Festival Interlaken: Feucht-fröhliche Party

Die Veteranen-Parade von Scania begeisterte Jung und Alt
© Foto: Gerlach Fronemann

Das Trucker & Country Festival Interlaken 2016 glänzte durch 1400 polierte Lkw - und leider auch viele Regengüsse. Spaß machte es den Besuchern dennoch. TRUCKER erlebte die drei Festival-Tage mit.


Datum:
08.07.2016
Autor:
Gerlach Fronemann

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Schon auf dem Weg hierher hatten wir vor dem Brünigpass wegen eines Erdrutsches Probleme", berichten Franz Aregger und sein Sohn Ivo. Sie sind am Freitagmittag mit ihren Kurz- und Langholzügen in Interlaken eingetroffen und bauten gleich ihre traditionelle Wagenburg auf. 18 Meter lange Baumstämme liegen quer über den Lastzügen und bilden dank einer Plane Schutz vor Sonne und Regen. Das war an diesem Wochenende nach der Hitze am Freitag und den Gewitterregen in der Nacht und den Tagen darauf auch höchst nötig.

Das 23. Truck-Festival in Interlaken hatte etwas weniger Besucher als bisher. Das galt auch für die Hersteller: Mercedes und Iveco hatten ihre Teilnahme abgesagt, die anderen ihre Auftritte abgespeckt. Vor allem fiel auf, dass kaum ausländische Gäste mit Lkw da waren.

Das tat der Stimmung der Teilnehmer aber keinen Abbruch. In den zu Aufenthaltsräumen ausgebauten Aufbauten und unter Zeltplanen herrschte beste Stimmung. Wie bei den Areggers aus dem Kanton Luzern wurde allerorts feste "grilliert". Auch dieses Jahr sind viele Firmenbelegschaften samt Familien angereist. Sobald das Wetter es erlaubte, wanderten die Festbesucher entlang den über mehrere Kilometer aufgereihten Lastwagen. Großzügige Bewirtung gab es unter anderem bei den Lkw-Importeuren. MAN hatte auch einen TGX 26.550 mit Tieflader und einen MAN Typ 515 der Fünfzigerjahre mitgebracht. Scania reihte zum 125. Jahr des Firmenbestehens eine Parade historischer Hauber und Frontlenker ab Baujahr 1958 auf; alle waren früher einmal in der Schweiz täglich im Einsatz.

EIN BERNA AUS DEN ZWANZIGERN WAR MIT BEIM BETRIEBSAUSFLUG

Die Reinhold Dörfliger AG in Egerkingen, ein großes Unternehmen der Baubranche, hatte Chauffeuren und ihren Familien die Fahrt ins Berner Oberland mit mehreren Lkw ermöglicht.

Darunter ein Kenworth-Hauber mit einem Berna-Lkw der Zwanzigerjahre. Mit viel Freude begrüßte die Crew den TRUCKER und stellte sich gerne für ein "Familienfoto" auf.

Auf dem folgenden Rundgang fanden sich alte Bekannte. Sarah Schmid war mit "ihrem" Scania R500 mit dem revolutionären "Faltauflieger" der Schilliger Holz AG in Küssnacht gekommen. Einige Kollegen mit ihren mit Lang- und Kurzholz beladenen Scania und Volvo ebenfalls. Auch der Erfinder des Faltaufliegers, Walter Schilliger, und Roland Schilliger mit Familie waren vor Ort.

Nicht weit entfernt hatten Unternehmer Urs Bühler und seine Leute elf Prachtexemplare seiner hellgrünen Flotte aufgereiht. Ein Zelt schützte gegen Sonne und Regen, ein Planschbecken war für die Kinder aufgebaut. Das Chauffeursehepaar Karin und Hampi Jakob stand häufig am Grill, zeigte aber ebenso gern seine beiden Supertrucks, Karins Renault T520 mit Siloauflieger und Hampis Scania R500 mit Schüttgutsattel. Urs Bühlers Lkw-Flotte ist bekannt für außen wie innen sehr individuell gestaltete Fahrzeuge. Und der Chef selbst beteiligt sich, soweit er Zeit hat, auch wochenends an der Veredelung der neuen Lkw. Urs und Mariette Bühler waren mit vier ihrer fünf Kinder das ganze Wochenende in Interlaken.

WEITE ANFAHRT NACH INTERLAKEN ÜBER VIER ALPENPÄSSE

Am ganz auf Schweizer Tradition gestalteten Scania-Chalet trafen wir den Belgier Jorg Nelis und seinen Vater Marc aus Oedelem, die gerade eine gefüllte V8-Kühltasche erworben hatten. Sie sind Volvo-Liebhaber und mit ihren nur für Truckfeste genutzten FH12-380 und F12-400 angereist. Marc berichtet: "Mein Vater und drei von vier Brüdern waren beziehungsweise sind Lkw-Fahrer geworden. Mein Sohn und ich machen das als Hobby."

In der Nähe standen einige Kenworth, die ja nach wie vor im Alpenland Faszination ausüben. Aus Issoire bei Clermont-Ferrand hatte sich Gaël Gaillard mit seinem Ken K100 auf den Weg gemacht. Der Autor war schon 1987 bei seinem Vater Michel Gaillard zu Besuch, um über dessen neuen K2000 zu berichten.Vater Michel sowie die Söhne Yvan und Gaël waren als Viehtransporteure mit ihrem Kenworth-Fuhrpark weit über Frankreichs Grenzen hinaus bekannt. Neben Gaëls US-Truck stand der Westschweizer Gaëtan Cassano ebenfalls mit einem Ken K100 6x4. Viele Festbesucher baten die Fahrer, einen Blick in die Kabinen werfen zu dürfen und inspizierten die reich bestückten Armaturenbretter und geräumigen Schlafkabinen.

Dagegen nahm sich der Renault T480 der Firma Crüezer aus Scuol im Unterengadin bescheiden aus. Reto Crüzer und sein Bruder Jon-Andrea kommen seit Jahren zum Festival, bisher mit bis zu vier Lkw. Reto: "Wir haben hier einen Platz sicher, weil wir mit gut 300 Kilometern und vier Alpenpässen unter den Schweizern die weiteste Anfahrt nach Interlaken haben."

Die Tradition des schweizerischen Nutzfahrzeugbaus lebt in vielen Schweizer Unternehmen weiter. Da kommen auch die Liebhaber der Marken Saurer, Berna und FBW nicht zu kurz. Der Saurer-Club hatte einige Fahrzeuge versammelt und auch einen Stellplatz für die einst geschätzten Henschel und Magirus aus dem Nachbarland. Neu in der Szene ist Hans-Andrea Valär. Der Scania-Chauffeur bei der Firma Tschümperlin hat 2015 einen Berna 2VA Jahrgang 1970 erstanden und restauriert. Auf die Ladepritsche baute Hans-Andrea eine solide Wohnstatt, in der er jetzt mit seiner Frau bei Ausflügen nächtigt.

Trotz Regenwetters strömten Interlakens Fahrerszene, Biker und Western-Fans das ganze Wochenende über ins große Westerndorf und zu den verschiedenen Bühnen. Die Schweizer sind zäh!

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