Firmenporträt Wirtgen: Viel Abwechslung

Gewaltige Monter: Straßenfräsen
© Foto: Gerhard Grünig

Die Wirtgen Group ist Weltmarktführer bei Maschinen für den Straßenbau. Das Mutterhaus in Windhagen hat einen eigenen Fuhrpark, die Fahrer arbeiten zudem als Vorführer. Wir haben das Sieben-Mann-Team besucht.


Datum:
18.02.2015
Autor:
Gerhard Gruenig

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Kraftvoll rumort die schwere Caterpillar-Maschine mit ihren vielen hundert PS und ihrem gewaltigen Hubraum im Heck. Klackernd suchen die vier Ketten der Fahrwerke Halt auf der Rampe des Tiefladers. Mit kaum mehr als Zeitlupentempo schiebt sich das Ungetüm Zentimeter für Zentimeter voran.

Bei dem weißen Riesen handelt es sich um eine Straßenfräse, 2,5 Meter Fräsbreite, hoch wie zwei Stockwerke und eine Fräswalze deren hunderte Meißel selbst dickste Straßendecken ruck-zuck abtragen. Manfred Stockhausen weiß das nur zu gut. Wenn er die dicken Dinger nicht transportiert, führt er sie beim Kunden vor. "Diese Doppelfunktion ist's gerade, die unseren Job so interessant macht", erzählt der sympathische Betriebsschlosser. Gelernt hat er bei seinem Arbeitgeber Wirtgen in Windhagen, 1982. 2000 wechselte er in den Fuhrpark.

Auch die Kollegen halten Wirtgen seit langem die Treue: Stefan, gelernter Industriemechaniker, Hans Willi, Landmaschinenschlosser und Jörg, ebenfalls Industriemechaniker. Dass sie fast alle ihre Ausbildung bei Wirtgen gemacht haben, versteht sich fast von selbst.

SEIT 40 JAHREN FAHRER, UND DAS MEISTENS BEI WIRTGEN

Am längsten ist Hans Willi dabei. 1974 startete er bei Wirtgen, suchte dann sein Glück im Speditionseinsatz, um acht Jahre später zurückzukehren. "Das war nix mehr für mich. Druck von der Dispo, kein ordentlicher Verdienst und von der Welt hat man nix gesehen, weil's nur innerdeutsche Verkehre waren." Das hat sich bei Wirtgen schnell geändert. Bis in Moskau war Hans Willi schon. "Da haben wir für eine Messe Maschinen transportiert. War ein nettes Abenteuer. Minus 30 Grad, Tage, an denen wegen schlechter Strecken kaum 350 Kilometer zusammenkamen und Diesel, das wir aus den Tanks unserer Maschinen abgezapft haben, weil's nix mehr gab und wir sonst nicht mehr weitergekommen wären." Abgesehen von den harten Einsatzbedingungen war's wohl trotzdem eine tolle Zeit. Gerne zeigt Hans Willi seine umfangreiche Fotosammlung von diesem und ähnlichen Trips, wo er stolz vor seinem SK 1853 posiert. "Damals die stärkste Maschine, die Mercedes im Programm hatte", lacht er angesichts der nur zehn PS mehr des aktuellen LKW.

"Aber wenn ich ehrlich bin, sind mir Transporte, wie der neulich mit einer 4,5-Tonnen-Walze ins warme Nizza, lieber! Mit so wenig Gewicht fegt mein Volvo über die Bahn. Unten abladen, Maschine vorführen, ein wenig relaxen im warmen Klima an der Côte d'Azur und wieder zurück ..."

Solche "Gauditouren" hat Robert selten. Der gelernte Bäcker gehört mit Hans, einem Einzelhandelskaufmann und Johann, der gelernter Maurer ist, zu dem Teil der Truppe, die von extern zu Wirtgen kamen. Robert fährt einen der Boliden im Wirtgen-eigenen Fuhrpark, einen 700 PS starken, aktuellen Volvo FH16. Brauchen kann er die Leistung, denn er ist oft mit rund 70 Tonnen und Ausnahmegenehmigung Richtung Seehafen unterwegs, um die echten schweren Brocken zu fahren. "Zu meinem täglich Brot gehören bis zu 20-seitige Schwerlastgenehmigungen, in jedem Bundesland andere Bestimmungen und die Abstimmung mit den Dienstleistern, die für uns die BF2- und BF3-Begleitungen fahren", erklärt der ehemalige Getränkefahrer.

Auch wenn der aus sieben Fahrzeugen bestehende Fuhrpark einen Disponenten hat, genießen die Fahrer einerseits viele Freiheiten, kümmern sich aber auch um vieles selbst. "Etwa um die Koordination mit den Begleitfahrzeugen", erklärt Hans. "Ist uns aber auch lieber so, weil da sonst nur viel schief läuft, wenn eine zusätzliche Instanz zwischengeschaltet ist."

"Abgesehen davon, bekommen wir von der Firma alles, was nötig ist", meint Hans. "Ist mal eine der Sicherungsketten ablegereif - ein Anruf und die neue kommt. Zudem brauchen wir nichts an den Fahrzeugen zu machen. Das läuft alles über Wartungsverträge." "Mit Ausnahmen kleinerer Reparaturen unterwegs", wie Hans Willi einwirft, - "aber auch nur, damit's schneller weitergeht", ergänzt Manfred.

Fragt man die Jungs, was ihnen besonders an ihrer Arbeit gefällt, fällt die Antwort bei allen ziemlich gleich aus: "Unser Laden ist gut organisiert und wir können in Ruhe unsere Arbeit machen und die Sozialvorschriften einhalten. Es gibt jede Menge Abwechslung und wir lernen die jeweils neuesten Maschinen bei den Einweisungen und Vorführungen so ziemlich als erste kennen. Nicht zu vergessen, ist die Zusammenarbeit mit unseren Vorgesetzten echt gut!"

FAST JEDER HAT INITIALEN AUF DEM KENNZEICHEN

Als weiteren Vorzug sieht die Truppe, dass jeder seinen eigenen Laster hat. Geht einer in Urlaub, bleibt der Wagen stehen - oder es fährt allenfalls einer aus der Stammmannschaft. Fragt man, was weniger toll ist, fällt die Antwort ebenfalls ziemlich "monoton" aus, führt aber zwangsläufig zu einem leichten Schmunzeln: "Das Arbeiten bei Wind und Wetter auf den Baustellen. Und wenn der Kunde einen Termin macht und Staus und Baustellen den Zeitplan durcheinander bringen." Insofern hat die Truppe dann doch die gleichen Sorgen wie jeder Speditionsfahrer.

Dieses Leben kennen viele auch. Hans hat schon Hubschrauberteile gefahren, Robert war unter anderem als Kipperfahrer im Tiefbau und Johann war in einem Mineralbrunnen im Fuhrpark. Er ist auch der einzige, der ein wenig aus der Art schlägt - zumindest bei Auto und Auftrag. Johann fährt einen Hängerzug und transportiert Bauteile für die Fräsen im Vorlauf sowie Ersatzteile.

Damit ist er auch der einzige mit absolut geregelter Arbeitszeit. "Eigentlich bin ich jeden Tag gegen 16 Uhr wieder am Platz, während die Kollegen normal nur am Mittwoch zuhause sind. Aber selbst das ist ja noch human gegen die Umstände, die uns Fahrer im Speditionseinsatz oft erzählen - fahren rund um die Uhr, Minimallohn, der Chef lässt dich im Stich wenn's um Ladungssicherung geht, und um die Spesen musst du jedes Mal kämpfen!"

Um solche Dinge muss sich die siebenköpfige Truppe keine Sorgen machen. "Und wir wissen das auch zu schätzen", wie Manfred anmerkt. "Wir bekommen unsere Weiterbildungen bezahlt, zusätzliche Tankgutscheine wenn wir ordentlich arbeiten und nicht fehlen, und nicht zu vergessen, würden sich wohl viele Fahrer die Finger lecken, wenn sie so starke und gut ausgestattet Lkw hätten wie wir."

Angesichts dieser Vorteile sind dann auch Wind und Wetter schnell vergessen, die schweren Sicherungsketten und die oft harte körperliche Arbeit. Maschinist und Fahrer - das scheint wirklich eine Traumkombination zu sein.

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