Junge Fahrer: Ken Frisse

Stolzer Spross: Ken Frisse stammt aus einer Fahrerdynasie
© Foto: Gregor Soller

Der 18-jährige Ken Frisse ist Profi - und darf deshalb hektoliterweise Bier mit in ein Fußballstadion nehmen.


Datum:
12.11.2012
Autor:
Gregor Soller

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Pünktlich zu Beginn der Bundesliga wird auch Ken Frisse wieder in die AWD-Arena in Hannover einlaufen. Und wie die Spieler wird er einen speziellen Zugang wählen. Allerdings spielt Ken nicht auf dem Rasen, sondern im Gastronomiebereich auf - indem er die nötige "Flüssignahrung" liefert, und das gleich hektoliterweise: Ken macht eine Ausbildung zum Berufskraftfahrer beim Transportunternehmen CCT.

Dass der 18-jährige Delmenhorster LKW steuern will, kommt nicht von ungefähr - vielmehr scheint ihm dieser Berufswunsch in die Wiege gelegt worden zu sein, oder besser gesagt, er hat ihn buchstäblich schon mit der Muttermilch aufgesogen. Denn Kens Mutter fährt bei CCT Container. Da wundert es dann nicht, dass auch sein Vater und seine Onkel LKW-Chauffeure sind. Allein sein 19-jähriger Bruder schien etwas aus der Art geschlagen zu sein. Er hat Konstruktionsmechaniker gelernt - möchte aber jetzt ebenfalls zum LKW-Fahrer umsatteln.

ZWEI DRITTEL DER AZUBIS WERFEN VORZEITIG HIN

Von den 21 Azubis, die die Ausbildung mit Ken begonnen haben, sind mit ihm noch sieben Kollegen an Bord geblieben. Als Gründe, warum seine Ex-Mitschüler das Handtuch geworfen haben, betet Ken die branchenbekannten und immer gleichen Probleme herunter: "Einige mussten fahren bis zum Umfallen, anderen war die Bezahlung zu wenig, und manche hatten Stress in ihrer Firma."

Bei CCT kann er sich nicht beklagen. Entlohnung und Fahrzeiten stimmen, und der Betrieb gehört zu den wenigen, die überhaupt ausbilden. Dass Ken zu CCT will, stand für ihn schon früh fest. Er begann als Aushilfe und nachdem ein Kollege und seine Mutter auch gute Worte für ihn einlegten, hat es dann geklappt.

Seine Herkunft aus einer "Kraftfahrerdynastie" verraten Kens Aussagen zu kleinen Details, die auch aus dem Mund eines alten Hasen kommen könnten: "Der Schmitz-Kühler da ist erst ein Jahr alt, und schon zieht die Aspöck-Leuchte wieder Wasser. Die Standarddichtungen taugen nicht viel. Also werden wir diese demnächst durch eine hochwertigere Ersatzdichtung tauschen, und dann bleibt es da trocken."

Ken bekommt auch den Luftdruck auf einem nach innen zeigenden Ventil geprüft, obwohl das Luftmessgerät einen zu dicken Anschluss hat, der sich eigentlich nur für nach außen zeigende Ventile eignet. Dazu biegt er den Schlauch einmal komplett um und führt ihn samt Füllanschluss durchs Loch in der Felge. Von dort innen kommend setzt er ihn dann an. "Klar wäre ein Doppelanschluss besser, aber man muss sich halt zu helfen wissen", kennt er den Alltag.

Da er als Springer alle LKW-Marken fahren kann, die im CCT-Fuhrpark laufen, hat er hier eine Rangfolge. "Scania ist mir natürlich am liebsten", erklärt er, DAF und Daimler wären aber auch in Ordnung. Bei den Niederländern wundert er sich vor allem über den erheblich niedrigeren Verbrauch des Vorführ-ATe: "Der ist tatsächlich sparsamer. Da konnte ich gegenüber dem Standard-XF bis zu fünf Liter auf 100 Kilometern rausholen - dass es so viel sein würde, hätte ich nicht gedacht."

LETZTE FAHRT MIT DEM ALTEN STUFENSATTEL

Mit dem metallicblauen DAF hat er gerade einen Kühlsattel umgestellt, danach ein leeres Containerchassis geholt und daneben geparkt. Jetzt bereitet er einen York-Stufensattel für den Getränketransport ins Stadion nach Hannover vor, den er natürlich auch in- und auswendig kennt: "Der ist 18 Jahre alt und wird bald seine Abschiedsfahrt machen. Sein Nachfolger ist schon bestellt, das wird dann ein Schmitz Speed Curtain", freut sich Ken über das Nachfolgemodell. Bis auf die zahlreichen Rostpustel sei der alte York grundsolide. "Die Lackierung ist zwar schlecht, aber der Hartholzboden ist nach all den Jahren immer noch tiptop. Und am Fahrwerk hatten wir bis auf einen Luftbalg auch noch nie Probleme - zumindest nicht in der Zeit, seit ich hier bin." Der Auflieger, der einst für Motorradtransporte gekauft wurde, hatte genau wie die Bundesliga "Sommerpause" und muss jetzt wieder ran. Mit ihm bringt CCT Getränke zum Beispiel von Becks in die Fußballstadien.

Zu Beginn der neuen Saison muss Ken den altgedienten "Stahlklotz" wieder aus der Sommerpause ziehen, heißt im Klartext: Luftdruck checken, bei Problemen Reifendienst kommen lassen, Anschlüsse prüfen und kontrollieren, ob Schiebeplane und Dach funktionieren. Außerdem muss er den Mitnahmestapler anhängen, den dafür nötigen Staplerschein hat er natürlich auch. "Die Brauereien mögen es nicht, wenn man selbst lädt. Da werde ich geladen und muss die Fracht anschließend nur sichern. Im Stadion muss ich dann aber selbst ran", erklärt er stolz und freut sich schon auf den nächsten Tag: "Bei Becks zur Hälfte vorladen, bei Gilde in Hannover voll machen und dann rüber damit ins Stadion!"

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