Nachwuchs-Schmiede: BKF-Azubis im Profil

Thomas Mann (M.) und seine BKF Azubis Marvin, Nigel, Kevin und Patrick
© Foto: Martin Heying

Der Beruf des BKF findet wieder mehr Zuspruch. Der TRUCKER begleitet künftig einen ausgelernten sowie drei angehende Fahrer auf ihrem Weg.


Datum:
01.08.2013
Autor:
Gerhard Gruenig

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Ausbildung hat in der Spedition Emil Mann eine lange Tradition, erklärt Unternehmens-Chef Thomas Mann. "Mein Onkel Kurt hat schon zu seinen Zeiten als BDN-Vizepräsident für die Anerkennung des Berufsstandes gekämpft! Und noch heute ist unser Ziel, pro Jahr mindestens einen BKF-Azubi einzustellen."

Demzufolge arbeiten zurzeit zwei BKF-Azubis im Oberwesterwälder Fuhrunternehmen: Patrick Blesius und Nigel Schüler. Lehrling Nummer drei, Marvin Schüler, startet am 1. August. Trotz der Namensgleichheit sind er und Nigel aber nicht verwandt. TRUCKER wird Marvin und seine beiden älteren Kollegen künftig auf ihrem Weg begleiten. Auch der ältere Bruder des Neueinsteigers arbeitet bei Mann als Berufskraftfahrer; Kevin hat vor drei Jahren seine Ausbildung erfolgreich abgeschlossen.

DIESEL IM BLUT IST EINE DER GRUNDVORAUSSETZUNGEN

Allen vieren scheint Diesel im Blut zu liegen. Marvins und Kevins Großvater ist ebenfalls LKW-Fahrer. Er hat seinen Enkeln wohl auf zahlreichen Touren, bei denen sie ihn als Schüler begleiteten, den "Virus" übertragen. "Mich interessierte der Beruf schon immer", erklärt Marvin mit leuchtenden Augen. Auch wenn's dem großen Bruder nicht recht war, schrieb Marvin an Thomas Mann eine Bewerbung und bekam den Ausbildungsplatz. Wer jetzt glaubt, Kevin wollte dem jüngeren Bruder abraten, weil der Job nichts taugt, ist auf dem Holzweg! Auch Kevin hat seine Berufswahl nie bereut. "Ich fand's anfangs nur doof, dass mein Bruder in unserer Firma anfängt. Trotzdem kann ich ihn verstehen. Ich wollte auch nie etwas anderes. Auf dem LKW bin ich mein eigener Herr. Klar bekommen wir von der Dispo unsere Aufträge. Aber wie wir die erledigen, ist unsere Sache. Und bei uns treibt dich niemand an. Wenn unsere Lenkzeit um ist, bleiben wir stehen. Wir sind viel in Frankreich und in Italien unterwegs. Da kannste dir eh' nichts erlauben, von wegen Lenkzeitüberschreitung oder nicht gemachten Pausen!"

Bis Kevins junge Kollegen so weit sind, werden noch einige Wochen und Monate vergehen. Immerhin darf Nigel als BKF-Azubi schon mit 17 Jahren Auto fahren. Außerhalb der speditionellen Tätigkeit "begleitet", wie andere auch. "Aber im Auftrag der Firma und zur Berufsschule braucht niemand neben mir sitzen", schwärmt der Teenager.

Auf die Reaktion seiner Eltern und Freunde zu seinem Berufswunsch angesprochen meint er: "Mein Vater fährt Linienbus. Den Fahrerjob kennt er also. Hoffentlich liest er das hier nicht, aber ehrlich gesagt, wäre mir der Job zu langweilig! Ich will in den Fernverkehr. Und meine Freunde akzeptieren den Job auch. Ehrlich gesagt glaube ich nicht, dass unser Image so schlecht ist, wie's immer heißt."

Patrick stimmt ihm zu: "Auch mein Vater war Berufskraftfahrer. Und in der ganzen Zeit gab's sicher nicht mehr Negatives als in jedem anderen Beruf auch." Patrick ist sich aber wohl bewusst, dass der Spaß am Job ganz viel mit dem Ausbildungsunternehmen zu tun hat. "Bei Mann haben wir ein gutes Betriebsklima, mit unseren Containerverkehren eine saubere Arbeit und vor allem ordentliche Arbeitszeiten - normal sind wir Freitagabend zu Hause."

Patrick kennt aber auch eine andere, nicht ganz so angenehme Seite: "Wir haben ein Partnerunternehmen, das Kurzholz transportiert. Ich war in den vergangenen drei Wochen drüben, um für einen erkrankten Fahrer auszuhelfen. Drei Uhr morgens anfangen, viel mehr körperliche Arbeit, deutlich unregelmäßigere Arbeitszeiten und viel mehr Rechnerei, um die Fahrerkarte sauber zu halten", lautet sein Resümee. Trotzdem lässt er sich den Spaß am Beruf nicht nehmen! "Wichtig war mir auf jeden Fall, dass meine Eltern voll dahinter stehen - meine Mutter war regelrecht begeistert, dass ich bei Mann anfange!"

Angehenden BKF-Azubis rät er, erst mal ein Praktikum zu machen - mindestens aber einen Ferienjob anzunehmen. "Ich glaube, man muss für diesen Job geboren sein. So wie eine Bank- oder eine Schreinerlehre kann man das nicht machen." Falls sich keine Gelegenheit ergäbe, schon mal vorab in den künftigen Ausbildungsbetrieb zu schnuppern, sollten Interessenten zumindest versuchen, mit den Fahrern zu sprechen. "Ich glaube, man merkt relativ schnell, wie das Klima in einem Laden ist. Und in einem Betrieb, in dem die Fahrer nicht viel Gutes erzählen, würde ich erst gar nicht anfangen!"

Firmenchef Thomas Mann sieht das ganz ähnlich, wenn auch aus eine anderen Warte. "Wir haben gute Erfahrungen gemacht mit jungen Leuten, die schon vor der Ausbildung zu uns kamen. Ich kann mich noch gut erinnern, wie Kevin als 13-Jähriger LKW gewaschen hat oder den Mechanikern in unserer Werkstatt Schraubenschlüssel anreichte."

Seine Azubis sind für Thomas Mann die Versicherung, dass es auch künftig für die Firma im Fuhrgewerbe weitergeht. "Von unseren aktuell 25 Fahrern sind drei über 60 Jahre alt, vier Anfang/Mitte 50. Unser Nachwuchs muss also die nächsten Jahre die altersbedingten Abgänge kompensieren."

Als Ausbildungsleiter fungiert Gerhard Klöckner, der auch gleichzeitig Werkstattleiter ist. "Die BKF-Azubis verbringen anfangs viel Zeit in unseren Reparaturhallen", erklärt Thomas Mann. Deshalb ist Gerhard Klöckner in dieser Zeit ihre wichtigste Bezugsperson.

Nigel erzählt, dass es im Technikkolleg Siegen, der zuständigen Berufsschule, Blockunterricht gibt. "Das heißt, wir sind alle sieben Wochen vier Tage von Montag bis Donnerstag im Unterricht." Die Klassenstärke beschreibt Nigel mit 16 Mann als optimal fürs Lernen. "Gesamt sind wir 35 Mann im Jahrgang, aufgeteilt auf zwei Klassen. Die Inhalte sind okay und langweilig wird's auch nicht."

140 STUNDEN KÖNNEN DREI JAHRE NICHT WETTMACHEN

Auf die Frage, ob es die verkürzte, 140-stündige BKF-Ausbildung nicht auch tun würde, meint Nigel nachdenklich: "Glaub' ich, ehrlich gesagt, nicht. Wenn du das alles in kurzer Zeit eingetrichtert bekommst, bleibt doch nichts richtig hängen. In einer dreijährigen Ausbildung ist alles intensiver. Nicht zu vergessen, haben wir als Gesellen mit abgeschlossener Berufsausbildung und dreijähriger Lehre ein besseres Ansehen. Spätestens wenn mal was passiert - ein Unfall mit Rentenanspruch oder so - ist man mit Gesellenbrief besser dran!" Chef Thomas Mann stimmt ihm zu: "Mit den Dreijährigen haben wir deutlich bessere Erfahrungen gemacht. Wer bei uns die Ausbildung durchlaufen hat, bleibt meist sehr lange im Unternehmen." Als unbedingte Voraussetzung nennt der Geschäftsführer einen qualifizierten Hauptschulabschluss, "und die Noten sollten auch einigermaßen okay sein. Gut, das wichtigste Kriterium ist das nicht. Und wenn jemand schon mal als Praktikant gearbeitet hat und wir sehen, dass er engagiert ist, spielt das Zeugnis eine untergeordnete Rolle. Aber wenn ich die Wahl aus zwei ähnlichen Bewerbern habe, kommt's eben doch auf die Noten an."

Generell hat Mann keine Probleme, Fahrer und Azubis zu finden. "Das mag in anderen Firmen anders sein. Dann liegt's aber auch am Unternehmen!" Seiner Ansicht nach gibt es jedenfalls keinen Fahrermangel. "Ordentliche Bezahlung, gutes Betriebsklima, jeder hat sein eigenes Fahrzeug - warum sollten wir Probleme haben, Fahrer zu bekommen?"

Den Ausbildungsberuf BKF findet Thomas Mann grundsätzlich gut. "Wir würden uns aber in manchen Fällen bessere Rahmenbedingungen wünschen", erklärt der Unternehmer. "Die Azubis starten normal mit 16 Jahren ihre Lehre. Da ist hohe Mobilität gefordert. Das lässt sich nicht immer mit einem Führerschein ab 17 erfüllen."

Auch, dass seine Azubis mit 18 Jahren in manchen Ländern Probleme haben zu fahren und ihnen der Transport von Gefahrgut verwehrt bleibt, wäre hinderlich. "Da richte ich einen dringenden Appell an die Eurokraten in Brüssel, das doch endlich einheitlich in Europa zu regeln. Für die Dispositionen der betroffenen Unternehmen ist es äußerst umständlich, wenn man für bestimmte Transporte nicht alle Fahrer einsetzen kann. Und wenn ich doch drei Jahre Lehre hinter mir habe, dann sollte ich es doch können. Bei einem Versicherungskaufmann sagt schließlich auch niemand, dass er trotz abgeschlossener Lehre noch drei Jahre keine Haftpflichtschäden bearbeiten oder Lebensversicherungen abschließen darf ..."

18 JAHRE UND INS AUSLAND - ALLES KEIN PROBLEM

Kevin ergänzt: "Ist schon ein wenig lächerlich, dass ich keine Probleme hatte, mit 20 mit einer Standard-Ladung in die Türkei zu fahren. Aber mit Gefahrgut nach Belgien durfte ich nicht!"

Um seine angehenden Fahrer an den Beruf heranzuführen, verordnet Thomas Mann viel Praxis. "Neben dem Einsatz in der Werkstatt unterweisen wir die Azubis im Stapler- und Laderfahren. Das macht doch auch viel mehr Spaß, mit den Flurförderzeugen umzugehen, als immer nur öde Theorie zu lernen. Zudem können unsere Lehrlinge - wenn sie so weit sind - die Container am Hof umsetzen und lernen so schon mal, mit Hakengeräten umzugehen. Bei dem Thema muss Nigel erkennbar schmunzeln. Der Youngster hat schon jetzt den alten Mercedes SK 2535 ins Herz geschlossene, mit dem er oft stundenlang betriebsintern unterwegs ist. "Ich darf zwar noch nicht auf öffentliche Straßen mit dem LKW", freut sich der Azubi sichtlich. "Aber wer kann schon mit 17 Laster fahren!"

Mit seinem LKW-Führerschein wird Nigel kurz vor Erreichung des 18. Geburtstags starten. "Wir fangen mit dem C an und dürfen damit Solo-LKW fahren. Anschließend erfolgt dann die Erweiterung auf CE mit entsprechender Prüfung."

Ein heikles Thema beim Berufsbild BKF ist die Bezahlung. "Wenn ich höre, dass manche Unternehmen 1300 Euro brutto bezahlen", empört sich Patrick, "dann ist das doch viel zu wenig für diesen im Grunde genommen sehr verantwortungsvollen Job und die vielen Stunden." Thomas Mann gibt seinem Azubi Recht: "Wir zahlen Auszubildende und Fahrer nach Tarif." Ansonsten würde man sehr schnell merken, ob's passt oder nicht, ist sich der Geschäftsführer sicher. "Wenn die Fahrer unzufrieden sind, zeigt sich das an hohen Verbräuchen, vielen Schäden und unzufriedenen Kunden."

Zufrieden sind Kevin, Nigel, Marvin und Patrick. Sie eint diese latente Sehnsucht, in die Ferne zu reisen. Nahverkehr auf Dauer kann sich keiner vorstellen - zumindest noch nicht jetzt. "Vielleicht später, mit Frau und Kindern", lacht Kevin. "Aber bis dahin wollen wir noch Europa kennenlernen." Wen der Virus erst einmal gepackt hat, lässt ihn nie mehr los. Aber man muss dafür geboren sein!

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