Jobreport Stückgutfahrer: Nicht von Pappe

Senioren und Junior beim Glückentransport für die Hundshübler Kirche
© Foto: Gregor Soller

Eckhard Tröger fährt im Erzgebirge in erster Linie für eine Kartonagenfabrik - fungiert aber nebenbei auch als Berater für deren Kunden und Touren.


Datum:
26.10.2015
Autor:
Gregor Soller

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Eckhard Trögers Job ist "nicht von Pappe", auch wenn er fast nichts anderes fährt. Die Spedition Tröger, die er mit seinem Bruder Chistian betreibt, gehört zu den alteingesessenen Fuhrbetrieben, die nach dem dritten Reich und der DDR auch die Wirtschaftskrise 2009 überstanden. Und das in einer strukturschwachen Region wie dem Erzgebirge, wo von den einst zahlreichen Industriebetrieben nur wenige übrig blieben.

Die haben ihre Nischen gefunden: Das gilt auch für das Kartonagenwerk Bretschneider in Wolfsgrün, das trotz der erheblichen Konzentration im Papp- und Papiergewerbe immer noch von Familienhand geführt wird - wenngleich die britische DS-Smith-Packaging mittlerweile 51 Prozent der Anteile hält.

Aktuell platzt die altehrwürdige Fabrik aus allen Nähten. Der Erfolg basiert auf viel Erfahrung und der Möglichkeit, schnell und auf Zuruf reagieren zu können. Und dabei hilft Eckhard Tröger dem Produktions- und Versandleiter Ruben Schöneck. Denn er fährt mit seinem MAN TGM15.280 nicht nur Pappe, sondern berät seine Kunden bei Bedarf auch über die Fracht.

RANGIEREN IST ZU VERMEIDEN

Seine Ziele liegen dabei meist im Umkreis von 200 Kilometern und viele Kunden kennt Tröger persönlich. Zum Beispiel Busch in Schönheide, wo in einer ehemaligen Bürstenfabrik Modellbahnzubehör gefertigt wird.

In dem denkmalgeschützten Gebäude schränken Laderampe und Lift die Anlieferungsformate ein: Eckhards Solo-15-Tonner beansprucht die komplette Anlieferungsfläche und die Kartonagestapel dürfen nicht höher als 1,7 Meter gepackt sein. Informationen dieser Art sind wichtig für die Kartonagefabrik, die aus Tafelware maßgeschneiderte Verpackungslösungen zaubert. Darunter auch Kartons mit fünf mal drei Meter Grundmaß, die dann wieder gefaltet werden müssen, um überhaupt transportiert werden zu können. Busch erhält diesmal sechs Paletten, die per Lift schnell ins Lager verfahren werden müssen, da die Rampe maximal Platz für drei Packeinheiten hat. Einige Pakete messen etwas mehr als die geforderten 1,7 Meter Höhe, passen aber trotzdem noch in den Aufzug. Eckhard weiß das: "Besser, als wenn wir den Rest auf einzelne Paletten verteilt hätten, die keinen halben Meter hoch bepackt sind, oder?"

Anschließend geht es zu einer der verbliebenen Bürstenfabriken in Rothenkirchen, die fünf Paletten erhält. Auf der Fahrt dorthin spürt man Eckhards Ortskenntnis: Wie in einem Fuchsbau schlängeln sich die Straßen durch die Täler und Einschnitte des Erzgebirges und der Ortsfremde wundert sich über die verschlungenen Pfade, die seit der Wende zwar ausgebaut wurden, aber immer noch der kurvenreichen erzgebirgischen Topografie folgen müssen.

AUF DEN ENGEN ERZGEBIRGSSTRASSEN IST ORTSKENNTNIS EINFACH ALLES

Entsprechend weiß Eckhard auch, wo er laufen lassen kann und vorsichtig sein muss: Mal kann man seinem TGM kaum noch folgen, kurz darauf kommt der MAN fast zum Stehen, weil sich die Straße auf eineinhalb Spuren verengt und man keine Chance hat, die scharfe Kurve dahinter einzusehen. Kommen erfahrene Kollegen entgegen, genügen denen und Eckhard gut fünf Meter Straßenbreite, dass man ohne zu bremsen aneinander "vorbeifliegen" kann.

Das belegen zahlreiche ausgefahrene Spuren zwischen den alten Alleebäumen. "Erfahrung ist hier alles", erklärt Eckhards Bruder Christian Tröger die Fahrweise seiner Kollegen. Er sitzt wie sein Bruder leidenschaftlich gern auf dem Bock, räumt aber ein, dass man dafür heutzutage wirklich "Diesel im Blut" braucht. Denn mit Gehältern und Arbeitszeiten könnte man die Leute aktuell nicht locken. In der Bürstenfabrik hilft Eckhard schnell beim Ausladen und Verstauen der Ware, bevor es zur letzten Entladestation zurückgeht nach Schönheide.

Warum das? "Die liegt auf dem Weg zur Kartonagefabrik, wo ich nochmals laden werde", erklärt Eckhard seinen ausgeklügelten Tourenplan Wolfsgrün-Schönheide-Rothenkirchen-Schönheide-Wolfsgrün. "Hätte ich Schönheide in einem abgefahren, hätte ich dort umständlich wenden müssen." So genügt ein einfaches Zurücksetzen an einer Gummiwarenfabrik, wo er per Stapler entladen wird.

Zurück in der Kartonagefabrik bespricht er mit Ruben Schöneck die zweite Runde des Tages. Eckhard kalkuliert die Tour schnell im Kopf durch, weist Ruben auf einige Besonderheiten bei einer Abladestelle hin und nimmt außerdem noch eine Kartonageprobe für einen dritten Kunden mit.

Die Woche darauf wird Eckhard dann zur Abwechslung mal wieder auf große Fernfahrt gehen: Trier heißt das Ziel und auch dorthin wird er wieder Kartonageproben mitnehmen und Ruben Schöneck als beratender "Außenhandelsvertreter" unterstützen. GS

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