Holz-Spezialauflieger: Die Runge lässt grüßen

Rundholz fürs Sägewerk, Schnittholz fürs Palettenwerk
© Foto: Hans Kitzberger

Die Waldbauernvereinigung Waldmünchen setzt einen Auflieger ein, der dank flexibler Rungen Rundholz und Schnittholz transportieren kann.


Datum:
07.09.2015
Autor:
Johann Kitzberger

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Fahrer Willi Novak winkt lässig zurück, als ihn auf der Bundesstraße 20 ein entgegenkommender Lkw-Fahrer grüßt. Novak und der Fahrer im Gegenverkehr sind Holzfahrer - und die sind eine eingeschworene Gemeinschaft. Man erkennt sich an der Fuhre Holz oder bei der Leerfahrt an den für den Holztransport typischen Rungen.

In letzter Zeit wird Willi nicht mehr ganz so oft gegrüßt. Das liegt daran, dass sein Chef im vergangenen Jahr einen Spezialauflieger gekauft hat. Dessen Rungen lassen sich spielend einfach umlegen. So fehlt Willis Kollegen das Erkennungsmerkmal für den Gruß, aber dafür fährt er seltener leer. So oft es geht, plant Stefan Leopold, Geschäftsführer der WBV Holzlogistik in Ast bei Waldmünchen, Schnittholz als Rückfracht ein.

"Holzfahrer 'griessen' sich, aber nicht, wenn sie Schnittholz fahren", erzählt Fahrer Willi Novak mit unverkennbar tschechischem Akzent. Mit dem Gruß zollen sich die Fahrer gegenseitig Respekt für die oft schwierigen Verhältnisse, wenn sie Holz tief im Wald abholen. Willi kann damit leben, dass er vorübergehend von seinem Kollegen nicht erkannt wird. Er weiß, dass die Schnittholzfahrten gut für das Geschäft sind - und er weiß, dass er die Rungen seines Aufliegers bald wieder aufstellen kann. Seinem Chef war bei den Fahrten zu den Großsägewerken in Hengersberg und Vilshofen aufgefallen, dass er, wie viele andere Kollegen, Rundholz und Langholz hinbringt und andere Lkw das Schnittholz wieder abfahren.

EIN SCHNITTHOLZ-KUNDE LIEFERTE DIE IDEE

Einige davon beliefern das Palettenwerk Bössl in Trosendorf. Dieser Ort wiederum liegt nur einen Katzensprung von der WBV Holzlogistik entfernt. Mit dem Spezialauflieger, den Stefan Leopold per Zufall beim österreichischen Hersteller Ressenig entdeckt hatte, beliefert er nun regelmäßig das Palettenwerk mit Schnittholz. Die Leerfahrt vom Palettenhersteller zum nächsten Holzlager ist meistens kurz. Die Waldbauernvereinigung - kurz WBV - hat ihren Firmensitz in Ast bei Waldmünchen. Wie der Name vermuten lässt, liegt das Unternehmen in einer waldreichen Gegend. Oberpfälzer und Bayerischer Wald und jenseits der Grenze der Böhmerwald liefern den Rohstoff Holz in rauen Mengen.

Die Recherchefahrt mit Willi war ein typisches Beispiel. Die Fahrt begann um sechs Uhr früh in Ast und führte nach Tschechien. Die malerische Strecke schlängelt sich an den Ausläufern des Cerkov - des höchsten Bergs in der Umgebung - vorbei. Willi steuerte seinen Mercedes 1848 ohne Navi zum Lagerplatz bei Ceska Kubice. Der liegt verkehrsgünstig an der Hauptstraße von Pilsen nach Furth im Wald. Der Weg zum Holzlager führt nur ein kurzes Stück durch den Wald, der Waldweg ist gut erschlossen. Auf dem Lagerplatz schneiden Holzarbeiter die Stämme auf vier Meter Länge, aber am Montag um kurz nach 6 Uhr ist Willi noch allein auf der Waldlichtung. Er öffnet die Schranke, fährt auf den Lagerplatz und bringt den Auflieger neben einem riesigen Stapel Rundholz in Position.

DER NÄCHSTE AUFLIEGER IST SCHON BESTELLT

Den ersten Ressenig-Auflieger hat die WBV noch ohne Kran gekauft. Deswegen steigt Willi Novak in einen Sennebogen-Bagger um, fährt dessen Kabine hoch und beginnt mit dem Beladen. Willi, der seit vielen Jahren Holz fährt, erledigt die Aufgabe mit viel Routine. Die erste Sektion wird formschlüssig mit der Stirnwand verladen. Immer wieder bringt er einen einzelnen Stamm so in Position, dass nichts wackelt und die Ladung fest sitzt. Als die Fuhre voll ist, kommen Leopold und die ersten Arbeiter und machen sich beim Spannen der Sicherungsgurte nützlich. Die Aufnahmepunkte für die Spanngurte liegen gut geschützt an der Unterseite der Rungeneinheiten. Jede Sektion wird mit zwei Gurten niedergezurrt.

Danach geht es unverzüglich los. Nach wenigen Kilometern ist die Grenze erreicht, die man ohne Kontrolle überqueren kann. Von der Grenzstadt Furth im Wald sehen wir nur die neue Umgehungsstraße. Bei geringem Verkehr lenkt Willi seine 40-Tonnen-Fuhre auf der Bundesstraße 20 in Richtung Straubing. Kurz vor Straubing biegt er auf die Autobahn A3 ab und nimmt Kurs auf Hengersberg - das liegt kurz vor Deggendorf.

Willis Zielpunkt liegt nahe der Autobahn - das Sägewerk Schwaiger mit seinen gewaltigen Ausmaßen. Die Waldbauernvereinigung beliefert vor allem Großsägewerke wie Schwaiger in Hengersberg, das Holzwerk Weinzierl in Vilshofen oder den internationalen Holzkonzern Stora Enso im tschechischen Plana. Kleine Sägewerke werden eher mal am Wochenende angefahren.

Bei Schwaiger hat Willi Glück. Nur zwei Lkw sind vor uns und die Spezialbagger von Schwaiger laden in Minutenschnelle ab. Mit einem Griff fasst der Greifer über zwanzig Stämme und lässt sie auf eine Förderanlage fallen.

DAS RUNGENUMLEGEN GEHT SCHNELLER ALS DAS FEGEN

Im Nu ist das Abladen erledigt, Willi macht die Anlieferzone frei, kehrt mit einem Besen Rindenreste vom Auflieger und klappt die Rungen um, wobei das Reinemachen länger dauert als das Umlegen der Rungen. Ein Fußtritt und die Rungen fallen um. Die Rungenpaare sind jeweils leicht versetzt positioniert und bilden im abgeklappten Zustand eine durchgehende Unterlage über die gesamte Fahrzeugbreite. Die obenliegenden Flächen sind mit Antirutschmaterial versehen.

Anschließend folgt ein kurzer Zwischenstopp in der Verwaltung, wo der Fahrer die Papiere für das Schnittholz holt. Am Lagerplatz warten meterhohe Stapel Schnittholz. Ein Staplerfahrer entnimmt den Ladepapieren, dass er Schnittholz für das Palettenwerk Bössl verladen soll und holt die entsprechend etikettierte Ware.

Grußlos, weil nun mit Schnittholz beladen, geht es nun fast dieselbe Strecke wieder zurück. In Trosendorf erwartet den Holz-Lkw der erste längere Zwangsstopp des Tages. Im Palettenwerk ist Mittagspause und es vergeht eine gute halbe Stunde, bevor ein Staplerfahrer zum Abladen erscheint. Für Willi heißt es nun, die Rungen wieder aufzustellen, denn im wenige Kilometer entfernten Firmensitz der Waldbauern-Holzlogistik wartet ein Lkw mit Rundholz, das auf den Auflieger von Willi umgeladen werden soll. Warum der Kollege das Rundholz nicht selber zum Sägewerk bringt? Weil die Rückfracht Schnittholz ist - die Runge lässt schon wieder grüßen.

AUFLIEGER FÜR SPEZIELLEN BEDARF

Start mit unbegründeter Auslastungsangst

Als die WBV Holzlogistik im März 2013 an den Start ging, war die Waldbauernvereinigung unsicher, ob zwei Lkw entsprechend ausgelastet werden können. Die Unsicherheit erwies sich allerdings bald als unbegründet, die WBV hat ihren Fuhrpark in der Zwischenzeit auf vier Lkw ausgebaut. Das fünfte Fahrzeug ist bereits in Planung.

Nach den guten Erfahrungen mit dem Spezialaufbau der österreichischen Firma Ressenig wird es wieder ein Spezialauflieger mit Klapprungen und Liftachsen, die sich auch unter Last anheben lassen. Mit den demnächst fünf Fahrzeugen bedient die WBV ein großes Einzugsgebiet, das die Bereiche der WBV Waldmünchen, Neunburg vorm Wald/Oberviechtach und Cham-Roding einschließt. Rundholz, Brennholz, Spreißel und Schnittholz fährt die WBV selbst, Langholz übergibt die WBV an Subunternehmer. Stefan Leopold, der nicht nur als Geschäftsführer fungiert, sondern gerne auch als Fahrer unterwegs ist, hat lobende Worte für den Ressenig-Auflieger, den er mehr oder weniger per Zufall entdeckt hat. Wer wie Leopold einen Schnittholzkunden quasi vor der Haustür hat, für den macht ein schnell umrüstbarer Auflieger auf jeden Fall Sinn.

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