Roadstars Trophy: "So etwas machst du nur einmal im Leben!"

Viel Spaß hatten die Teilnehmer an der Roadstars Trophy
© Foto: Sabine Köstler

Zum vierten Mal fand die Mercedes-Benz RoadStars Trophy statt. Unter Spaniens Sonne fochten die Finalisten den europäischen Gesamtsieg aus.


Datum:
17.08.2018
Autor:
Sabine Köstler

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Eine seltsame Karawane wälzt sich durch Salomó: Ein Tross aus fünf Actros-Zugmaschinen, zwei Arocs-Kippern und mehreren Transportern zieht an diesem Juni-Tag durch das verschlafene Dorf. Das Equipment der Mercedes-Benz RoadStars Trophy rückt an. Und kurz darauf auch die 14 Lkw-Fahrer, um die sich in den nächsten Tagen alles drehen wird. Die Landesfinalisten kämpfen in dieser wunderschönen spanischen Provinz um den Gesamtsieg.

"Jetzt kann's losgehen", freut sich Thomas, der zusammen mit dem 27-jährigen Daniel das "Team Deutschland" stellt. Wie seine Mitstreiter ist er mächtig gespannt auf die verschiedenen Aufgaben, die ihn erwarten. Erste Gespräche entwickeln sich zwischen den Männern, neben dem Alter (20 bis 45) verbindet sie auch eine leichte Nervosität und zugleich ein großes Glücksgefühl, es bis nach Spanien geschafft zu haben. Erste Fotos von der Hotelanlage werden nach Hause gepostet, nach Belgien, Rumänien, Deutschland, Polen, Holland, Italien und in die Schweiz. Ionel aus Rumänien hat einen dreijährigen Jungen, der seinen Papa schon jetzt vermisst und am Handy weint. Der ist normalerweise mit seinem Actros nur auf den Baustellen rund um seinen Heimatort Constanta unterwegs. An seiner Seite: Cosmin aus Bukarest, den er beim Landeswettbewerb kennengelernt hat. Die beiden Männer sind seither enge Freunde.

Thomas sitzt nur an wenigen Tagen pro Monat auf dem Bock, je nach Saison mit Zuckerrüben oder Bananen. In der anderen Zeit ist er Lokführer und fährt dreimal die Woche von Frankfurt nach Paris. "Die Lok ist mein Beruf, der Lkw mein Hobby", sagt er. Mitstreiter Daniel aus Oranienburg, ausgebildeter BKF, hat die Arbeit im Verteilerverkehr mit der als Gefängnisfahrer bei der Berliner Justiz getauscht. "Das sind zehn Stunden weniger Arbeit pro Woche, und in zwei Jahren kann ich die Beamtenlaufbahn einschlagen", erklärt er seine Entscheidung.

Dann geht's auch schon los mit der ersten "Task": katalanisches Kegeln. Fünf von sechs Kegeln sollen fallen. Zero points für jeden, der auch den sechsten umhaut. Ron aus Alsmeer ist clever: Einmal zielt der Holländer absichtlich ins Outback, was mit Applaus quittiert wird, da ihm so vier Punkte sicher sind. Ron ist Mercedes-Fan der ersten Stunde. Sein Großvater gründete eine Spedition, seine Eltern sind beide Lkw-Fahrer. "Unser ganzes Leben ist Lkw", erzählt er und zeigt stolz Fotos seiner Partylaube. Sie ist üppig dekoriert mit Fotos, Schildern, Wimpeln und Sternen der schwäbischen Marke. An der Wand prangt ein kaputter Turbolader. "Der ist aber nicht von Mercedes", lacht Ron, "die gehen ja nicht kaputt!"

JOHLEN UND ANERKENNENDER APPLAUS FÜR DIE ANDEREN FINALISTEN

Jetzt werden Dutzende mit Sangria gefüllte Tonkrüge herangeschleppt. Doch vor das Vergnügen hat auch der spanische Herrgott die Arbeit gesetzt: Krüge stemmen, Arme gestreckt. Anerkennendes Gejohle, als einige die Krüge über zehn Minuten lang halten. Die beste Technik hat der Schweizer Roland mit einer Rückbeuge, auf die jeder Yogalehrer stolz wäre. Jetzt darf der Sangria getrunken werden.

Am nächsten Morgen geht es ins katalanische Vorküstengebirge, in die Serra de Collserola. Für die Challenge steht das Offroad-Gelände Can Padro zur Verfügung. Während die einen im Actros Slalom auf Zeit fahren und Abmessungen schätzen, sind andere im Arocs im kurvigen, steilen Gelände unterwegs. Ein blauer Eimer ist an einem 4145er befestigt, die Flüssigkeit darin soll während der Fahrt nicht verloren gehen. Mirko aus Italien behauptet grinsend, keinen Milliliter verschüttet zu haben: "Es ist so heiß hier, das ist auf dem Weg zum Wiegen verdunstet, da kann ich nix für!"

IN VIELEN SPRACHEN WITZE UND SPRÜCHE, JEDER VERSTEHT JEDEN

Beim "Full Stop" aus 50 km/h wird manchem die Berufserfahrung zum Verhängnis: Ein leichtes Stottern oder Schaukeln der Kabine verrät dem Blick des Wertungsteams unerlaubt dosiertes Bremsen. Einige überfahren das Ziel.

Zum Aha-Erlebnis wird die nächste Aufgabe. Wie lange ist der Bremsweg eines unbeladenen Actros aus 70 km/h? Die Jungs beratschlagen sich untereinander, rücken die Pylonen umher, meist bei rund zwölf Metern. Aber oha: Der Lkw steht erst nach 31,70 Metern. Lektion gelernt.

Beim Abendessen wird geredet und gestikuliert. Da ein Joke auf Italienisch, dort eine Frage auf Belgisch, notfalls hilft der Handy-Translator. Ein paar Brocken Englisch kann jeder, cheers!

Am frühen nächsten Morgen ist Bogenschießen die Task. Während Thomas bei der Probe der Beste ist, versagen beim Contest seine Nerven. Er nimmt's gelassen: "Was soll's! Die deutschen Fußballer sind gestern aus der WM geflogen, das ist schlimmer!" Als Ron zielt, wird gefrotzelt: "Ron, das Gelbe in der Mitte, ist das kein DAF?"

Die weiteren Challenges finden an der Talstation der Zahnradbahn zum berühmten Benediktinerkloster Santa Maria statt, am Fuß des Montserrat. Unter der sengenden Sonne hat es 35 Grad. Zum Einstimmen werden Minitrucks bewegt, das "Roundabout" - Wenden auf Zeit - im Actros ist dann eine echte Herausforderung. Die Fahrer kurbeln, steigen in die Eisen, die Kabinen nicken heftig. "Game over" heißt es für die, die ein Hütchen auf die Hörner nehmen.

Und es wird noch heißer. Die RoadStars-Community hat abgestimmt und will die Jungs schwitzen sehen: Sie sollen Holz sägen. Das Sägeblatt biegt und windet sich, bis die Duos im Einklang sind. Zum Stabilisieren setzen sich einige auf den Bock und feuern sich gegenseitig an: "Uno, due, uno ...!" Scheibe für Scheibe fällt.

Am Nachmittag führt eine Standseilbahn die Teilnehmer vom Kloster ganz nach oben in den Berg. Skeptische Blicke wandern eine Felswand hoch. "Da sollen wir rauf? Wo hält man sich denn da fest?" Zwei Routen à 30 Meter sind mit Seilen präpariert. "Nee, das ist nix für einen Flachländer wie mich", keucht Daniel und seilt sich nach wenigen Metern wieder ab. Behende laufen Ionel und Cosmin den Fels hoch, so schnell, dass selbst die Bergführer staunen.

KAMERADSCHAFTLICHES MITEINANDER

Der laue Abend auf der Hotelterrasse ist entspannt. Fast geschafft! Die Männer freuen sich auf den nächsten Tag, an dem es nach einer letzten Task zum Nürburgring zur Siegerehrung geht. Sie quatschen angeregt über ihre Jobs, Chefs, Frauen und ihr Zuhause. Feuerwehrmann und Abschleppfahrer Chris aus Belgien renoviert

gerade sein Haus, Marek aus Opole lebt für 100 Euro Miete auf drei Zimmern und wird in drei Wochen Vater. Kein Gedanke daran, dass sie hier Konkurrenten sind. Und nicht nur hier, sondern vor allem im Alltag, weil die Transportbranche ihre Branchenkämpfe meist über die Fahrer (-löhne) austrägt. Vergessen. "Wir Fahrer sitzen doch alle in einem Boot", sagt Ron auf seine trockene Art und springt in den Pool.

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