Jobreport Schneider Transporte: Ein Fall für zwei

Toni Kramer und Tim Schäfer sind ein einmaliges Team
© Foto: Reiner Rosenfeld

Toni Kramer und Tim Schäfer sind ein einmaliges Team: Die beiden Fahrer leiten eigenverantwortlich eine Niederlassung ihres Arbeitgebers.


Datum:
25.09.2017
Autor:
Reiner Rosenfeld

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Der Elektro-Terberg ist ein echtes Schmuckstück. Zumindest, wenn der kantige silberfarbige Truck mit seinen Alufelgen vor einen Edelstahl-Tankauflieger der Firma Schneider Liquid Foods Transports gespannt wird. Dann erinnert die Kombi irgendwie an den berühmten Colani-Truck.

"Ein Hingucker ist der Terberg auf jeden Fall", wissen Toni Kramer und Tim Schäfer zu berichten. Denn die ziehen mit dem Elektro-Lkw Tankauflieger vom Außenposten ihres Arbeitgebers Schneider zu einem großen Stockacher Fruchtsafthersteller. "Weil die anderen Verkehrsteilnehmer so einen Lkw selten zu Gesicht bekommen, lassen sie uns dann auch gerne an Kreuzungen oder im Kreisverkehr den Vorrang", erklären Tim und Toni, wobei den beiden erfahrenen Chauffeuren der damit verbundene Zeitgewinn wichtiger ist als die öffentliche Aufmerksamkeit. Schließlich haben die beiden einen ganz besonderen und für Fahrer ungewöhnlichen Job zu erledigen:

BIS ZU 20 TANKAUFLIEGER TÄGLICH ZU VERSORGEN

Sie steuern den Schneider-Außenposten in Hardt eigenverantwortlich und ganz alleine. Will heißen: Sie teilen Tanktrailer für die Be- und Entladung ein, ziehen sie zum Kunden, überprüfen den technischen Zustand der Anhänger, stellen sicher, dass die Ausrüstung komplett und funktionstüchtig ist, reparieren defekte Lichter und Luftschläuche an Fahrzeugen und halten das Anwesen mit Kehrbesen und Wischmopp sauber. "Und das Beste daran", mein Toni Kramer mit einem Augenzwinkern, "... der nächste Vorgesetzte sitzt einhundert Kilometer entfernt im Firmensitz Waltershofen nahe Wangen im Allgäu!"

Bis zu zwanzig Tankauflieger, die ihre Fahrerkollegen auf dem Hof tauschen, betreuen die beiden Spezialisten täglich. "Das kann sich zu einer echten Herausforderung entwickeln", meint Toni, der in Hardt üblicherweise die Reihenfolge festlegt, in der die Tanktrailer entladen, gereinigt und wieder mit Fruchtsäften beladen werden. Keine einfache Aufgabe, denn beim Transport flüssiger Lebensmittel haben Kunden spezielle Ansprüche an Ladeprozesse und damit an die Ausstattung der Fahrzeuge. Und die ist beim Schneider-Fuhrpark mit seinen fünfzig Tankaufliegern mit oder ohne Pumpe, unterschiedlichen Pumpen und zwei, drei oder vier Kammern nahezu unerschöpflich.

Doch weil Toni jahrelang Erfahrungen als Fahrer bei Schneider sammeln konnte, hat er das Geschäft perfekt im Griff. So kennt der 41-Jährige die unterschiedlichen Auflieger, die Endkunden und ihre Besonderheiten und weiß gleichzeitig, wie Schneider-Disponenten Be- und Entladungen kombinieren. Für seine Vor-Ort-Disposition in Stockach ist das unerlässlich.

DIE AUFGABENTEILUNG ERGÄNZT SICH PERFEKT

Gleichzeitig erfüllt Toni damit eine wichtige Verbindungsfunktion zwischen dem Kunden und der Schneider-Dispo. Die muss letztendlich kaum mehr tun, als ihn über bestehende Ladeaufträge auf dem Laufenden zu halten. Und falls nötig, holt er sich via PC Informationen aus dem Schneider-Disposystem. Den Rest erledigt er im direkten Kontakt mit Mitarbeitern des Verladers. Die schätzen die Zusammenarbeit mit Toni inzwischen so sehr, dass sie ihn sogar zur Weihnachtsfeier einladen.

Zum Aufgabenbereich von Tim gehören eher technische Arbeiten wie das Checken und Ergänzen der Ausrüstung und kleinere Reparaturen an den Trailern. Dafür hat er als gelernter Zweiradmechaniker und ausgebildeter Berufskraftfahrer einfach das geeignetere Händchen. Bei fünfzig Trailern, die von achtunddreißig Schneider-Fahrern durch Europa gezogen werden und regelmäßig den Hof in Hardt ansteuern, ist auch das eine nicht zu unterschätzende Aufgabe. Dass die beiden Yard-Manager, wie das Berufsbild von Toni und Tim bei Schneider genannt wird, dabei ohne strikte Aufgabenteilung Hand in Hand arbeiten, ist für sie selbstverständlich. Das gilt besonders für die arbeitsintensiven Morgenstunden von sechs bis zehn Uhr. Da kann es sein, dass Toni bis zu vier Tankauflieger gleichzeitig beim Kunden managen muss.

ARBEITSORT: FLACHBAU MIT KÜCHE UND VERANDA

Dort stellt er die Auflieger in die Tankreinigung, Entladung oder Befüllung und bereitet sie für die Beoder Entladung vor. Parallel besorgt oder übergibt er Ladepapiere und besorgt sich Reinigungszertifikate. "Körperlich anstrengend ist das nicht", meint Toni, wenn er von solchen Einsätzen berichtet. "Schließlich musst du als Tankfahrer nicht schwer heben. Dafür musst du aber hoch konzentriert arbeiten. Im Lebensmittelgeschäft darfst du dir keinen Fehler erlauben." Währenddessen macht Tim Hofdienst in Hardt. Oder er schafft Trailer mit dem Ersatzfahrzeug, einer ehemaligen Zugmaschine aus dem Fernverkehr, zu Toni, wenn der sie beim Kunden benötigt.

Kehrt dann Ruhe ein, werden die Auflieger wieder ausschließlich ökologisch korrekt mit dem Terberg-Elektrotruck gezogen. "Diese Fahrten empfinde ich dann als echtes Geschenk!", strahlt Toni, der besonders die lange Gerade durchs Industriegebiet mag. "Sobald der Luftkompressor des Bremssystems abschaltet, ist kaum mehr als ein leises Surren zu hören", berichtet er. "Dann kommt mir das vor, als ob ich fliegen würde!"

Dank der guten Arbeit von Toni und Tim hat sich der Betriebshof in Hardt im Laufe des letzten Jahres zu einer wichtigen Anlaufstation für Schneiderfahrer entwickelt, statt nur Abstellplatz für Trailer zu sein. Dazu trägt allerdings auch bei, dass sich Inhaber Horst Schneider beim Aufbau der Niederlassung nicht hat lumpen lassen. Wo vor Kurzem noch ein Container samt Dixi-Klo stand, steht heute ein kleiner, aber feiner Flachbau. Darin ein einladendes, allerdings noch etwas provisorisches Büro für Kramer und Schäfer, eine große Küche, die auch Fahrer nutzen dürfen, sowie großzügige Duschen und Toiletten. Das Beste aber ist die überdachte Veranda. Die bietet Fahrern die Möglichkeit, bei Regen und Sonnenschein zusammenzusitzen.

Und doch herrscht aktuell traurige Stimmung im Paradies. Denn Tim wird Schneider-LF demnächst verlassen. Der 32-Jährige will sich ganz auf seine Ausbildung zum Industriemeister mit Fachrichtung Logistik konzentrieren. Für Toni ist das ein herber Schlag, zerbricht für ihn doch ein perfektes Team. Was bleibt, ist die Hoffnung, dass er sich mit dem Neuen, der irgendwann kommen wird, genauso gut ergänzt wie bisher mit Tim. Reiner Rosenfeld

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