Kruse Logistik: Azubis hinterm Steuer

BKF-Azubi Daniel Nißler hat seinen Traumjob gefunden
© Foto: Julia Thomsen

Kruse Logistik setzt nicht nur auf ein breites Kundenspektrum, um die Zukunft der Firma zu sichern. Mit einem Azubi-Truck will man Nachwuchs für den Fahrer-Job begeistern.


Datum:
22.01.2017
Autor:
Julia Thomsen

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Steuer dein Leben. Berufskraftfahrer werden" steht groß auf der Wechselbrücke, die auf dem Hof der Firma Kruse Logistik in Walsrode steht - direkt neben dem passend lackierten Actros mit der Aufschrift "Azubi-Truck". Die Idee, einen eigenen Lkw für Auszubildende bereitzustellen, ist aus einer Initiative zum Personalrecruiting entstanden.

"Mit dem Azubi-Truck wollen wir den Beruf des Berufskraftfahrers bekannter machen", erklärt Frank Bauer, als Fuhrparkleiter bei Kruse zuständig für Personalbelange. Nur wenige Jugendliche interessieren sich heute für den Job als Lkw-Fahrer. "Mit einer einfachen Anzeige bekommt man kaum noch Bewerber", sagt Bauer. Deswegen fährt er mit den eigenen Auszubildenden und dem Azubi-Truck auf Ausbildungsmessen. "Der sorgt da ganz schön für Furore", erzählt er lachend. Und der Plan geht auf. "Wir haben schon fünf Bewerbungen für Herbst 2017."

Mit auf der Messe für den Beruf geworben hat auch Daniel Nißler. Der 26-Jährige ist im dritten Ausbildungsjahr zum Berufskraftfahrer, steht kurz vor seiner Abschlussprüfung - und der Übernahme.

VERLÄSSLICHKEIT UND PLANUNGSSICHERHEIT

Regelmäßig fährt Daniel mit dem Azubi-Truck seine Touren in der Ersatzteillogistik für einen großen Autohersteller. "Ich hätte nie gedacht, dass ich mal einen Lkw fahren könnte. Das war eine Dimension, in der nicht denken konnte", erzählt er. Eigentlich wollte er Nutzfahrzeugmechatroniker werden. "Fahren ist viel besser", schwärmt er und ergänzt schmunzelnd: "Ein Traumjob: Man sitzt vor dem Bett, schaut aus dem Fenster (lacht!), kann seine Touren eigenständig planen und weiß immer, was einen erwartet." Probleme gebe es kaum.

Das liege nicht zuletzt an seinem Teamleiter, Timo Müller. Seit zweieinhalb Jahren sorgt er dafür, dass sein Team rund läuft und seine Azubis alles lernen, was nötig ist. Der gebürtige Hamburger ist insgesamt schon fünf Jahre für Kruse tätig. Nach einer kurzen Pause, "um mal etwas anderes zu machen", zog es den 37-Jährigen zurück nach Walsrode. "Hier wusste ich genau, worauf ich mich einlasse und dass ich mich darauf verlassen kann", sagt er. Die Nachttouren im Ersatzteilverkehr lassen sich optimal mit seiner Familie verbinden. "So bin ich da, um meine Kinder aufwachsen zusehen. Fernverkehr ist nichts für mich."

Das sieht Thomas Pichlow anders. Er fährt erst seit fünf Monaten bei Kruse im Fernverkehr, noch in der Probezeit. "Die Übernahme ist überhaupt keine Frage", sagt Frank Bauer. "So zuverlässige Fahrer wie Thomas brauchen wir." Schon nach kurzer Zeit ist der Umgang zwischen Fahrer und Fuhrparkleiter locker, fast freundschaftlich. "Ich duze meine Fahrer und sie mich", das ist Bauer wichtig.

SPEDITION UND FAHRER ARBEITEN HAND IN HAND

Bei Kruse scheint man verstanden zu haben, worauf es ankommt. "Ich habe meinen Führerschein beim Bund gemacht", erzählt Bauer, der selber 20 Jahre Lkw gefahren ist. Seit es immer weniger Quereinsteiger gibt, müsse man gute Fahrer halten, ihnen etwas bieten. Deswegen haben sie innerhalb des Unternehmens viele Möglichkeiten, sich weiterzuentwickeln und den Job ihren persönlichen Veränderungen anzupassen, erklärt Geschäftsführer Jens Kruse: "Junge Fahrer wollen oft die Welt sehen und fahren Fernverkehr. Mit der Familiengründung kommen andere Prioritäten. Wir versuchen das alles zu ermöglichen."

Um die Zukunft der Firma und seiner Mitabeiter zu sichern, setzt Jens Kruse ganz bewusst auf ein breites Kundenspektrum. Von Milchpulver für Kaffeekapseln über Frischkäsekartons und gekühlte Lebensmittel bis hin zu dringend benötigten Kfz-Ersatzteilen - Kruse transportiert beinahe alles. "Wir möchten als Mittelständler Veränderungen am Markt mitmachen können - ohne uns existenziell zu gefährden." Als er das Unternehmen 1991 übernommen hat, habe die Firma 60 Prozent des Umsatzes mit einem Kunden gemacht. Die Strategie heute: "Mit keinem Kunden mehr als 15, maximal 20 Prozent zu verdienen."

Lars-Henning Schmidt beliefert für Kruse deutschlandweit Filialen einer Sonderpostenkette. Der 37-Jährige fährt lieber die Tagestouren. Bei Kruse finde jeder Fahrer seinen Platz, sagt er. Das bestätigt auch BKF-Azubi Denis Ockershausen. Der 31-Jährige ist alleinerziehender Vater. "Das funktioniert hier super", sagt er. Fernverkehr fahre er nur, wenn seine Kinder versorgt sind. Nach der Übernahme möchte er noch geregeltere Arbeitszeiten bekommen. Darüber habe er schon mit dem Chef gesprochen. "Mit Herrn Kruse lässt sich reden."

DIE AUSBILDUNG FÜHRT DURCH ALLE ABTEILUNGEN

Auch wenn es täglich auf der Straße nicht immer so glatt läuft, wie er es sich wünschen würde, die Ausbildung bei Kruse bereut Denis keinen Tag. "Wir Kruse-Azubis sind echte Multitasker", sagt er. Nicht nur, dass man hier auf viele verschiedene Fahrzeugeinheiten gesetzt werde, "wir werden in jede Abteilung gesteckt, packen überall mal mit an - von unserer Werkstatt bis ins Lager. Dass wir mehr können als fahren, schätzen auch die Kunden."

Denis und Daniel können sich keinen anderen Beruf mehr vorstellen. "Unsere Azubis streiten sich fast darum, wer seine Touren auf dem Azubi-Actros fahren kann - stolz wie Oskar", freut sich Frank Bauer. Und noch einen positiven Nebeneffekt habe der Truck: "Andere Fahrer helfen eher, wenn es an der Rampe mit dem Rangieren mal nicht auf Anhieb klappt."

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