Reportage: Ab durch die Wüste

Die Reise wird in einem Mercedes 1113, Baujahr 1966, gemacht
© Foto: Sabine Buchta/Peter Unfried

Sabine Buchta und Peter Unfried bereisen mit ihrem über 50 Jahre alten MB-Hauber die Welt. Im TRUCKER berichten sie über ihre Tour nach Marokko und Mauretanien.


Datum:
12.08.2020
Autor:
Sabine Buchta
Lesezeit: 
6 min

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Die letzten Winter haben unserem Reisewagen, ein Mercedes 1113, Baujahr 1966, ordentlich zugesetzt: Rost, Rost und noch mehr Rost. Dank so mancher Nachtschicht schaffen wir aber rechtzeitig den Absprung zur Fähre nach Genua – mit neu lackierten Türen, anderen Achsen, einem anderen Verteilergetriebe und vielen neuen Blechteilen.

Kaum haben wir den modernen Hafen in Tanger verlassen, scheint das Leben etwas entspannter und ruhiger abzulaufen und Zeit eine andere Bedeutung zu haben. Viele marokkanische Lkw-Chauffeure strecken uns den Daumen entgegen und signalisieren uns, dass wir willkommen in ihrem Land sind.

Marokko ist ein herrliches und einfaches Reiseland. Wir erkunden die Medinas von Assilah, Rabat, Casablanca und Marrakesch. Lassen uns durch die verwinkelten Gassen der Altstadt treiben, verlaufen uns in den Basaren, bestaunen Moscheen, Koranschulen und Paläste. Der Platz Djemaa El Fna im Zentrum von Marrakesch verwandelt sich am frühen Abend in ein riesiges Spektakel. Unzählige Garküchen werden aufgebaut, Stände mit getrockneten Früchten, frisch gepressten Säften, Gaukler, Akrobaten, Schlangenbeschwörer, Geschichtenerzähler und Musiker versammeln sich. Ein Fest für die Sinne!

Wieder einmal buddeln, hier im südmarokkanischen Draa-Tal
© Foto: Sabine Buchta/Peter Unfried

Gleißendes Licht und sternenklare Nächte

Sosehr wir die Städte und den Kulturreichtum Marokkos auch lieben, so sehr sehnen wir uns nach der Natur. Unbedingt wollen wir in die Wüste, wir haben Sehnsucht nach Weite und dem scheinbaren Nichts, das dennoch so viel offenbart. In M’hamid ist der Asphalt zu Ende, die Oase liegt am Rande der Sahara. Die Wüste begrüßt uns in diesem ahr in einem grünen Kleid. Durch die starken Regenfälle im Herbst steht der Rucola nun kniehoch mit duftenden gelben Blüten. Zarte, weiße Blumen zieren den Boden.

Die Sahara eröffnet uns ihr ganzes Repertoire: heiße Tage und kalte, sternenklare Nächte; windstille Zeiten und Sandstürme; grüne Flusstäler und karge Sandberge; gleißendes Tageslicht und warme, weiche Sonnenstrahlen, die die Dünen morgens und abends in ein sattes Orange und den Himmel in ein kräftiges Pink tauchen. Die Sterne sind zum Greifen nahe; in einer Nacht regnet es förmlich Sternschnuppen auf uns herab. Was soll man sich da bloß alles wünschen?

Typisch für Marokko: karge, menschenleere Gebiete wie hier die Gebirgskette Jebel Sarhro
© Foto: Sabine Buchta/Peter Unfried

Feigenbäume, Mandelblüten, eine traumhafte Landschaft

Wir bewegen uns auf einsamen Routen nahe der algerischen Grenze. Innerhalb von zehn Tagen begegnen uns nur ein Fahrzeug und der Wildhüter Abdullah. Die Wüste hat uns abermals verzaubert!

Rund 200 Kilometer sind es von Tis­sint, wo wir wieder den Asphalt erreichen, bis nach Tafraoute im Anti-Atlas, einer meiner Lieblingsplätze. Eine wunderschöne Gebirgslandschaft mit spektakulä­ren Felsformationen. Große Granitblöcke liegen verstreut auf der Erde, als hätte man sie vom Himmel geworfen. Auf den Arganbäumen hellgrüne Nüsse, auf den Mandelbäumen die ersten rosaroten Blüten. Abends glühen die Berge in einem dunklen Rot. Die üppigen Oasengärten mit Dattelpalmen, Oliven-, Feigen- und Granatapfelbäumen stehen im Kontrast dazu.

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