den Osten Deutschlands, nach Leipzig, Dresden oder ins Erzgebirge und in den Süden bis nach Linz und Wien. Die Liebe zum Löwen aber ist wie die Liebe zum Fahren bei Manfred Haubert geblieben: MAN dominiert den Fuhrpark, ein top restaurierter Büssing BS16 krönt die Flotte.

BEGLEITET VON EINER SCHWARZEN RUSSWOLKE DURCH DEN TUNNEL

"Bis der so aussah wie heute war es allerdings ein weiter Weg", schmunzelt Haubert. Dank des Tipps eines Spediteurs-Kollegen hatte er 2001 den BS16 in Bochum entdeckt und war sofort Feuer und Flamme. Der Motorplanwagen mit Trilex-Felgen und dreiachsigem Theurer-Anhänger machte einen guten Eindruck, die Batterien waren geladen und der Motor sprang gleich beim \&{uni25B6}; ersten Anlassen an. Also erstand der LKW-Fan das gute Stück für 30.000 DM. Die leicht festhängenden Bremsen waren schnell gängig gemacht und schon steuerte er seinen neuen Alten durch den Feierabendverkehr im Ruhrgebiet.

Ausgerechnet in einem Tunnel betätigte er die Motobremse erstmals und sorgte damit unabsichtlich für eine schwarze Rußwolke. Doch jahrelange Fernfahrer-Erfahrung zahlte sich aus: Draht und Seitenschneider lösten das Problem fürs Erste. Für den Rest der Fahrt genoss Haubert den Komfort des ruhig laufenden Sechszylinder-Unterflur-Motors und zog mit 90 km/h nach Hause.

Dort ging es erst einmal ans Waschen und Begutachten. Die Freude über den schmucken Oldie-Zug trübte sich ein: Fahrgestell und vor allem das Fahrerhaus hatten einen üblen Rostbefall. "Teilweise konnte man schon mit dem Zeigefinger Löcher durch die Blechbeplankung stoßen", berichtet Haubert. Es blieben nur die komplette Demontage als Rettungsaktion und die Suche nach kompetenten Fachbetrieben.

Zweifel schlichen sich ein: "Ich wusste wirklich nicht, ob der Büssing jemals wieder auf die Straße kommt. Er war wohl von 1968 bis 1981 im Einsatz und stand dann bis 2001 auf einem Freigelände." Die Zeit im Freien hatte böse Spuren hinterlassen. Ebenso wie zahlreiche, nicht sehr fachmännische Reparaturversuche. "Unser MAN-Vertreter sah den Büssing schon auf dem Schrott", schmunzelt Haubert heute.

Nach langem Herumsuchen fand er schließlich einen Fachbetrieb in der Nähe von Mayen, der sich eigentlich auf den Aufbau und Umbau von Leichenwagen spezialisiert hat. Zu seinem Glück arbeitete in diesem Betrieb ein Pensionär, der sich mit Karosseriearbeiten seine Rente aufbesserte. "Mit einer Engelsgeduld und viel Herzblut und Zeit hat der das top hinbekommen", schwärmt Haubert. "Er hat fehlende Bleche geformt und angepasst, das war wirklich erstklassiges Handwerk." Eigentlich habe man auf diese Weise das gesamte Fahrerhaus neu aufgebaut.

Für die Sitze ging die Suche bis ins Sauerland zu einem alten Polsterer, der noch original 60er-Jahre Kunstleder auf Lager hatte. Ersatz für die leicht trübe Windschutzscheibe kam aus Tschechien - nach langer Suche durch einen befreundeten Zulieferer für Autoglas. "So eine Restauration geht nur mit Kontakten und guten Leuten", betont Haubert, "der Planen-Frank hier aus Polch zum Beispiel, der ist noch vom alten Schlag, der kennt sich auch noch mit Zollverschlussplanen aus." Mehr als zwei Jahre gingen ins Land, bis es endlich mit der Montage losgehen konnte. Alles sollte wieder original sein: Sitze, Liege, Lampenabdeckungen. "Die Führung für die Anhängerkupplung mussten wir auch ersetzen", erzählt Haubert. "Bis ich da ein Originalteil gefunden hatte ..." Bei einem Teilelieferanten für Nutzfahrzeuge in Koblenz wurde er schließlich fündig. Der legendäre Sechszylinder-Unterflur-Motor schließlich stellte sich als Fels in der Brandung heraus: "Wir haben die Köpfe aufgemacht, da gab es gar nichts zu beanstanden. Also haben wir alles mit neuen Dichtungen wieder zugemacht", freut sich Haubert.

ES BRAUCHTE VIEL ZEIT UND GELD. WAR BEIDES DA, MACHTE MAN WEITER

In Eigenregie gingen er und seine Mitarbeiter den Aufbau des Motorwagens an, denn dessen Ladepritsche war regelrecht durchgefault. Zwischenzeitlich beschlichen Manfreds Frau Doris Zweifel: "Das gibt im Leben nichts mehr." Doch aufgeben kam für den Büssing-Enthusiasten nicht infrage. Das investierte Geld, die Arbeit und die Zeit sollten nicht vergebens gewesen sein. Die kritische Haltung seiner Frau bewahrte ihn jedoch vor unüberlegten Handlungen: "Viele nehmen ja Kredite auf, weil sie schnell weiterkommen wollen. Aber so etwas kam bei uns nicht infrage", war für Haubert klar. Daher reparierten er und seine Leute immer dann, wenn beides da war: Zeit und Geld.

Zehn Jahre dauerte es auf diese Weise, bis der Büssing BS16 wieder fahrbereit und in neuem Glanze auf dem Speditionshof stand. "Gott sei Dank war der Hänger in einem ganz guten Zustand", sagt Haubert. "Neue Plane, neuer Lack und alles war gut. Sogar die Bälge der Luftfederung waren noch dicht."

DAS FAMILIENUNTERNEHMEN WIRD BALD DURCH DIE SÖHNE GEFÜHRT

Letztlich aber, mit viel Feierabendengagement und der Hilfe seiner Mitarbeiter, erstrahlte der BS16 wieder im alten Glanz: Armaturen, Sitzpolsterung, Dichtung für Dichtung, Planen und Lackierung - alles war am Ende originalgetreu. Den Söhnen Markus und Christian war die ganze Büssing-Euphorie ihres Vaters zunächst nicht so ganz geheuer. Schließlich halten sie schon einen MAN F90 für richtig alt. Aber inzwischen sind sie vom BS16 und der Leidenschaft ihres Vaters gleichermaßen beeindruckt. "Das ist schon unvorstellbar für mich, dass diese LKW mehr als 20 Tonnen laden und transportieren konnten", staunt der gelernte Logistiker Markus. "Vor allem sind diese Laster samt Fracht noch die Berge hochgeklettert." Natürlich hat der 25-Jährige den Büssing selbst getestet. Fazit: "Da war LKW-Fahren noch richtig Arbeit." Das sieht auch Vater Manfred so: "Damals hatte man als Fahrer mehr Freiheit, aber das Fahren ist heute im Vergleich zu früher der Himmel auf Erden."

Markus und Christian arbeiten schon längere Zeit in dem Familienbetrieb mit. Zum Jahreswechsel will der Seniorchef den verdienten Ruhestand antreten. Eins ist jedoch klar: Mit der Spedition übernehmen die Söhne nicht nur einen einzigen vorzeigbaren Oldie: Neben dem BS16 wird immer auch ein fahrverrückter Altspediteur namens Manfred Haubert stehen.

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