Porträt: Nord-Spedition mit Fanklub

Ausbildungsjahrgang 2017: Insgesamt lernen bei der Nord-Spedition 26 Auszubildende, darunter 26 angehende BKF
© Foto: Nord-Spedition

Die Nord-Spedition wünscht sich glückliche und treue Mitarbeiter - von der Ausbildung bis zur Rente. Dazu gehört für das Unternehmen mehr als gutes Geld.


Datum:
21.02.2018
Autor:
Julia Thomsen

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Die Kraftfahrer sind unsere wichtigste Mitarbeitergruppe - leider mit einem sehr schlechten Image. Wir wollen den Fahrer und seine Bedeutung in den Fokus rücken." So fasst Patrick Zielinski, Personalleiter bei der Nord-Spedition in Großenwiehe bei Flensburg, die Motivation der Spedition zusammen. Seit fünf Jahren arbeitet die Firma daher mit dem Slogan "Spring mit auf!" nicht nur daran, neue Mitarbeiter auf den Bock zu bekommen, sondern auch das Image des Berufs zu verbessern.

Die Wertschätzung fängt dabei im eigenen Unternehmen an. Bei der Nord-Spedition setzt man alles daran, die Mitarbeiter zufriedenzustellen. Um das zu erreichen, spielt schon längst nicht mehr nur der Lohn die tragende Rolle. Das Gesamtpaket muss stimmen. Bei der Nord-Spedition gehört dazu vor allem ein offenes Ohr für Wünsche. "In der Regel fahren die Fahrer bei uns im Fernverkehr Sonntagabend los und sind Freitag, Samstag wieder zurück", erklärt Lars Hansen, der die Firma gemeinsam mit seinem Bruder Oke Hansen von den Eltern übernommen hat. "Wir haben aber auch Fahrer, die grundsätzlich nur Montag bis Freitag oder lieber drei Wochen am Stück fahren und dann eine Woche frei haben." Solche Wünsche versuche man den Kollegen zu erfüllen.

DER SPEDITION EIN LEBEN LANG DIE TREUE HALTEN

Seit 1993 transportiert die Nord-Spedition als Nachfolger der Spedition Siegfried Hansen Flüssigkeiten: Lebensmittel, Futtermittel sowie chemische Produkte und Gefahrgüter. Einen Großteil davon im Fernverkehr, etwa 20 Prozent in der Region. Ebenso lange fährt auch Henryk Suszka Gefahrgut-Transporte für die Spedition. "Ich wäre nicht ganz dicht, den Job hier aufzugeben", sagt der 58-Jährige mit einem Lachen. "Der Lohn stimmt, der Umgang miteinander ist super und die Technik ist einwandfrei", sagt Henryk. "Ich bekomme bald meinen sechsten neuen Lkw." Für die einwandfreien Fahrzeuge sorgt nicht zuletzt der eigene angegliederte Volvo-Renault-Truck-Service der Spedition.

Dass die Mitarbeiter, so wie Henryk, nie wieder woanders arbeiten wollen, sei das Ziel, sagt Patrick Zielinski. "Aus Mitarbeitern sollen Fans des Unternehmens werden", so der 35-Jährige. "Dann halten sie in guten und in schlechten Zeiten zur Firma und bleiben im Idealfall ein Leben lang." Auf Wunsch der Azubis kreierte die Spedition sogar eine eigene Bekleidungskollektion. Sie komplettiert das Fan-Gefühl. "Das ist keine offizielle Arbeitskleidung, aber wer möchte, kann sich jetzt auch äußerlich als 'Nordic Falcon' identifizieren", erläutert Zielinski.

Mit einem hochwertigen Ausbildungsprogramm will die Spedition schon früh neue Fans des Unternehmens gewinnen. Mit dem Slogan "Spring mit auf!" wurde das Ausbildungskonzept gründlich überarbeitet. Die Lehrlinge erhalten eine intensive Betreuung, denn "je besser man begleitet, je mehr man anbietet, desto größer ist die Motivation bei den Auszubildenden", meint Zielinski. Die Bkf-Azubis werden neben der Führerschein- und Schulausbildung von Ausbildungsfahrern betreut.

Einer dieser erfahrenen Kollegen ist Uwe Garmatz. Er hilft sowohl bei der theoretischen als auch der praktischen Ausbildung des Nachwuchses. "Wir arbeiten nicht nur am Fahrstil der Azubis", erzählt der 41-Jährige, "ich helfe auch bei anderen Problemen und bin für unsere jungen Fahrer eine wichtige Bezugsperson in der Firma."

Um qualifizierte Mitarbeiter zu bekommen, die auch bleiben, führt für die Großenwieher Spedition kein Weg an der Ausbildung von eigenem Nachwuchs vorbei. "Das Ziel ist, 100 Prozent unserer Auszubildenden zu übernehmen", erklärt Patrick Zielinski. Heute lernen bei der Nord-Spedition 26 Azubis, darunter 20 junge Fahrer.

GESUNDE MITARBEITER SIND GLÜCKLICHE MITARBEITER

Eines ist Zielinski dabei besonders wichtig: "Ich schließe nie etwas aus." Beim Blick auf das Zeugnis seien Fehltage und Pünktlichkeit aussagekräftiger als eine schlechte Note in Mathe oder Geografie. Neben dem Schulabschluss sei auch das Alter meist eher nebensächlich. "Unser jüngster Azubi ist gerade 18 Jahre alt geworden, der aktuell älteste ist über 40."

Den 21-jährigen Daniel Plagov überzeugt das Konzept der Spedition. "Es ist sogar noch besser, als ich es mir vorgestellt hatte", sagt der Bkf-Azubi im ersten Lehrjahr. Er steht kurz vor der theoretischen Führerscheinprüfung, "dann geht's mit der Praxis los". Bis dahin arbeitet Daniel in der Tankreinigung der Spedition. "Unsere Bkf-Azubis beginnen sofort mit dem Führerschein", erklärt Zielinski. "Schließlich sollen sie so früh wie möglich Erfahrungen in ihrem Beruf sammeln." Daher sind die Azubis anschließend auch schnell allein unterwegs. Daniel kann das kaum erwarten. "Ich hab' Fernweh", sagt er schmunzelnd.

Teil der "Fan-Strategie" der Spedition ist auch das Gesundheitsmanagement unter dem Motto "Spring mit auf, bleib gesund!". Da ein Großteil der Mitarbeiter als Fahrer unterwegs ist, umfasst es einen flexiblen Mix aus Angeboten der Krankenkassen, Events wie Kochkursen, allgemeinen Angeboten wie Pilates oder Rückenschule sowie gemeinsamen Gesundheitsprojekten. Auch hier achtet die Spedition auf Individualität. "Jeder Mitarbeiter kann über ein Gesundheitsbudget von 250 Euro pro Jahr verfügen", erläutert der Personalleiter. So könne jeder Einzelne die Maßnahme wählen, die am besten in sein Leben passt. "Gesundheit ist mehr als nur Ernährung und Sport. Gesundheit hat auch mit Glück zu tun." Und glückliche Mitarbeiter bleiben dem Betrieb treu.

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