Showtruck Aloisius: Der Bruder im Geiste

Zwei Bayern, zwei richtige Pfundskerle: Armin Anbuhl wählte die Geschichte vom Bier-Engel Aloisius als Motiv für den Truck
© Foto: TRUCKER

Als Urbayer kommt Armin Anbuhl nicht umhin, seine Leidenschaft für LKW mit seiner Kultur zu verknüpfen.


Datum:
28.07.2014
Autor:
Michael Simon

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Zwei Armin für ein Halleluja? Wie er da so vor seinem Showtruck posiert, könnte man meinen, Armin Anbuhl stehe doppelt vor einem: ein Mal in natura und ein Mal als Airbrush auf seinem Showtruck.

Doch wer sich nicht von Tracht und Statur blenden lässt, erkennt spätestens bei der Gesichtsbehaarung, dass der Airbrush auf der linken Flanke nicht den Niederbayern porträtiert. Während er einen lässigen Kinnbart trägt, schmückt das Gesicht des anderen ein Schnauzer. Wer aber ist der Doppelgänger? "Das ist natürlich der Aloisius!", sagt Armin, gebürtiger Landshuter, und fügt etwas erstaunt hinzu: "Als echter Bayer kennt man den Bier-Engel schon!" Alle "unechten" und Nichtbayern finden die Aloisius-Geschichte unter dem Suchbegriff "Ein Münchner im Himmel" auf www.youtube.com .

SHOWTRUCK: DIE ZEIT WAR REIF, DEN TRAUM ZU LEBEN

Der 32-Jährige sitzt seit dem Ende seiner Ausbildung nun schon zwölf Jahre auf dem Bock. Doch bei keinem seiner bisherigen sieben Arbeitgeber hat er sich so wohl gefühlt, wie beim aktuellen, der Alpha Blumen Vertriebsgesellschaft. Während er bei früheren Jobs Bauteile für die Autoindustrie transportierte oder Schrott- und Getreide-Kipper fuhr, hat er jetzt einen deutlich besser riechenden Arbeitsplatz. Für seinen Arbeitgeber importiert er seit Anfang November 2011 Blumen aus den Niederlanden nach Deutschland, von wo er sie an Großhändler weiterverteilt.

Ende Januar gab sein Chef den Anstoß zum Showtruck-Projekt. Er stellte als Zeichen der Anerkennung seinem Fahrer zu dessen großer Überraschung ein nigelnagelneues Arbeitsgerät zur Verfügung: einen Scania Streamliner R520 Euro 6. Bei der Gestaltung gab er Armin freie Hand und vertraute darauf, dass dieser stilvoll und verantwortungsvoll mit der Aufgabe umgehen würde.

"Die Zeit war reif, mir endlich meinen Jugendtraum zu erfüllen: Ein Mal im Leben einen Showtruck zu fahren", erzählt Armin. Schon früher hatte er mit dem Gedanken gespielt, aber entweder war das nötige "Kleingeld" nicht auf der hohen Kante oder der Arbeitsplatz zu unsicher. Jetzt aber war die Gelegenheit günstig.

DIE HERZDAME ENTPUPPT SICH ALS GROSSE KÜNSTLERIN

Die Prosa-Figur "Aloisius" wählte er als Motiv, weil er in ihm einen Bruder im Geiste sieht: Beide sind bayrische Urgesteine, launisch aber herzhaft, temperamentvoll aber treu. Bei all den Gemeinsamkeiten wusste Armin nach etlichen Wochen des Grübelns sicher, welches Motiv seinen LKW verzieren sollte.

Zumal Armin in der Zwischenzeit künstlerische Unterstützung an Land gezogen hatte. Denn vor knapp eineinhalb Jahren hat Armin in einer der Gärtnereien, die von ihm mit frischen Blumen beliefert werden, seine Lebensgefährtin Bettina kennengelernt. Die beiden entdeckten bei einem Plausch Gemeinsamkeiten wie ihre Tanzleidenschaft und tauschten Telefonnummern aus.

DER GELDBEUTEL IST LEERER, DIE VISIONEN SIND ES NICHT

Das zeichnerische Talent seiner neuen Freundin blieb Armin nicht lange verborgen. Er bat sie, einen ersten Entwurf für die angedachten Airbrushs auf dem Truck anzufertigen. Die erste Zeichnung der 25-Jährigen haute Armin denn auch aus den Socken - doch dem folgte ein ernüchternd langatmiger Planungsprozess. Wieder und wieder diskutierte das Pärchen mit dem Lackiermeister Walter Rosner neue Entwürfe; immer drückte irgendwo der Schuh. "Eine Woche bevor wir endlich eine Lösung gefunden haben, wollte ich fast schon hinschmeißen", erinnert sich der LKW-Fahrer. Denn schließlich wollte er keine halben Sachen machen.

Unter Beweis stellte er seine Ganz-oder-gar-nicht-Mentalität auch in Sachen Beziehung. Obwohl Bettina und er erst relativ kurz ein Paar waren, zog er für sie nach Pfarrkirchen, die Verlobung ist durch, ein Kind ist unterwegs. Und bald könnte im besten Fall noch eine riesige Bilderbuch-Trucker-Hochzeit steigen - wenn es denn der Geldbeutel zulässt. Denn der ist nach den 12.000 Euro, die bereits in den Jugendtraum flossen, zu einem flunderplatten Portemonnaie geschrumpft. Und dass der eine oder andere Euro noch herausrollt, ahnt Armin. Seine Verschönerungsvisionen machen vor nichts halt. Auf die Rückwand des Fahrerhauses hätte er zum Beispiel gerne die komplette Aloisius-Story gemalt, an Lichtern und im Interieur geht für einen echten Tüftler immer noch ein bisschen mehr.

DIE SELBSTERKENNTNIS, ANDERS ALS ANDERE ZU SEIN

Bei all dem Fanatismus für seinen Truck erkennt Armin immerhin, dass er anders tickt als die meisten. "Es gibt sicherlich einige, die einen an der Klatsche haben. Aber nur wenige, die so einen an der Klatsche haben wie ich", sagt Armin lachend. Trotzdem macht es ihn stolz, zu einem immer exklusiveren Kreis zu gehören. "Heutzutage können es sich kaum noch Fahrer leisten, den eigenen LKW herzurichten. Echt schade!", findet der fleischgewordene Aloisius.

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